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Weltrekordler Rehm will mit "Fußgängern" springen

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Weltrekordler Rehm will mit "Fußgängern" springen

16.07.2013, 10:04 Uhr | dpa

Weltrekordler Rehm will mit "Fußgängern" springen. Markus Rehm hat sich hohe Ziele gesteckt.

Markus Rehm hat sich hohe Ziele gesteckt. (Quelle: dpa)

Köln (dpa) - 7,54 Meter! Marcus Rehm ist in eine neue Dimension des paralympischen Sports gesprungen. Sein Weltrekordsatz in Leverkusen ist durchaus mit den 8,90 Metern von Bob Beamon bei den Olympischen Spielen 1968 vergleichbar, der bei den "Fußgängern" den Weitsprung auf eine neue Ebene hob.

Schon mit seinem Satz auf 7,35 Meter bei den Paralympischen Spielen 2012 in London durchbrach Rehm eine Schallmauer seines Sports: Er hatte schlicht die Formel des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) gesprengt, die im kombinierten Wettkampf der unterschenkel- und oberschenkelamputierten Athleten die Weite nach Punkten verrechnet und die Schwächeren aufwertet.

Und jetzt das. "Ich habe schnell nach dem Sprung gemerkt, dass er gut war. Dann bin ich nach vorne gelaufen, um zu sehen wie weit es tatsächlich war. Danach war ich natürlich super happy", erzählt der 24-Jährige. Er startet als Top-Favorit bei der WM der paralympischen Sportler vom 19. bis 26. Juli in Lyon. Sein Wettkampf ist am 24. Juli angesetzt. "Natürlich möchte ich diese Weite bei der WM bestätigen. Ob ich da jetzt noch mal drüber komme, weiß ich nicht, aber die 7,50 wären schon gut", sagt er.

Wie gut die deutschen WM-Kandidaten in Form sind, zeigte bei dem integrativen Leichtathletik-Sportfest von Bayer Leverkusen auch Heinrich Popow. Der Prothesen-Sprinter rannte die 100 Meter bei zulässigem Rückenwind von 1,2 Meter/Sekunde in 12,11 und verbesserte damit zwei Tage vor seinem 30. Geburtstag die alte Bestmarke des Kanadiers Earle Connor um drei Hundertstelsekunden.

Eigentlich ist Rehm mittlerweile zu gut für die Wettkämpfe der Behinderten. Mit seiner neuen Weite wäre er am 6. Juli bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der "Fußgänger" in Ulm Achter unter 13 Startern geworden. "Ich habe schon schnell nach den Paralympics gemerkt, dass bei 7,35 Metern noch nicht Schluss ist", berichtet der Leverkusener, dem nach einem Wakeboard-Unfall vor zehn Jahren der rechte Unterschenkel amputiert werden musste.

Da ist es kein Wunder, dass der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius in sportlicher Hinsicht ein Vorbild für ihn ist. Pistorius legte sich so lange mit den Offiziellen der Leichtathletik-Welt an, bis er die Start-Erlaubnis für WM und Olympia erstreiten konnte. Rehm hat ähnliche Ziele. So wie es der südafrikanische Blade-Runner vorgemacht hat, will auch er als Paralympics-Sportler bei einem Top-Event der Athleten ohne Behinderung starten. Olympia scheint für ihn wegen der Norm von 8,20 Metern zwar unrealistisch, die deutschen Meisterschaften sind jedoch machbar.

"Ich will keine Vorzugsbehandlung, natürlich müsste auch ich die offizielle Norm dafür erst erfüllen", sagt er. Als das Thema nach seiner Gala-Vorstellung in London aufgekommen war, hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) dem Ganzen zunächst aber einen Riegel vorgeschoben und Athleten ausgeschlossen, die Prothesen oder weitere Technologien benötigen. Auch Popow ist davon betroffen. "Ich würde mich gerne mit dem DLV zusammensetzen und eine Lösung für alle Beteiligten finden. Ich bin ja auch nicht auf Konfrontation aus", betont Rehm.

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