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Kein Wort, keine Show: Bolt schottet sich vor WM ab

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Leichtathletik  

Kein Wort, keine Show: Bolt schottet sich vor WM ab

08.08.2013, 17:04 Uhr | dpa

Kein Wort, keine Show: Bolt schottet sich vor WM ab. Usain Bolt war beim Medientag schnell wieder von der Bildfläche verschwunden.

Usain Bolt war beim Medientag schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. (Quelle: dpa)

Moskau (dpa) - Usain Bolt packte seinen Rucksack, setzte sich einen Kopfhörer auf und verschwand so schnell wie möglich vom Trainingsplatz.

Ein paar lockere Laufübungen, ein paar Scherze mit seinen Teamkollegen und eine Massage vor den Augen und Kameras von rund 50 Journalisten - das war der letzte öffentliche Auftritt des Superstars vor dem Beginn der Leichtathletik-WM in Moskau.

Entscheidend war eher, was Bolt nicht tat bei diesem Medientag und öffentlichen Training des Teams Jamaika auf einem Nebenplatz des Luschniki-Stadions: Ausgerechnet der große Entertainer des Sports verzichtete auf seine berühmten Showeinlagen und sagte vor allem kein einziges Wort. Keines zum 100-Meter-Finale, und erst recht keines zum großen, diese WM überlagernden Thema Doping.

Bolts Auftritt zeigte, wie sehr die Skandale um seine Rivalen Tyson Gay, Asafa Powell oder auch Sprinterin Veronica Campbell-Brown die Leichtathletik durchgeschüttelt haben. Die Weltmeisterschaften 2009 in Berlin und 2011 in Daegu waren noch genau wie die Olympischen Spiele 2012 große Usain-Bolt-Shows, bei denen die anderen Wettkämpfe um die Auftritte des 26-Jährigen herum stattfanden. In Moskau dagegen versteckt sich der Superstar vor der Öffentlichkeit. Bolt weiß genau, dass auch seine Titel und Rekorde mittlerweile viel misstrauischer gesehen werden und dass er bei einer Pressekonferenz - wie vor zwei Wochen in London geschehen - vor allem Fragen zum Thema Doping beantworten müsste.

Also kam er am Sonntag in Moskau an, trat noch am selben Tag bei einer Reggae-Party seines Sponsors im Gorki Park auf und gab nur einigen ausgesuchten Medien kurze Interviews. "Ich will hier drei Goldmedaillen gewinnen", sagte Bolt der Nachrichtenagentur AP. Der jamaikanischen Zeitung "The Gleaner" verriet er: "Ich fühle mich definitiv gut. Auch mein Arzt sagte mir, dass ich in einer großartigen Form bin. Ich werde versuchen, einen Weltrekord zu brechen." Am liebsten wäre ihm der über 200 Meter.

Beim Medientag, der erst richtig begann, als Bolt schon längst im Mannschaftsbus saß, schickte er dann seinen Manager vor. "Er möchte sich komplett auf die Weltmeisterschaften hier konzentrieren. Und er ist nur verantwortlich für seine eigene Leistung", erklärte Ricky Simms. "Er ist in einer sehr guten Form, das hat schon sein letztes Rennen in London gezeigt."

Rein sportlich gesehen hat der große Dopingskandal Bolts Ausnahmestellung auch noch weiter gestärkt. Powell und Gay dürfen in Moskau nicht starten, Titelverteidiger Yohan Blake (Jamaika) ist zudem verletzt: Als einzig nennenswerter Rivale ist vor dem 100-Meter-Finale nur noch der Amerikaner Justin Gatlin übriggeblieben. Sollte Bolt die angestrebten drei Titel gewinnen, hätte er bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften insgesamt acht Gold- und zwei Silbermedaillen gewonnen und würde damit Carl Lewis schon mit 26 Jahren als erfolgreichsten Athleten der WM-Geschichte ablösen. Die Schmach der Disqualifikation beim 100-Meter-Finale in Daegu wegen seines Fehlstarts wäre dann ganz nebenbei auch vergessen.

Der Weltverband IAAF hofft deshalb darauf, dass Bolts Glanz der Leichtathletik noch möglichst lange eine weltweite Aufmerksamkeit garantiert. "Usain Bolt ist sauber", betonte Präsident Lamine Diack erst diese Woche in einem dpa-Interview.

Aus PR-Sicht zahlt es sich zudem langsam aus, dass die IAAF diese WM vor Jahren nach Moskau vergeben hat. Denn zumindest in Russland gibt es in Stabhochsprung-Königin Jelena Issinbajewa noch ein zweites großes Zugpferd neben Bolt. Die 31-Jährige möchte in ihrer Heimat nach zwei Olympiasiegen und 30 Weltrekordsprüngen auch noch zum dritten Mal Weltmeisterin werden und damit ihre Karriere möglicherweise filmreif beenden. In der Moskauer Innenstadt hängen schon jetzt mehr Issinbajewa- als Bolt-Plakate.

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