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Leichtathletik  

Neustart für Ex-Weltrekordler Tim Montgomery

20.09.2013, 10:32 Uhr | dpa

Neustart für Ex-Weltrekordler Tim Montgomery. Tim Montgomery ist tief gefallen und hat sich wieder aufgerappelt.

Tim Montgomery ist tief gefallen und hat sich wieder aufgerappelt. (Quelle: dpa)

Boston (dpa) - Seine Schritte wirken geschmeidig und kraftvoll zugleich. Wenn Tim Montgomery anzieht, ist noch zu erahnen, dass er einmal schnell war, sehr schnell sogar.

Trotz seiner 38 Jahre könnte er den Kids und Teenagern, die er in Gainesville, einer Collegestadt im Norden Floridas trainiert, locker davonlaufen. Doch das will er ebenso wenig wie seiner Vergangenheit. "Er kann die Zeit nicht zurückspulen, aber er kann seinen Kunden helfen, ihre Ziele zu erreichen. Und das bereitet ihm Freude", sagt Ehefrau Jamalee.

Der Amerikaner Montgomery verfolgt aufmerksam die kurzen Sprints seiner Schützlinge, ruft ihnen aufmunternde Worte zu. NUMA heißt sein Programm - und steht für "Never Underestimate My Ability" (Unterschätze niemals meine Fähigkeit). Sein Kundenstamm beträgt rund 80 Läufer. Sie sind zwischen 7 und 16 Jahren alt, hoffen, durch ihn besser zu werden, und wissen nur von den Erzählungen der Eltern, dass ihr Coach einst der schnellste Mann der Welt war.

Am 14. September 2002 lief Timothy Montgomery in Paris die 100 Meter in 9,78 Sekunden. Er war 1/100 schneller als Landsmann und Erzrivale Maurice Greene, ließ sich über die Laufbahn tragen und von Lebensgefährtin Marion Jones innig umarmen. Die "Sports Illustrated" schrieb vom "Lauf seines Lebens". "Mein Ziel war es immer, der Beste der Welt zu sein. Und was immer ich tun musste, um dies zu erreichen, habe ich getan", sagte Montgomery noch im Stadion.

Mit dem Rekord kamen Ruhm und Reichtum. In seiner besten Zeit hatte Montgomery 1,2 Millionen Dollar auf dem Konto, acht Autos in der Garage, eine 18 000 Dollar-Uhr am Arm und eben Amerikas Glamour-Girl, Marion Jones, als Freundin. Er führte ein Leben auf der Überholspur - und kein Stop-Zeichen schien in Sicht.

Doch innerhalb von fünf Jahren verliert er alles. Wie Ex-Freundin Jones, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat, ist Montgomery in den Balco-Doping-Skandal verwickelt. Obwohl es nie einen positiven Test gegeben hat, sperrt ihn der Internationale Sportgerichtshof CAS 2005 für zwei Jahre. Montgomery erklärt umgehend sein Karriere-Ende und räumt im November 2008 schließlich ein, von Februar 2000 bis Juni 2001 Testosteron und menschliche Wachstumshormone genommen zu haben. "Ich hatte die Begabung 9,92 oder 9,8 Sekunden zu laufen. Aber ich wollte die Fähigkeit, Maurice Greenes Rekord zu brechen. Um diese Fähigkeit zu bekommen, musst du was nehmen", sagte er.

Nach der Karriere entscheidet er sich für "schnelles Geld". Mit Ex-Trainer Steve Riddick ist er in einen Scheckbetrug in Höhe von 1,7 Millionen Dollar verwickelt. 2007 gesteht Montgomery in zwei Fällen Geldwäsche ein und wird am 16. Mai 2008 zu 46 Monaten Gefängnis verurteilt. Noch bevor Montgomery die Strafe antritt, wird er in Virginia beim Handeln mit Heroin erwischt. Fünf weitere Jahre Haft.

Im Gefängnis arbeitet Montgomery als Gärtner für zwölf Cent die Stunde, heiratet 2009 Jamalee, trainiert abends im Gym andere Häftlinge und fragt sich, wie er überhaupt so tief fallen konnte. Auch Marion Jones sitzt sechs Monate in Haft, wegen Meineides - unter anderem im Zusammenhang mit Montgomerys Geldwäsche. Aufgrund guter Führung und eines absolvierten Drogenprogramms ist Montgomery seit Oktober 2012 ein freier Mann. Seine Bewährung läuft noch drei Jahre.

Die einstige Glamour-Welt ist für ihn weit weg. Montgomery hat vier Kinder (drei eigene), kümmert sich um seinen kranken Vater und ist glücklich mit seinem Leben. "Ich hatte schnelle Autos, Schmuck, Geld, teure Klamotten und bin trotzdem auf dem Boden gelandet", sagte er. Eines hat sich jedoch nicht geändert: Bis heute besteht Montgomery darauf, bei seinem Weltrekordlauf "clean" gewesen zu sein.

Mittlerweile haben fünf Sprinter seine 9,78 Sekunden unterboten. Doch sowohl die Jamaikaner Asafa Powell (9,72) und Yohan Blake (9,69) als auch seine Landsleute Justin Gatlin (9,77) und Tyson Gay (9,69) sind schon einmal des Dopings überführt worden. Gatlins Zeit wurde deswegen aberkannt. Bleibt noch Usain Bolt, dessen Weltrekord von 9,58 Sekunden eine Sprint-Ewigkeit schneller als Montgomerys Zeit ist. "Ich würde gerne sehen, wie er trainiert, um so schnell zu laufen", sagt Montgomery. Und weiter: "Ich bete, dass er sauber ist."

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