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Leichtathletik - Diskuswerfen: Riedel rechnet mit Funktionären ab

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Leichtathletik  

Riedel rechnet mit Funktionären ab

02.07.2008, 13:32 Uhr | dpa

Karriere-Ende: Diskuswerfer Lars Riedel (Foto: dpa)Karriere-Ende: Diskuswerfer Lars Riedel (Foto: dpa) Der "Herr der Ringe" nimmt Abschied. Eine Überraschung war die Verkündung des Karriereendes von Diskuswerfer Lars Riedel jedoch nicht mehr. "Ich hätte gern mit den Spielen in Peking aufgehört. Aber die Schmerzen im Rücken lassen das nicht mehr zu. In Extrem-Phasen war die Intensität nicht mehr möglich", sagte der erfolgreichste Leichtathlet Deutschlands bei der Vorstellung seiner Autobiografie "Meine Welt ist eine Scheibe" in Berlin, in der er seine persönliche Abrechnung mit Sportfunktionären und dem Doping-Kontrollsystem vornimmt.

Der "Mann mit dem goldenen Arm"

Immer wieder hatte der in Zwickau gebürtige Sachse mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und daher auch fast zwei Jahre keinen Wettkampf mehr bestritten, so dass die fünfte Olympia-Teilnahme für ihn ein Traum blieb. Riedel galt selbst bei seinen Konkurrenten als "Mann mit dem goldenen Arm": Er gewann Olympia-Gold 1996 in Atlanta, Silber vier Jahre später in Sydney, war fünfmal Weltmeister und 1998 auch Europameister. Zum letzten Mal im Ring stand der 1,99 Meter große Diskus-Riese am 27. August 2006 in Bad Köstritz, seinen internationalen Abschied hatte er zuvor bei der EM 2006 in Göteborg mit einem enttäuschenden achten Platz gefeiert.



Riedel kritisiert Ablauf der Dopingtests

Im Vorjahr war Riedel dennoch in die Schlagzeilen geraten, als er nach verpassten Doping-Kontrollen der Nationalen Doping-Agentur NADA Antworten schuldig geblieben war und vom DLV daraufhin verwarnt worden war. "Dreimal will ein Kontrolleur die Trinitalisstraße nicht gefunden haben. Kann er ja auch nur schwerlich, denn die Straße gibt es in Rottach-Egern überhaupt nicht. Das ist meine alte Anschrift aus Chemnitz", erklärte Riedel dazu in seinem Buch und rechnet mit den Kontrolleuren der NADA ab. "Sich beim Urinieren zuschauen lassen zu müssen, verstößt gegen die Menschenwürde. Der Kopf des oft wildfremden Testers ist irgendwo tief unten auf der Höhe des Glases, fast eingeklemmt zwischen Urinal und meinem Oberschenkel. Mein Penis wird zum Anschauungsobjekt. Sie haben die Macht, und ich habe mich zu unterwerfen", schildert er die beklemmende Realität.

Zum Abschied Käsekuchen

Seine letzte Pressekonferenz als Aktiver begann Riedel mit einem Stück Käsekuchen. "Das ist heute mein letzter kleiner Wettkampf. Warum sollte ich da meine übliche Wettkampf-Vorbereitung ändern?", sagte er mit einem Lächeln.

Vielleicht in anderer Rolle in Peking

Künftig will er seine Erfahrungen an Unternehmen und Manager weitergeben. "Ich weiß, wie man Extremsituationen meistert. Davon können andere profitieren", sagte er und äußerte die Hoffnung, vielleicht als Co-Kommentator für das Fernsehen doch noch in Peking dabei zu sein. Eine Sportmarketing-Ausbildung hatte er abgebrochen, berufliche Qualifikation stand für ihn in der Vergangenheit nie im Vordergrund. Aufgrund von Werbeeinnahmen, Prämien bei Meetings und den Preisgeldern allein für seine fünf WM-Titel in Höhe von 215.000 Dollar konnte der bestverdienende deutsche Leichtathlet als Profi stets ein angenehmes Leben führen.

"Spitzensport ist gesundheitsschädlich"

Frustriert ist Riedel über die Sportfunktionäre. "Sie wohnen in den besten Hotels, werden kostenlos eingekleidet, genießen sämtliche Vorteile bei Veranstaltungen einschließlich eines Fahrdienstes. Sie haben aber oftmals trotz ihrer Bezeichnung keine Funktion", heißt es in seinem 288 Seiten umfassenden Werk, das auf dem Titel den Recken ganz in Gold zeigt. Seit über vier Jahren wohnt der Modellathlet nach Scheidung von Ehefrau Kerstin mit Freundin Katja im bayrischen Rottach-Egern am Tegernsee, arbeitete dort als Fitness-Fachmann im Rehabilitations-Zentrum und ist dort in ständiger ärztlicher Behandlung. Über 20 Jahre Leistungssport haben bei ihm Spuren hinterlassen. "Ganz schmerzfrei werde ich wohl nie wieder leben." Kein Wunder, dass der elfmalige deutsche Meister schließlich zur der Einsicht kommt: "Der Spitzensport ist gesundheitsschädlich."

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