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Fußball: Die Folgen nach dem Aus für die FIFA-Ethikhüter

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Die Folgen nach dem Aus für die FIFA-Ethikhüter

10.05.2017, 15:40 Uhr | dpa

Fußball: Die Folgen nach dem Aus für die FIFA-Ethikhüter. Hans-Joachim Eckert führte die unabhängige Ethikkommission der FIFA.

Hans-Joachim Eckert führte die unabhängige Ethikkommission der FIFA. Foto. Walter Bieri Foto: Walter Bieri. (Quelle: dpa)

Manama (dpa) - Die Absetzung der Ethikhüter rund um den deutschen Juristen Hans-Joachim Eckert dominiert die Themenlage vor dem FIFA-Kongress am Donnerstag.

Nach dem Beschluss des Councils des Fußball-Weltverbands in Manama, neue Chefs für die Ethikkommission zu nominieren, gibt es noch viele offene Fragen. Die wichtigsten Antworten:

Wie war die Reputation der bisherigen Ethik-Spitze?

Nachdem lange Zeit spekuliert worden war, ob sich die Ethikkammer auch bei Top-Personalien das Prädikat unabhängig verdienen würde, bewies das Gremium spätestens im FIFA-Korruptionsskandal Durchsetzungskraft. Weltverbandspräsident Joseph Blatter wurde ebenso wie UEFA-Chef Michel Platini gesperrt. Die Ethikkommission hatte vergangenes Jahr auch gegen den aktuellen FIFA-Chef Gianni Infantino ermittelt, die Untersuchungen aber nach mehreren Wochen eingestellt, weil der Schweizer nicht gegen Verhaltensregeln verstoßen habe.

Insgesamt wurden seit 2015, dem Jahr der ersten Verhaftungen von Spitzen-Funktionären in Zürich, durch die Untersuchungskammer unter Vorsitz des Schweizer Cornel Borbely 194 Voruntersuchungen durchgeführt. Die rechtssprechende Kammer, dessen Chef Eckert war, verurteilte mehr als siebzig Funktionäre.

Wie reagiert der Deutsche Fußball-Bund?

DFB-Chef Reinhard Grindel setzte sich bei seiner ersten FIFA-Councilsitzung vergeblich für die beiden Chef-Ethiker ein: "Ich habe eindringlich darauf hingewiesen, dass es eine sehr schwierige Entscheidung ist, da nach meiner Einschätzung die Arbeit von Eckert und Borbely durchaus geschätzt worden ist." Zudem erinnerte er daran, dass FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura zuletzt in einem Zeitungsinterview sich noch "zu 100 Prozent" pro Eckert/Borbely positioniert hatte.

Warum mussten Eckert und Borbely dann gehen?

Darüber gibt es bisher keine offizielle Aussage, FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich nach der Sitzung nicht geäußert. Er begründete die Änderung an der Spitze mehrerer Kommissionen während der Councilsitzung damit, dass es Beschwerden über eine europäische Dominanz in den Gremien gegeben hatte. So wird beispielsweise auch der angesehene Portugiese Luís Miguel Poiares Maduro als Chef der Governance-Kommission durch den Inder Justice Mukul Mudgal ersetzt.

Was sagen Eckert und Borbely?

Beide sehen die Reputation der FIFA und Fortgang der Ermittlungen gefährdet. "Ohne funktionierende Ethikkammer ist der Ethikcode ein totes Blatt Papier", sagte Borbely. Eckert betonte, dass es nun zu Verzögerungen komme: "Ich bin nicht sicher, wie lange es dauern wird, bis jemand anders mit diesen Fällen umgehen wird."

Was bedeutet dies für die Ermittlungen im Sommermärchen-Skandal?

Borbely und Eckert machten wie gewohnt keine Angaben zu laufenden Fällen. Dass gegen die Macher der WM 2006 um Franz Beckenbauer ermittelt wird, hatte die Untersuchungskammer aber im März 2016 mitgeteilt. Das Verfahren dürfte sich noch weiter in die Länge ziehen. Ob die neuen Ethikchefs die Vorgänge anders bewerten, bleibt abzuwarten.

Wer sollen die Nachfolger werden?

Als neue Chef-Ermittlerin wurde María Claudia Rojas aus Kolumbien vom Council vorgeschlagen, Nachfolger von Eckert soll Vassilios Skouris werden. Beide müssen noch beim Kongress der 211 FIFA-Mitgliedsländer am Donnerstag bestätigt werden, dies gilt als Formsache.

Der Grieche Skouris war von 2003 bis 2015 Präsident des Europäischen Gerichtshofs. Rojas gilt in Kolumbien als Topjuristin mit rund 25 Jahren Berufserfahrung. Sie war Präsidentin des Consejo de Estado (Staatsrats), eine der höchsten juristischen Instanzen des Landes, die zudem die Regierung in allen Rechtsfragen berät. Geboren in Cali hat sich die Mutter von drei Söhnen auf die Analyse und Lösung von Konflikten, sowie auf internationales Finanzrecht spezialisiert. An der Universität Cali lehrte sie zudem Verfassungsrecht, neun Jahre war sie anschließend am Verfassungsgericht des Landes tätig.

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