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Weltrekordlerin Betty Heidler im Interview

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Betty Heidler: "Die Disziplin wird negativ beeinflusst"

22.03.2013, 10:19 Uhr | t-online.de

Weltrekordlerin Betty Heidler im Interview. Betty Heidler ist seit Mai Weltrekordlerin.  (Quelle: imago)

Betty Heidler ist seit Mai Weltrekordlerin. (Quelle: imago)

Von Sebastian Schlichting
Betty Heidler (27) ist die einzige aktive deutsche Leichtathletik-Weltrekordlerin. Bei der WM in Südkorea ist die in dieser Saison ungeschlagene Hammerwerferin die große Favoritin. Im Interview mit t-online.de spricht Heidler über die Auswirkungen ihres Weltrekords, Desinteresse an ihrer Disziplin und einen möglichen 80-Meter-Wurf. (Lesen Sie auch: Betty Heidler reist aus Trainingslager ab)

Frau Heidler, Sie haben im Mai einen neuen Weltrekord aufgestellt. Seitdem stehen Sie deutlich mehr im Fokus als früher. Was hat sich geändert
Betty Heidler: Ich bin zurzeit die Werferin, die, wenn sie ihr Leistungsvermögen abrufen kann, schwer zu schlagen ist. Das macht viele Menschen, besonders Journalisten neugierig, mehr über das Hammerwerfen und über mich zu erfahren.

Ist die gestiegene Aufmerksamkeit immer angenehm oder – besonders im Vorfeld einer WM – manchmal belastend?
Sie ist angenehm als Lohn für harte Trainingsarbeit über viele Jahre. Sie ermöglicht mir Werbung für meine Disziplin und in eigener Sache zu machen. Sie wird aber dann belastend, wenn aus Unkenntnis oder Unverständnis die unmittelbare Wettkampfvorbereitung gestört wird. Aber das zu vermeiden ist Aufgabe meines Managements.

Mussten Sie viele Anfragen ablehnen?
Gemeinsam versuchen wir alle Wünsche zu erfüllen, auch wenn wir hier und da Grenzen setzen.

Ärgert es Sie, dass es erst eines Weltrekords bedurfte, damit Ihnen mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, obwohl Sie seit vielen Jahren Weltklasseleitungen zeigen?
Einen Weltrekord zu erzielen ist einfach etwas ganz Besonderes. Es freut mich, dass es mir gelungen ist. Die Aufmerksamkeit steigert sich auch mit der besonderen Leistung.

Hat das Hammerwerfen der Frauen nun zumindest in Deutschland den Stellenwert, den er verdient oder ist die gesteigerte Aufmerksamkeit nur temporär?
Es ist nicht nur in Deutschland eine Frage eines vergleichbar geringen Stellenwertes. Die Disziplin wird von vielen Veranstaltern, ja selbst von der IAAF (dem Leichtathletik-Weltverband, d. Red.) durch Verlagerung ins Nebenprogramm oder gar an andere Wettkampfstätten in ihrem Stellenwert negativ beeinflusst. Nehmen Sie nur das über Jahre gepflegte Desinteresse des ISTAF. Da half auch der Weltmeistertitel von 2007 nicht. Zum Glück wird es nun immer besser und auch beim ISTAF werden wir werfen. Im Stadion und im Hauptprogramm.

Ihre Disziplin wurde im Juli aus der Diamond League verbannt. Wie wütend sind Sie darüber noch?
Das meinte ich mit dem negativen Einfluss der Veranstalter und des internationalen Verbandes auf den Stellenwert einer Disziplin. Hier bedarf es auch einer klaren Positionierung und einer ausdrucksstarken medialen Unterstützung von uns Athletinnen. Wir werden so lange unzufrieden sein, bis sich da etwas geändert hat.

Haben Sie Hoffnung, dass die Akzeptanz für Ihre Disziplin in absehbarer Zeit steigt?
Ja, entsprechende Unterstützung seitens der Medien vorausgesetzt. Es gibt schon Fortschritte, aber diese sind noch ausbaufähig.

Zum Teil gibt es beim Hammerwurf weniger Preisgeld als für die anderen Sieger. Sehen Sie sich als Sportlerin zweiter Klasse?
Ja, ein bisschen schon. Das Interesse der Zuschauer, der Medien und die zunehmende Aufmerksamkeit auch potentieller Sponsoren zeigen die Richtung an, aber der finanzielle Unterschied zu den Diamond-League-Startern ist doch sehr, sehr groß. Und dabei arbeiten wir genauso hart wie an unseren Leistungen.

Warum führt das Hammerwerfen der Frauen trotzdem solch ein Schattendasein?
Desinteresse an der Disziplin und entsprechende Unkenntnis habe ich ja bereits erwähnt. Dazu kommen die Sorge um den fußballverwöhnten Stadionrasen und auch Vorurteile gegenüber den Athletinnen.

Sie sind die Weltrekordlerin, waren in der ganzen Saison dominant – wäre alles andere als Gold bei der WM eine Enttäuschung?
Eine Enttäuschung wäre es, wenn ich nicht in die Nähe meines Leistungsvermögens werfen würde. Dabei ist nicht der Weltrekord der Maßstab. Die Platzierung ergibt sich dann von selbst. Sollten Konkurrentinnen besser sein, hätten sie die bessere Platzierung verdient.

Wer sind die größten Konkurrentinnen?
Sportlerinnen aus China, Russland oder Polen. Und Kathrin Klaas. Doch ich konzentriere mich ausschließlich an meinem Leistungsvermögen und möchte meine derzeit bestmögliche Leistung bestätigen.

Mit Kathrin Klaas kommt eine der großen Konkurrentinnen aus dem eigenen Land, sogar aus dem eigenen Verein. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zueinander beschreiben?
Konkurrierend, anspornend, respektvoll, kameradschaftlich.

Wie äußert es sich, wenn zwei so leistungsstarke Athletinnen miteinander trainieren?
Wir treiben uns gegenseitig an, wir trainieren tagtäglich auf höchstem Niveau. Wir können voneinander und miteinander lernen umzusetzen, was Bundestrainer Michael Deyhle verlangt.

Sie sind stärker als je zuvor in Ihrer Karriere. Wo liegen die Gründe?
Ich habe sehr gut und variabel trainiert. Dazu bin ich gesund und verletzungsfrei durch die Saisonvorbereitung gekommen. Außerdem fühle ich mich rundum wohl. Ich werde von meinem privaten und beruflichen Umfeld geradezu getragen. Das alles zusammen gibt mir eine Menge Kraft und Selbstvertrauen.

Ihr Weltrekord liegt bei 79,42 Meter. Wann sehen wir den ersten 80-Meter-Wurf einer Hammerwerferin?
Wenn alle Bedingungen zusammen passen. Also individuelle Leistung, mentale Stärke, äußerer Rahmen. Dann, vielleicht…

Sehen wir diesen von Ihnen?
Ich würde mich sehr darüber freuen. Aber wie gesagt, wenn…

Kann es diesen Wurf bei einer WM, wo es um Medaillen geht, überhaupt geben?
Auch dazu gibt es nur die eine Antwort: ja, wenn….

trax.de: Die besten Interviews mit den Sport-Stars

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