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Lauftalent Tesfaye: Der lange und kontroverse Weg zur WM

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Lauftalent Tesfaye: Der lange und kontroverse Weg zur WM

29.07.2013, 14:37 Uhr | dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Mehr als 50 Athleten wird der Deutsche Leichtathletik-Verband am Dienstag endgültig für die Leichtathletik-WM in Moskau nominieren.

Dazu gehören Titelkandidaten wie Robert Harting, Routiniers wie Björn Otto, Talente wie Thomas Röhler - und seit diesem Wochenende auch der Mann mit der wohl aufwühlendsten Geschichte von allen: 1500-Meter-Läufer Homiyu Tesfaye.

Der gebürtige Äthiopier wurde erst vor einem Monat eingebürgert und erfüllte auch erst am vergangenen Samstag bei der allerletzten Gelegenheit die Qualifikationsnorm für Moskau. Dazu steht der 20-Jährige seit Monaten im Zentrum einer erbitterten Kontroverse, in der ihm ernsthaft vorgeworfen wird, nicht der zu sein, für den er sich ausgibt. Sein Trainer spricht von einer Schmutzkampagne, geleitet von Neid und unterschwelligem Rassismus. Und auch der DLV stellt sich unmissverständlich hinter sein großes Lauftalent.

"Tesfaye zählt zu den besten europäischen Läufern seiner Altersklasse. Er kann seinen Weg zu den Olympischen Spielen 2016 nach Rio gehen", sagte Sportdirektor Thomas Kurschilgen.

Tesfayes langer Lauf bis zur WM begann in den 90er-Jahren in Äthiopien. 2010 floh er nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Er lebte in einem Wohnheim in Frankfurt am Main, begann für die LG Eintracht Frankfurt zu starten und lief bei seinem ersten Rennen in Deutschland eine für sein junges Alter herausragende 1500-Meter-Zeit bei der Mannheimer Junioren-Gala 2011.

Ein erster Antrag auf seine Einbürgerung scheiterte 2012 noch, doch in diesem Jahr erhielt Tesfaye einen deutschen Pass. Dieses Verfahren ist das alles entscheidende in seinem Fall, darauf berufen sich er selbst und alle Verbände. "Ich zweifle nicht an einem Dokument, dass die Bundesrepublik Deutschland ausstellt", sagt Anja Wolf-Blanke, Präsidentin des hessischen Leichtathletik-Verbandes. Und auch DLV-Chef Clemens Prokop betont: "Ich gehe davon aus, dass eine eingehende Prüfung vorgenommen wurde. Wir haben als Sportverband kaum Möglichkeiten, in den staatlichen Vorgang einzugreifen."

Diese Verweise sind offenbar nötig, denn in Internetforen und Gesprächen unter Athleten kursiert noch eine andere Geschichte über Tesfaye. Dass er in Wahrheit der drei Jahre ältere äthiopische Läufer Henok Tesfaye Hey sei und deshalb nie einen deutschen Pass hätte bekommen dürfen. Ein ehemaliger Trainer zeigte ihn sogar beim Jugendamt an, Ursprung all dessen ist die auf Fotos im Internet erkennbare Ähnlichkeit zwischen Homiyu Tesfaye und Henok Tesfaye Hey.

Tesfayes Trainer Trainer Wolfgang Heinig bringt diese Geschichte auf die Palme. "Das sind reine Spekulationen. Da spielt auch der Neid eine große Rolle", sagt er. Es gebe Läufer, die denken, Tesfaye nehme ihnen den Platz weg. Der Bundestrainer erzählt von der langen Suche in Äthiopien nach einem amtlichen Dokument für die Einbürgerung. Am Ende fand sein Schützling mit seiner Hilfe eine Taufbescheinigung der Kirchengemeinde. "Der Junge hat niemanden beschwindelt. Er hat alles nachweisen können, was er gesagt hat", meint Heinig. Im September fängt Tesfaye bei der Sportförderkompanie der Bundeswehr an.

Der Läufer selbst sagt öffentlich nur: "Über meine Vergangenheit will ich nicht reden." Er sagt das freundlich und in fast fließendem Deutsch. Das Bemerkenswerte ist, dass ihn weder diese Geschichte noch eine Anfang Juli erlittene Oberschenkelverletzung auf seinem Weg zur WM belastet hat. Tesfaye verpasste die U23-EM in Finnland, lief danach in Bottrop eine persönliche Bestzeit (3:36,23 Minuten) und setzte im belgischen Ninove noch einmal die WM-Norm drauf (3:34,76).

"Er ist natürlich überglücklich und hat das alles erfreulich locker weggesteckt", erzählt Heinig. "Vielleicht kommt ihm da auch ein wenig seine afrikanische Mentalität zugute." Knapp zwei Wochen haben Trainer und Läufer nun noch Zeit, um sich auf die Weltmeisterschaften vorzubereiten. Was dann in Moskau möglich ist? "Er hat nichts zu verlieren und ist in erster Linie zum Lernen dort", meint Heinig. "Aber er fliegt dort nicht als Tourist hin."

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