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Leichtathletik  

Moskauer 100-Meter-Finale im Zwielicht

09.08.2013, 09:59 Uhr | dpa

Moskauer 100-Meter-Finale im Zwielicht. US-Sprinter Justin Gatlin fordert Superstar Usain Bolt heraus.

US-Sprinter Justin Gatlin fordert Superstar Usain Bolt heraus. (Quelle: dpa)

Moskau (dpa) - Zwei Stars gedopt, der Weltmeister verletzt und Superstar Usain Bolt nahezu ohne Konkurrenz?

Für Justin Gatlin ist das alles kein Drama. "The show must go on", sagte der Amerikaner und nahezu einzig verbliebene Bolt-Rivale vor dem 100-Meter-Finale bei der Leichtathletik-WM in Moskau. Die Show soll also weitergehen - nur so einfach ist das gerade vor diesem Rennen am Sonntagabend um 19.50 Uhr deutscher Zeit nicht.

Im Zuge des Dopingskandals um den ehemaligen Weltmeister Tyson Gay (USA) und den ehemaligen Weltrekordhalter Asafa Powell (Jamaika) gibt es in der jüngeren Sportgeschichte wohl kein zweites großes Ereignis, das binnen kurzer Zeit so sehr an sportlichem Wert und vor allem öffentlichem Ansehen verloren hat. Noch vor einem Monat sah es so aus, als stünde der Olympiasieger und Weltrekordler Bolt vor dem vielleicht schwersten Rennen seiner Karriere. Gatlin hatte ihn gerade in Rom besiegt, Gay lag in der Weltjahresbestenliste vor ihm.

Doch nach dem Doping-Erdbeben vom Juli wird jeder, der in Moskau im Finale steht, unter einer Art Generalverdacht laufen. Für Bolt gilt dies besonders. Der deutsche Meister Julian Reus, der zusammen mit Martin Keller bereits am Samstagfrüh in den Vorläufen startet, hat als einer der ersten laut ausgesprochen, was lange Zeit nur leise gemunkelt wurde: "Wenn man eins und eins zusammenzählt und sieht, dass viele Läufer, die langsamer als er waren, erwischt wurden: Warum soll der schnellste Mann dann sauber sein?"

Die Atmosphäre in Moskau ist sehr speziell vor diesem Lauf. Sie ist angespannt, still, beinahe schon verschämt. Normalerweise sind 100-Meter-Finals der Höhepunkt einer jeden WM. Gerade nach dem Aufstieg von Bolt zur Ikone seines Sports konnte im Vorfeld kein Rummel zu groß und keine Pressekonferenz zu lang sein. Doch diesmal? Der Jamaikaner verschwand beim öffentlichen Training seines Teams vorzeitig und ohne ein Wort zu sagen. Auch Gatlin saß beim Medientag der Amerikaner als einziger namhafter Athlet nicht auf dem Podium.

Beide weichen dem Thema Doping erkennbar aus. Bolt, weil es ihm viel von seinem Glanz zu nehmen droht. Und Gatlin, weil er als schon zweimal überführter Sünder (2001 und 2006) kein allzu glaubwürdiger Ansprechpartner in dieser Frage ist.

Was dann doch noch gesagt wurde in einigen Interviews, klang wie der Versuch, zu retten, was noch zu retten ist von der guten alten 100-Meter-Show. "Ich bin hier, um meinen Titel zurückzuerobern", sagte Bolt in Anspielung auf seine Disqualifikation wegen Fehlstarts bei der WM 2011 in Daegu. Es sei "schade, dass so viele Athleten nicht hier sind" inklusive des am Oberschenkel verletzten Titelverteidigers Yohan Blake. "Aber ich denke, das lädt mir noch mehr Druck auf. Ich weiß, dass ich mich selbst stark pushen muss."

Gatlin gab sich demonstrativ cool. "Er (Bolt) weiß, dass ich in meiner Bestform antreten werde. Und ich weiß, dass er in seiner Bestform ist", sagte der 31-Jährige. "Wir gehören beide zu den Leuten, die aufdrehen, wenn die Lichter in einem Wettkampf angehen."

Für die Deutschen Keller und Reus ist das noch immer eine völlig andere Welt. Auch sie sind in Bestform - erst vor einer Woche verbesserten beide in Weinheim jeweils ihren persönlichen Rekord über 100 Meter. Aber in Moskau wollen beide erst einmal nur die Vorläufe am Samstagmorgen überstehen und mit Blick auf ihr eigentliches Ziel, das Staffel-Rennen am Schlusstag, schon einmal WM-Atmosphäre erleben. "Ich will ins Halbfinale", sagte Reus. Im besten Fall wackelt genau wie in Weinheim auch noch der schon 28 Jahre alte deutsche Rekord von Frank Emmelmann (10,06 Sekunden).

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