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Leichtathletik  

Harting: Wenn ich nicht Gold hole, stirbt meine Sportart

11.08.2013, 12:20 Uhr | dpa

Harting: Wenn ich nicht Gold hole, stirbt meine Sportart. Diskuswerfer Robert Harting will seinen WM-Titel in Moskau verteidigen.

Diskuswerfer Robert Harting will seinen WM-Titel in Moskau verteidigen. (Quelle: dpa)

Moskau (dpa) - Mach's noch einmal! Diskus-Star Robert Harting will bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro noch einmal alle großen Titel gewinnen.

"Ich habe alle Titel: Olympiasieg. EM. WM. Die will ich behalten", sagte der 28 Jahre alte Berliner einen Tag vor der Diskus-Qualifikation bei der Leichtathletik-WM im Luschniki-Stadion in einem Interview der "Bild am Sonntag".

Dabei geht es ihm nicht nur um das Stillen seines Ehrgeizes. "Ich rede mir auch ein: Wenn ich nicht Gold hole, stirbt meine Sportart", meinte Harting. Dann werde der Diskuswurf wieder an den Rand gedrängt und "völlig unter der Elchkuh Fußball" versinken. "An Platz zwei kann ich nicht denken. Da tut sich sofort ein schwarzes Loch auf."

Nicht ausgeschlossen ist für ihn, seine Karriere auch über die Olympischen Spiele in Rio ("Die sind noch locker drin") hinaus fortzusetzen. Sollte die EM für 2018 nach Berlin vergeben werden, hätte das für ihn einen Reiz: "Mal sehen, ob mein Körper mitmacht und ich da dann noch dabei bin", sagte er der "Berliner Zeitung".

Keine Überraschung waren für ihn die Doping-Fälle um den Sprinter Tyson Gay vor der WM in Russland. "Ich habe so ein Bauchgefühl und verstehe die Szene. Für mich waren ihre Ergebnisse länger nicht mehr nachvollziehbar", erklärte er. Dass die Zuschauer fasziniert sind von den Flitzern um Weltrekordler Usain Bolt sei der Sensationsgier geschuldet. "Die Fans wollen etwas fröhliches Empfinden, wenn sie Sport sehen. Sie streben nach Wundern und vergessen damit auch eigene Probleme", argumentierte Harting. "Ob der Sportler sauber ist oder nicht, ist in dem Moment vielleicht nicht so wichtig."

Bei der WM in Moskau will Harting sich andere Athleten noch etwas genauer anschauen, ob sie äußere Anzeichen haben, die auf mögliches Doping hinweisen. "An der Haut und an starker Akne kann man schon ablesen, was ich den Körper alles so an Stoffen zuführe", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Die Crux sei, dass diese verdächtigen Athleten dennoch an den Start gehen, weil es keine gleichwertigen Anti-Doping-Programme auf der Welt gebe. "Umso mehr fordere ich mindestens eine 5-Jahres-Sperre, die wirklich abschreckend wirken würde.

Angst, dass er nach der erfolgreichen WM-Titelverteidigung beim rituellen Zerfetzen seines Nationaltrikots Probleme haben könnte, hat er nicht. "Soll das ein Witz sein? Wenn ich mit beiden Händen am Shirt ziehe, wird eine Kraft von 120 Kilo frei", sagte Harting. "Das hält kein Stoff der Welt aus. Da müsste man mir schon einen Teppich oder Ketten umlegen."

Außerdem gibt der 2,01 Meter große und 126 Kilogramm schwere Hüne zu, absolut kein Romantiker zu sein. "Nein, ich hasse Romantik. Das törnt mich total ab. Ich habe auch noch nie bei einem Film geweint", sagte Harting der "Bild am Sonntag". Nur bei der Siegerehrung bei den Olympischen Spielen 2012 in London spürte er einen Moment der Rührseligkeit: "Das war aber mehr ein Zucken, das keiner bemerkte."

Privat soll auch seine Beziehung zur Diskuswerferin Julia Fischer, die wie er dem SSC Berlin angehört und ebenfalls bei der WM in Moskau dabei ist, bleiben. "Julia und mir ist wichtig, dass wir als Sportler wahrgenommen werden - und nicht als Lovestory", sagte Harting. "Wir teilen uns bei der WM auch kein Zimmer. Wir sind Arbeiter, kein Glamour-Paar."

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