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Franke: "Diese Art von Sport ist total versaut"

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Franke: "Diese Art von Sport ist total versaut"

15.07.2013, 13:38 Uhr | dpa

Franke: "Diese Art von Sport ist total versaut". Werner Franke ist einer der engagiertesten Kämpfer gegen Manipulation im Sport.

Werner Franke ist einer der engagiertesten Kämpfer gegen Manipulation im Sport. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Werner Franke gehört zu den größten Experten in Dopingfragen in Deutschland und ist einer der engagiertesten Kämpfer gegen Manipulation im Sport.

Der 73 Jahre alte Molekular-Biologe aus Heidelberg äußert sich im dpa-Interview zu den Doping-Enthüllungen um die Sprintstars Tyson Gay und Asafa Powell. "Diese Art von Sport ist total versaut", sagt Franke, "weil schon niemand allein in die Spitze kommt, der nicht drauf ist."

dpa: Hat Sie die Nachricht von den überführten Topsprinter Tyson Gay und Asafa Powell überrascht?

Franke: "Natürlich nicht. Mich hat überrascht, dass es so lange gebraucht hat, um überhaupt etwas zu finden. Das hat aber damit zu tun, dass nach wie vor - was ich ja ständig moniere - die Dopingkontrollen in mehrfacher Weise unintelligent sind."

Die Karriere von Ex-Weltrekordler Asaja Powell trudelt eher aus. Wie schafft es einer wie der Jamaikaner, ein Jahrzehnt lang unbehelligt zu bleiben?

Franke: "Es sind ja eine ganze Reihe von Jamaikanern vorher erwischt worden, Staffelkameraden von ihm, immer wieder. Natürlich wissen die gegenseitig davon. Den einen erwischen sie, den anderen nicht. Vor der WM 2009 in Berlin waren die für ein paar Tage verschwunden. All das dient dazu, nicht zum richtigen Zeitpunkt belangt zu werden."

Was sagt das verbotene das Stimulanzium Oxilofrin, das Powell eingenommen haben soll, über die Dopingmethoden aus?

Franke: "Das ist jetzt zufällig eines der Aufputschmittel, mit dem die erwischt wurden. Die schlucken ja alles Mögliche. Aber das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass viele Sprinter der Spitzenklasse EPO im Training nehmen. Das ist schon seit zehn Jahren bekannt seit dem Fall der US-Sprinterin Michelle Collins. Man kann damit eine Trainingsdichte erreichen, von der man früher nur träumen konnte. Wenn man so ein Training machen kann, dann gibt's auch andere Zeiten. Man hat dann eben mehr rote Blutkörperchen, da kann man eine ganz andere Leistungsdichte aufweisen."

Mit Gay steht jetzt der größte Rivale von Superstar Usain Bolt vor einer Dopingsperre und mit Powell sein Landsmann. Da fragen sich viele: Warum hat man einen Bolt noch nicht erwischt?

Franke: "Ob einer erwischt wird, das hängt immer davon ab, wie intelligent die Kontrollen gemacht werden. Ich muss dann auftauchen, wenn der Athlet einen Trainingsbelastungs-Höhepunkt hat. Dreimal darf man eine Kontrolle verpassen. Das reicht ja, wenn man dreimal nicht da ist, denn mehr als drei Zyklen macht ja kaum einer. Ich stelle überhaupt keine Vermutungen an, ich glaube auch nichts - das sind keine Kriterien für einen Naturwissenschaftler. Diese Art von Sport ist total versaut, weil schon niemand allein in die Spitze kommt, der nicht drauf ist."

Auch kein Ausnahmetalent wie Bolt?

Franke: "Es mag ja sein, dass es so etwas gibt. Ausschließen tue ich das natürlich nicht. Es hat sich nur meist in solchen Fällen nach Jahren etwas anderes herausgestellt."

Die Reaktion des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF auf die Fälle Gay und Powell lautete: Jeder aufgedeckte Fall stärke die Glaubwürdigkeit des Kontrollsystems.

Franke: "Die IAAF hat einen an der Klatsche, damit bin ich auch zitierbar. Das haben sie schon vor zig Jahren gesagt."

Die Kontrollen haben sich nicht gebessert?

Franke: "Jetzt passen die Athleten zwar ein bisschen auf, weil es die Blutpässe gibt. Da bleibt man halt ein bisschen unter den Werten, solche Dinge sind gang und gäbe. Insulin like growth factor wird auch genommen, da gibt's noch keinen wirklich wirksamen Test dazu. Eine ganze Reihe von Heilmitteln werden genommen, am schlimmsten sind da bei Frauen eigentlich Mittel, die eingeführt wurden gegen Brustkrebs."

Die Kontrollen sind wirklich gar nicht besser geworden?

Franke: "Es hat sich gebessert, dass nicht mehr so drauflosgedopt werden kann. Heute läuft vielleicht noch eine Frau die 400 Meter unter 50 Sekunden. Aber es sind immer noch viele Personen dabei, die voll sind. Man müsste endlich mal den deutschen jungen Sportlerinnen und Sportlern sagen: Macht euren Leistungssport, aber seid clever und aufgeklärt. Ihr habt es mit Gegnern zu tun, die sind voll. Und wenn ihr keinen Bock habt, gegen die Gegner zu laufen, dann: Auf die Plätze! Fertig! Und dann steht ihr auf, geht zum Schiedsrichter und sagt: Ich starte nicht, ich hab's mir überlegt, hier sind Gedopte am Start."

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