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Nach Grünberg-Unfall: Holzdeppe hält nichts von Helmpflicht

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Nach Grünberg-Unfall  

Raphael Holzdeppe: "Helmpflicht wäre vermessen"

18.08.2015, 09:41 Uhr | t-online.de

Nach Grünberg-Unfall: Holzdeppe hält nichts von Helmpflicht. Sein bisher größter Erfolg: Bei der WM 2013 gewinnt Raphael Holzdeppe die Goldmedaille. (Quelle: imago/Chai v.d. Laage)

Sein bisher größter Erfolg: Bei der WM 2013 gewinnt Raphael Holzdeppe die Goldmedaille. (Quelle: Chai v.d. Laage/imago)

Mit der Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft 2013 in Moskau erzielte Stabhochspringer Raphael Holzdeppe sein bisher größten Erfolg. Danach lief es für den 25-Jährigen alles andere als rund. In diesem Jahr feierte er ein sensationelles Comeback. Vor der Leichtathletik-WM in Peking spricht der amtierende deutsche Meister im Interview mit t-online.de über seinen steinigen Weg, die Mission Titelverteidigung und den tragischen Unfall der österreichischen Stabhochspringerin Kira Grünberg.

t-online.de: Herr Holzdeppe, der Countdown für Peking läuft – wie groß ist Ihre Vorfreude?

Raphael Holzdeppe: Sehr groß. Mit jedem Tag steigt die Vorfreude.

Der Titel bei den Weltmeisterschaften 2013 war Ihr bisher größter Erfolg. Danach lief es nicht mehr wirklich rund. Die Saison 2014 mussten Sie sogar abbrechen. Was war da los und wie haben Sie es wieder aus dem "Loch" geschafft?

Es war für mich eine sehr deprimierende Saison 2014, aber auch ein lehrreiches Jahr. Ich habe gemerkt, dass mein Körper keine Maschine ist und auch mal Ruhe braucht. Wenn man sie ihm nicht gibt, nimmt der Körper sich die Ruhe von alleine. Aus dem Loch rauszukommen war ein hartes Stück Arbeit. Ich habe viel trainiert. Aber die Motivation die ich hatte, um an meine Leistung anzuknüpfen, war extrem hoch - auch im Hinblick auf die anstehende Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele 2016 in Rio. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich hoch springen kann, auch höher als bisher.

Es scheint, als seien Sie stärker zurückgekommen, als Sie bei Ihrem Titel 2013 waren…

Bis zu dem Zeitpunkt, als die Verletzungen kamen, lief alles nach Plan und ich war auf dem Weg, noch besser zu werden als bei meinem Weltmeistertitel. Das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, gab mir extreme Sicherheit und hat mich immer sehr motiviert.

Bei den Deutschen Meisterschaften konnten Sie mit 5,94 Meter eine neue persönliche Bestleistung aufstellen. Wie lange müssen wir noch warten, bis die Sechs-Meter-Marke fällt?

(lacht) Man kann das nicht prognostizieren. Allein die Zahl, dass es nur 18 Athleten weltweit gibt, die diese Marke übersprungen haben, zeigt es relativ deutlich. Das ist ein kleiner ‚elitärer Klub’, die das geschafft haben. Bei solchen Höhen passieren die kuriosesten Dinge im Kopf. Es gab in der Vergangenheit viele Athleten, die 5,95 Meter gesprungen sind und die sechs Meter nie geschafft haben. Mein Gefühl sagt mir, dass ich es irgendwann schaffen werde und das Potenzial da ist. Aber wann das passiert, weiß ich nicht. Ich kann nur hart daran arbeiten und auf diesen perfekten Sprung hoffen.

Gibt es denn so etwas wie einen perfekter Sprung?

Jeder hat für sich selbst einen perfekten Sprung, weil jeder eine andere Technik oder Stil hat. Das Schwierige daran ist nur, den perfekten Sprung bei einer hohen Höhe rauszuhauen. Wenn ich ihn bei einer niedrigen Höhe springe, bringt es mir nicht viel.

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Weltmeisterschaft in Peking. Sie gehen als Titelverteidiger in den Wettkampf. Was sind Ihre Ziele? Titelverteidigung?

Diese Saison ist von den Höhen, die ich gesprungen bin, bislang die beste meiner Karriere. Deswegen habe ich den Anspruch, eine Medaille zu gewinnen. Es wäre vermessen zu sagen, dass ich den Titel verteidigen will. Das wird sich erst am Finaltag zeigen. Die Konkurrenz ist bärenstark, stärker als die letzten Jahre, da kommt es stark auf die Tagesform an, aber eine Medaille will ich mit nach Hause nehmen. 

Wer ist Ihr Favorit auf den Titel?

Die letzten Jahre war es immer so, dass der Franzose Renaud Lavillenie (Mit 6,16 Metern der aktuelle Weltrekordhalter, die Red.) vorne ist und danach ist alles offen. Klar ist er die Nummer Eins und hat dieses Jahr bereits zwei Mal die sechs Meter übersprungen. Aber er hatte auch einen kleinen Leistungseinbruch und es wird spannend sein, in welcher Form er sich präsentiert. Man darf den Wettkampf aber nicht nur an der Person Lavillenie festmachen. Es gibt viele, die in diesem Jahr schon über 5,90 Meter gesprungen sind und zum Favoritenkreis gehören. Man hat schon öfters gesehen, dass bei Meisterschaften jemand am Ende vorne lag, den man am Anfang nicht auf dem Zettel hatte.

Mit dem Unfall von Kira Grünberg wurde jetzt kurz vor der WM wieder deutlich, wie viel Risiko in Ihrer Sportart „mitspringt“. Beschäftigen Sie sich mit dem Fall oder versuchen Sie das auszublenden?

Ich denke, es ist immer ein gesunder Mix aus beidem. Es ist extrem tragisch, was ihr passiert ist. Ich wünsche ihr und ihrer Familie alles Gute und viel Kraft, auch für ihren zukünftigen Weg. Aber es ist natürlich so, dass es keine Sportart gibt, die kein Risiko mit sich bringt. Es ist tragisch, aber als aktiver Athlet ist es schwierig das nah an sich zu lassen, gerade jetzt vor der Weltmeisterschaft. Wenn ich am Start stehe und den Stab in die Hand nehme, darf kein Zweifel bestehen. Sobald ich Zweifel habe, wird der Stabhochsprung für mich gefährlich.

Kann man das Risiko aus Ihrer Sicht minimieren? Es gibt ja auch Stimmen, die eine Helmpflicht für Stabhochspringer fordern.

Ich muss ehrlich sagen, dass so eine Helmpflicht vermessen wäre. Die Zuschauer würde das vielleicht beruhigen, weil es für sie sicherer aussieht, weil man es mit dem Rad oder Motorradfahren vergleicht. Aber bleiben wir beim Beispiel Kira: Wenn man sich beim Aufprall einen Halswirbel bricht, dann hätte auch kein Helm etwas gebracht. Der Helm könnte die Verletzung beim Aufprall sogar noch verstärken - das haben auch Studien untersucht.

Das Interview führte Ann-Kathrin Ernst

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