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Sebastian Coe löst Lamine Diack als IAAF-Präsident ab

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Deutliche Mehrheit  

Sebastian Coe ist neuer Präsident der Leichtathleten

19.08.2015, 14:38 Uhr | sid, dpa

Sebastian Coe löst Lamine Diack als IAAF-Präsident ab. Neuer starker Mann: Sebastian Coe führt künftig den Leichtathletik-Weltverband. (Quelle: Reuters)

Neuer starker Mann: Sebastian Coe führt künftig den Leichtathletik-Weltverband. (Quelle: Reuters)

Sebastian Coe ist der sechste Präsident in der 103-jährigen Geschichte des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Die Delegierten des 50. IAAF-Kongresses wählten den 58 Jahre alten Engländer in Peking mit deutlicher Mehrheit von 115:92 Stimmen. Der Ukrainer Sergej Bubka musste sich als einziger Gegenkandidat bei der Abstimmung von 207 Delegierten aus den IAAF-Mitgliedsländern geschlagen geben.

Doppel-Olympiasieger Coe löst den Senegalesen Lamine Diack ab, der fast 16 Jahre lang als Präsident amtierte. "Wir haben zwei gute Kandidaten gehabt. Ich freue mich, einen Nachfolger zu haben", sagte Diack. "Seb Coe ist ein Mann, der sein ganzes Leben unserem Sport gewidmet hat." Der neue IAAF-Chef will die olympische Kernsportart mit zahlreichen Reformprojekten attraktiver und moderner machen. Priorität hat dabei der Kampf gegen Doping. Doch Coe gilt als Hoffnungsträger.

Architekt von Olympia 2012

"Für viele in diesem Raum ist die Geburt ihrer Kinder der größte Moment in ihrem Leben", sagte der Brite, der wie Bubka zuletzt als IAAF-Vizepräsident fungierte und nun auch in das Internationale Olympische Komitee (IOC) aufrückt, nach seiner Wahl: "In meinem Leben gab es keine Aufgabe, auf die ich besser vorbereitet war. Ich werde Ihr Vertrauen nicht enttäuschen. Für mich ist die Möglichkeit, die Zukunft unserer Sportart zu gestalten, das zweitgrößte Ereignis."

Der Architekt der Olympischen Spiele 2012 in London ist mit seiner Wahl zu einem der mächtigsten Männer im Weltsport aufgerückt - steht aber dennoch vor einer äußerst schweren Aufgabe. Derzeit durchlebt die IAAF ihre vielleicht schwerste Krise, seit Monaten sieht sich die internationale Leichtathletik Vorwürfen weit verbreiteten Dopings ausgesetzt. Und der Weltverband steht unter dem Verdacht, nicht genug gegen das Problem unternommen zu haben.

Zuletzt entzogen bereits erste Athleten dem Weltverband das Vertrauen - angeführt vom deutschen Diskus-Olympiasieger Robert Harting und dessen Freundin Julia Fischer. "Liebe IAAF, wir können euch nicht mehr trauen. Ihr zerstört unseren Sport, und deshalb müssen wir handeln", hieß es in einem Video. Auch prominente internationale Sportler wie Stabhochsprung-Olympiasieger und Weltrekordler Renaud Lavillenie (Frankreich) sowie Weitsprung-Olympiasieger Greg Rutherford (Großbritannien) bekundeten ihre Unterstützung.

Coe, der stets smarte, im Weltsport glänzend vernetzte Gentleman, muss nun die Scherben zusammenkehren. In seinem Wahlprogramm kündigte der Lord bereits an, für die Leichtathletik eine vollkommen unabhängige Anti-Doping-Agentur schaffen zu wollen. Er ging damit weiter als sein Kontrahent Bubka. Dennoch hatte Coe mit seiner Reaktion auf die letzten Enthüllungen für Verwunderung und Kritik gesorgt.

Kandidat des DLV

Der Olympiasieger von 1980 und 1984 über 1500 Meter, seit 1982 im Adelsstand und 2006 von der Queen zum "Knight Commander" geschlagen, hatte die letzten Recherchen der ARD und der Sunday Times als "Kriegserklärung" an die Sportart gewertet.

Trotzdem hatten sich im Vorfeld viele Verbände öffentlich für den charismatischen Briten ausgesprochen. Auch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), der Coe im Vergleich zu Bubka das "größere Reformpotenzial" bescheinigte. Dies muss er nun unter Beweis stellen, denn nicht nur beim Thema Doping gibt es Veränderungsbedarf.

In einer immer mehr vom Fußball dominierten Sportwelt droht die olympische Kernsportart ins Hintertreffen zu geraten. Auch finanziell zählt die Leichtathletik im globalisierten Sport keineswegs zu den Schwergewichten.

Bubka bleibt Vize-Präsident

Bubka bleibt unterdessen Vizepräsident der IAAF. Mit 187 Stimmen wurde er von den Delegierten bestätigt, im Gegensatz zu Coe hatte er erneut für das Amt kandidiert. Dennoch erlebte der Ukrainer eine weitere Niederlage auf sportpolitischem Parkett.

2013 kandidierte Bubka, der in seiner sportlichen Karriere insgesamt 35 Weltrekorde aufgestellt hatte, erfolglos gegen Thomas Bach um das Amt des IOC-Präsidenten. Und auch die Hürde Sebastian Coe erwies sich als zu hoch. Der ehemalige Stabhochspringer erwies sich aber als fairer Verlierer. "Seb, ich wünsche Dir, unseren Sport gut in die Zukunft zu führen. Die Leichtathletik wird wachsen und immer stärker werden", sagte Bubka.

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