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"Wer damit dopt, hat von Doping keine Ahnung"

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"Wer damit dopt, hat von Doping keine Ahnung"

16.07.2013, 18:03 Uhr | dpa

. Die gedopten Sprint-Stars Asafa Powell (li.) und Tyson Gay müssen heftige Kritik einstecken. (Quelle: imago/Action Plus)

Die gedopten Sprint-Stars Asafa Powell (li.) und Tyson Gay müssen heftige Kritik einstecken. (Quelle: Action Plus/imago)

Nach dem Doping-Skandal um die Topsprinter Tyson Gay und Asafa Powell steht die Leichtathletik weltweit am Pranger. Doping-Experte Wilhelm Schänzer schenkt den Beteuerungen von Powell und dessen Betreuern, versehentlich gedopt zu haben, wenig Glauben.

"Die Warnungen vor Methylhexanamin in Nahrungsergänzungsmitteln waren eigentlich gut angekommen. Sie haben eine Wirkung, die nicht zu vernachlässigen ist. Doch sie sind leicht nachzuweisen. Wer sich damit dopt, der hat von Doping keine Ahnung," sagte Schänzer, der Leiter des Doping-Analyselabors in Köln ist.

Schänzer reagierte mit Unverständnis auf die neuesten Doping-Fälle. "Dass Athleten heute noch darauf zurückgreifen, kann man sich gar nicht vorstellen. Wenn denen das vor vier Jahren passiert ist, warum passiert es wieder. Sind die so blind", sagte Schänzer in Richtung Gay und Powell.

Fälle dürfen nicht heruntergespielt werden

"Vor vier Jahren hatten wir das gleiche Problem. Vor den Weltmeisterschaften 2009 wurden fünf Jamaikaner positiv auf Methylhexanamin getestet", blickte Schänzer zurück.

Aus diesem Grund dürfe man diese Doping-Fälle nicht herunterspielen - auch nicht, weil es sich nur um "leichtere" Vergehen mit Stimulanzmittel handele. "Es sind bekannte Sprinter, sie sind positiv getestet und darum ist es auch ein Skandal", sagte Schänzer.

265 Athleten suspendiert oder gesperrt

Der Ruf der olympischen "Königs-Sportart" leidet aber schon seit geraumer Zeit. Olympiasieger, Weltmeister und Europameister werden seit Jahren aus dem Verkehr gezogen. "Viele werden den Athleten nicht mehr trauen. Das ist der größte Schaden, den man einem Sport zufügen kann", sagte das deutsche Councilmitglied des Weltleichtathletik-Verbands IAAF, Helmut Digel, im ARD-Morgenmagazin.

Auf der aktuellen Liste des Weltverbandes IAAF stehen 265 Namen von Athleten, die wegen Dopings suspendiert oder gesperrt sind. Nach einer Doping-Welle in Russland droht nun auch der Türkei ein Massenausschluss seiner Sportler von den Weltmeisterschaften, die vom 10. bis 18. August in Moskau stattfinden: Spekulationen über 30 positiv getestete türkische Leichtathleten kursieren in der Szene.

Rogge sieht Dopingskandal als Fahndungserfolg

IOC-Präsident Jacques Rogge und die IAAF wollen von einer tiefen Vertrauenskrise in der Leichtathletik weiter nichts wissen. Beide Organisationen werteten den neuen Dopingskandal als Fahndungserfolg. "Natürlich kann der Kampf gegen Doping nie ganz gewonnen werden", betonte Rogge, "aber diese Fälle unterstreichen einmal mehr, den starken und intelligenten Kampf, den das IOC und seine Partner aus der olympischen Bewegung gegen Doping kämpfen."

Der IAAF-Vizepräsident Sebastian Coe versprach, beim Anti-Doping-Kampf "den Fuß nicht vom Gaspedal" zu nehmen. "Wir können es uns nicht erlauben, diesen Krieg zu verlieren", stellte der Cheforganisator der Olympischen Spiele in London klar, "lieber nehmen wir solche Peinlichkeiten wie bei diesen Geschichten in Kauf, als den Verfall des Sports zu einem Punkt, an dem niemand mehr den Athleten vertraut."

Skandal bald auch wieder in Deutschland?

Dass auch auf Deutschland zeitnah wieder ein Doping-Skandal zukommen wird, befürchtet der Sportmediziner Perikles Simon. "Wenn die Verfahren ernsthaft umgesetzt würden, würde ich sagen: Es ist nur eine Frage der Zeit", sagte der Mainzer Dopingforscher der "Berliner Morgenpost".

Testerfolge wie bei Powell und Gay hätten abschreckende Wirkung: "Es wird riskanter für Sportler zu betrügen. Wer einen glaubwürdigen Anti-Doping-Kampf möchte, muss damit leben, dass es prominente Dopingsünder gibt. Und es darf einen auch nicht schrecken, dass man vielleicht einen Imageschaden hat."

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