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Grundsatz-Entscheid  

Prothesenspringer Rehm behält seinen Meistertitel

03.11.2014, 16:42 Uhr | sid

Prothesenspringer Rehm behält seinen Meistertitel. Markus Rehm beim Internationalen Stadionfest im Berliner Olympiastadion. (Quelle: imago/Camera 4)

Markus Rehm beim Internationalen Stadionfest im Berliner Olympiastadion. (Quelle: Camera 4/imago)

Paralympics-Sieger Markus Rehm bleibt deutscher Weitsprung-Meister. Mehr als drei Monate nach seinem Weltrekordsprung von 8,24 Metern in Ulm entschied der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) im Streit um die Vergleichbarkeit der Leistungen Rehms mit denen seiner Konkurrenten für den 26-Jährigen. Eine Wiederholung seines Überraschungscoups bei den Nichtbehinderten im kommenden Jahr ist vorerst aber ausgeschlossen. Ein Vorteil durch seine Prothese sei zwar wahrscheinlich, aber nicht zweifelsfrei beweisbar.

"Nach Prüfung aller vorliegenden Unterlagen und einigen ausführlichen Expertengesprächen deutet vieles darauf hin, dass die von Ihnen ausgeführten Sprünge nicht vergleichbar sind mit dem Weitsprung anderer Spitzenathleten", hieß es in der schriftlichen Urteilsbegründung des DLV-Vizepräsidenten Frank Hamm an Rehm. "Die in Ulm durchgeführten Messungen indizieren stark, dass ein solcher Vorteil gegeben ist. Allerdings lässt dieser sich nicht mit absoluter Sicherheit aus den bisherigen Ergebnissen ableiten, und insofern ist in der Frage zu Ihren Gunsten zu entscheiden."

DM-Sieg löste Debatte aus

Bei der DM in Ulm hatte Rehm mit knappem Vorsprung vor dem mittlerweile zurückgetretenen Ex-Europameister Christian Reif (8,20) gewonnen. Anschließend hatte es eine öffentliche Diskussion über mögliche Vorteile des Athleten gegeben. Für die EM der Nichtbehinderten in Zürich hatte der DLV Rehm trotz seines Titels nicht nominiert. Dort hätte seine Weite für Silber gereicht.

Clemens Prokop, Präsident des DLV, erklärte dazu gegenüber Sky Sports News HD: "Für eine EM-Nominierung hätte Rehm den Nachweis erbringen müssen, dass er keinen Vorteil hat. Dies hat er aber nicht getan. Im Fall der DM hätten wir ihm zweifelsfrei nachweisen müssen, dass er einen Vorteil hatte. Diesen Nachweis haben wir nicht erbracht."

Vor- und Nachteile müssen abgewogen werden

Prokop verwies auf die Problematik eines solchen Nachweises: "Das sind komplizierte Vorgänge im biomechanischen Bereich", so Prokop. Demnach sei die Anlaufgeschwindigkeit mit einer Prothese niedriger, dafür aber die Katapultwirkung beim Absprung größer. Dann käme es auf die Bewertung an, ob dieser Vorteil der Katapultwirkung höher einzustufen sei als der Nachteil beim Anlauf.

"Gemeinsamen Sport gewährleisten"

Um solche Diskussionen in Zukunft nicht mehr aufkommen zu lassen, beschloss der DLV gleichzeitig eine neue Regel, nach der Behinderte und Nichtbehinderte zwar zusammen in einem Wettkampf starten können, jedoch getrennt gewertet werden müssen. "Die Regelung wurde getroffen, um in der kommenden Saison Athleten mit und ohne Behinderung Rechtssicherheit zu verschaffen und den gemeinsamen Sport zu gewährleisten", hieß es in der Mitteilung.

Die Regel soll ab 1. Januar gelten, bis entweder sichergestellt sei, dass die Nutzung technischer Hilfsmittel wie Prothesen keinen Vorteil bringe, oder auf internationaler Ebene klare Regelungen getroffen würden.

Trainerin fordert weitere Zusammenarbeit

"Grundsätzlich ist das erst einmal ein logische Konsequenz, solange die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind", sagte Rehms Trainerin und Ex-Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius. "Die Untersuchungen sollten jetzt aber forciert werden. Es wird Zeit, dass man sich mal zusammensetzt. Es ist zum Beispiel ja noch nicht geklärt, wer die Untersuchungen bezahlt."

Schon direkt nach der DM hatte Rehm erklärt, bei einem möglichen Vorteil seinen Meistertitel zurückgeben zu wollen. "Wenn mir ein Vorteil nachgewiesen wird, lass' ich mich aus allen Listen streichen und gebe die Medaille zurück. Ich will keinen Sieg haben, den ich nicht verdiene", hatte er erklärt.

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