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"Prothesen-Springer": Wirbel um Paralympics-Sieger Markus Rehm

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Nach Meisterschafts-Sieg  

Hitzige Diskussion um "Prothesen-Springer" Rehm

27.07.2014, 13:42 Uhr | dpa, sid

"Prothesen-Springer": Wirbel um Paralympics-Sieger Markus Rehm. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat den unterschenkelamputierten Weitspringer Markus Rehm nicht für die EM in Zürich nominiert. (Quelle: imago/Pressefoto Baumann)

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat den unterschenkelamputierten Weitspringer Markus Rehm nicht für die EM in Zürich nominiert. (Quelle: Pressefoto Baumann/imago)

Markus Rehm sorgte mit seinem Sieg bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Ulm für eine Sensation im Weitsprung. Für den unterschenkelamputierten Sportler war mit der Teilnahme an dem Wettbewerb der Nichtbehinderten ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch kurz nach dem Titelgewinn entbrannte eine kontroverse Diskussion um die Leistung des Paralympics-Siegers von 2012. Unklar ist, in wie weit Rehms Prothese ein technischer Vorteil für den Springer ist.

Mit seinem Siegsprung auf 8,24 Meter wurde der 25-Jährige nicht nur Deutscher Meister. Seinen eigenen Paralympics-Weltrekord verbesserte er um gleich 29 Zentimeter und überbot die Norm von 8,05 Metern für die Europameisterschaften in Zürich (12. bis 17. August) deutlich. Nur vier Athleten in Europa sind in diesem Jahr überhaupt weiter gesprungen.

Seit dem Paukenschlag in Ulm lautet die zentrale Frage nun: Fliegt Rehm trotz oder wegen seiner Karbon-Prothese so weit? "Ich glaube, ich habe weder einen Vorteil noch einen Nachteil. Die Prothese ersetzt, was ich nicht mehr habe", sagte Rehm. Auch Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, glaubt nicht an einen unerlaubten Vorteil: "Markus ist einfach ein Welt-Ausnahmetalent."

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Kontroverse Diskussion bei der Konkurrenz

Mit seinen Weiten hat der Springer bei den Sportlern mit Handicap längst keine Konkurrenz mehr. Kürzlich erklärte er, dass aber genau die Duelle auf Augenhöhe einen Sportler dazu antrieben, sich zu steigern. Ex-Europameister Christian Reif, der hinter dem neuen Konkurrenten mit 8,20 Metern auf Platz zwei landete fand, es sei "der richtige Weg ihn zu nominieren. Titelverteidiger Sebastian Bayer dagegen sah ein etwaiges Technik-Doping durch einen Katapulteffekt bei Rehm kritisch. "Die Prothese ist gefühlte 15 Zentimeter länger als das andere Bein. Meine Beine sind beide gleich lang", sagte Bayer. Er hatte bei den nationalen Meisterschaften als Fünfter (7,62 Meter) ein Debakel erlebt.

Seine Prothese sei zwar "drei, vier Zentimeter" länger als sein gesundes Bein, erklärte Rehm. Dies sei aber notwendig: "Sonst würde ich beim Anlaufen humpeln." Der Orthopädietechniker feilt selbst immer wieder an den Einstellungen der Prothese. Zum größten Teil sei diese aber aus Standartteilen gebaut.

DLV will Prothesen-TÜV

Trotzdem versteht Rehm die Diskussionen: "Ich weiß um das Problem. Ich möchte einfach Klarheit haben." Biomechaniker hatten während des Wettkampfes auch deshalb Daten erhoben, um zu analysieren, ob Rehms Leistungen mit denen anderer Sportler vergleichbar sind. Bis die Ergebnisse vorliegen ist nicht endgültig klar, ob Rehm seinen Titel behalten wird. In Ulm hatte er nur unter Vorbehalt starten dürfen. Für die Zukunft strebt der DLV eine Art TÜV für Prothesen an. "Da haben wir geschlafen", sagte Weitsprung-Bundestrainer Uwe Florczak und kritisierte dass die Frage nicht schon vorher geklärt wurde.

Auch ob Rehm sich tatsächlich in Zürich mit der nichtbehinderten Konkurrenz messen darf, blieb zunächst ungeklärt. "Er hat die Norm geschafft und kann nominiert werden", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen. Eigentlich sollte nun der Europäische Verband EAA über Rehms Teilnahme entscheiden. Aber auch der der EAA könne kein Machtwort sprechen, erklärte Generaldirektor Christian Milz. Jetzt soll sich der Weltverband IAAF endgültig äußern. Der DLV verschob die EM-Nominierung um einen Tag nach hinten. Am Mittwoch will er sein Aufgebot bekannt geben, weil bis dahin die Analyseergebnisse vorliegen sollen. Derweil veröffentlichte der EAA die offiziellen europäischen Bestenlisten - mit Rehms Weite an fünfter Stelle.

Vergleich mit Pistorius-Fall liegt nah

Rehm war mit 14 Jahren beim Wakeboarden in den Main gestürzt und eine Schiffsschraube hatte seine Beine verletzt. Ärzte konnten seinen rechten Unterschenkel nicht retten. Seine Situation im Leistungssport erinnert nun stark an den Fall des doppelt amputierten Oscar Pistorius. Der Südafrikaner klagte 2008 in einer Einzelfallentscheidung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS erfolgreich für ein Startrecht für Wettkämpfe der Nicht-Behinderten. Schließlich startete er sogar bei den Olympischen Spielen in London 2012. Ein juristisches Hickhack um einen Start in Zürich schloss Rehm allerdings von vorneherein aus: "Ich vertraue den Analysen des DLV", sagte er.

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