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Leichtathletik-WM 2013: Doping-Schatten über der WM in Moskau

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Leichtathletik-WM 2013  

Doping-Schatten über der WM in Moskau

09.08.2013, 10:09 Uhr | dpa

Leichtathletik-WM 2013: Doping-Schatten über der WM in Moskau. IAAF-Councilmitglied Helmut Digel fordert mehr Anerkennung.

IAAF-Councilmitglied Helmut Digel fordert mehr Anerkennung. (Quelle: dpa)

Die Doping-Hiobsbotschaften nahmen vor der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau kein Ende. Neben dem Schock um die positiv getesteten Sprinter Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaika) wurden reihenweise russische Leichtathleten aus dem Verkehr gezogen und zuletzt auf einen Schlag 31 Akteure aus der Türkei.

Die offizielle Liste der vom Weltverband IAAF vom 30. Juli ist damit auf rund 290 suspendierte und gesperrte Läufer, Springer und Werfer angewachsen. Sodom und Gomorrah in der Leichtathletik?

"Die überwältigende Mehrheit der Athleten und Funktionäre der IAAF glaubt an einen sauberen Sport", hieß es in einer vom IAAF-Kongress verabschiedeten Anti-Doping-Erklärung. Darin stellt sich der Weltverband zudem mit Zahlen und Fakten als Pionier des Kampfes gegen Leistungsmanipulation dar. 1989 wurden Trainingstests eingeführt, 2001 Blutkontrollen und seit zwei Jahren werden Proben von 2000 Athleten für den biologischen Blutpass gesammelt. Pro Jahr lässt sich die IAAF sein Anti-Doping-Programm drei Millionen Dollar kosten, mit denen zwölf Hauptamtliche Mitarbeiter finanziert werden.

"Wir sind glaubwürdig im Kampf gegen Doping. Die Schwimmer haben noch nicht einmal den Blutpass eingeführt", sagte das deutsche IAAF-Councilmitglied Helmut Digel vor dem WM-Start. "Welcher andere Verband zieht denn seine Topstars aus dem Verkehr?" Dass die Leichtathletik dafür nicht gelobt wird, sondern meistens in Misskredit gerät, findet Digel deshalb "lächerlich, jede Innovation kommt von der IAAF."

Beim Trend zu härteren Doping-Strafen setzte der Weltverband ein Zeichen. Die IAAF will schwere Doping-Erstvergehen wieder mit einer vierjährigen Sperre bestrafen. Dies beschloss der IAAF-Kongress am Donnerstag in Moskau. Damit machen die Leichtathleten Druck auf die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Unter der Führung der WADA soll auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz vom 12. bis 15. November in Johannesburg der neue, vom 1. Januar 2015 gültige Welt-Anti-Doping-Code verabschiedet werden. Die Verdoppelung des Banns für ernsthafte Erstverstöße ist in dem überarbeiteten Werk vorgesehen, aber die Aufnahme in den Kodex noch nicht sicher.

"Der neue WADA-Code soll unsere feste Verpflichtung zu härteren Strafen und die Rückkehr zur Vier-Jahres-Sperre für ernsthafte Doping-Vergehen reflektieren", hieß es in der Anti-Doping-Erklärung. Im IAAF-Regelwerk war bereits von 1991 bis 1997 die vierjährige Sperre verankert gewesen.

Schon vor und bei der WM in Moskau hat die IAAF ein umfangreiches Testprogramm initiiert. In den vergangenen zwei Monaten wurden zwischen 150 und 250 Trainingstests bei den Topathleten veranlasst. Während der Titelkämpfe werden allein etwa 500 Kontrollen auf das Blutdopingmittel EPO vorgenommen sowie allen rund 2500 Athleten Blut für den Blutpass abgenommen.

Ist das alles genug, um die sauberen Leichtathleten zu schützen? Ex-Europameister Christian Reif bleibt misstrauisch. "Wenn ich davon ausgehe, dass alle Menschen sauber sind, dann würde ich vergessen, was in den vergangenen Wochen passiert ist", sagte Reif in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" in Anspielung auf die gedopten Sprinter umd Tyson Gay.

"Die positiven Fälle waren zwar nicht im Weitsprung, aber wenn ich sagen würde, das passiert nur im Sprint, nur bei Russen, Türken und Jamaikanern, dann würde ich auch annehmen, dass man nur in diesen Ländern Steuern hinterzieht und Ehen bricht", sagte er.

Verständnis hat Reif dafür, dass nach den Sprint-Fällen Zweifel an den Weltrekorden und Erfolgen von Superrenner Usain Bolt gehegt werden. "Das ist die schnellste und einfachste Herleitung der jüngsten Fälle, die man den Menschen auch zugestehen muss", meinte er. "Das ist einfach jenseits der Vorstellungskraft vieler Leute und - wenn ich ganz ehrlich sein soll - auch für mich." Deswegen müsse er sich diese Herleitung gefallen lassen. "Er scheint ja drüberzustehen. Aber es würde mich nicht wundern, wenn er irgendwann genauso wie Lance Armstrong scheitern wird", sagte Reif.

Dass der Jamaikaner Bolt dem Ansehen der Leichtathletik gut tut, glaubt er nicht uneingeschränkt. "Ich persönlich könnte sehr gut auf Usain Bolt verzichten", bekannte Reif. "Wenn man von dem ausgeht, was ich glaube, schadet er einfach zu vielen anderen Sportlern. Ich kann nicht sagen, dass er gedopt ist. Ich kann nur Vermutungen anstellen - und die teilen komischerweise sehr viele Menschen."

Wenn am Samstag um 18.15 Uhr im Luschniki-Stadion die schnellen Jungs um Bolt in die Startblöcke steigen, wird der Doping-Verdacht mitlaufen. Schließlich sind seit 1999 sieben der zehn schnellsten Sprinter der Geschichte der Einnahme verbotener Substanzen überführt worden. "Bolt ist sauber - und die meisten Sprinter, die unter zehn Sekunden laufen, sind es ebenfalls", versicherte IAAF-Präsident Lamine Diack dennoch und glaubt: "Jeder positive Fall macht die Leichtathletik stärker."

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