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Leichtathletik  

IAAF-Sumpf: Verdächtige Spuren bis ins Büro von Coe

23.12.2015, 13:27 Uhr | dpa

Leichtathletik - IAAF-Sumpf: Verdächtige Spuren bis ins Büro von Coe. IAAF-Präsidenten Sebastian Coe.

IAAF-Präsidenten Sebastian Coe. Foto: Olivier Anrigo. (Quelle: dpa)

Monte Carlo (dpa) - Der Sumpf im Leichtathletik-Weltverband weitet sich bis ins nächste Umfeld des neuen IAAF-Präsidenten Sebastian Coe aus. Der langjährige Kommunikationsdirektor der IAAF und heutige Büroleiter des britischen Spitzenfunktionärs, Nick Davies, hat sein Amt niedergelegt.

Eine E-Mail von Davies an den Sohn von Coes Vorgänger Lamine Diack, Papa Massata Diack, legt nahe, dass vor den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau die Veröffentlichung der Namen russischer Dopingsünder verzögert werden sollte.

Die französische Zeitung "Le Monde" und der britische Sender BBC haben die brisanten Details aus französischen Ermittlungsakten veröffentlicht. Demnach wollte man beim Weltverband vermeiden, dass überführte russische Athleten kurz vor der Heim-WM auffliegen. Man könne den Schaden "minimieren", so Davies in der Mail, "indem wir einfach warten, bis die WM vorbei ist, und die Namen dann verkünden".

Zudem schlug er in dem Schreiben vor, die Expertise von Coe als Vorstandsvorsitzender der PR-Agentur CSM zu verwenden: "Wir können auch Sebs politischen Einfluss nutzen." Der 59-Jährige war damals Vizepräsident der IAAF. Er hat mehrfach betont, nichts von den unglaublichen Missständen bei der IAAF gewusst zu haben.

Davies will nun sein Amt ruhen lassen, "bis die Ethikkommission den Fall angemessen überprüfen und entscheiden kann, ob ich für einen Verstoß des IAAF-Ethikcodes verantwortlich bin". Ein Fehlverhalten stritt Coes Landsmann in einer Stellungnahme ab. Er habe nur "Ideen" ausgetauscht. Der Brite war nach der Wahl Coes im August in Peking zu dessen Bürochef aufgestiegen.

Papa Massata Diack hat eine Beratungsfirma in Dakar und arbeitete in der Amtszeit seines Vaters als Marketingberater offiziell für die IAAF. Dabei vermittelte er dem Verband auch Sponsoren. Sein Vater Lamine Diack soll in seiner Amtszeit mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Doping-Proben kassiert haben. Gegen den 82-Jährigen aus dem Senegal wurde von der französischen Justiz Anklage wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche erhoben. Dabei geht es inzwischen nicht mehr nur um passive, sondern um "aktive Korruption", wie aus der Staatsanwaltschaft in Paris verlautet.

Diack senior ist gegen Kaution wieder auf freiem Fuß. Sein Sohn wird inzwischen verdächtigt, beim russischen Verband Geld eingetrieben zu haben - im Gegenzug sollen Dopingfälle verschleppt oder verschwiegen worden sein. In diesem Zusammenhang steht auch der frühere Chef der Anti-Doping-Abteilung der IAAF, der Franzose Gabriel Dollé, unter Verdacht.

Die französische Staatsanwältin Eliane Houlette hatte nach Diack Seniors Festnahme erklärt: "Es ist eine Form der Erpressung, wenn man zu jemanden sagt: 'Zahle oder du kannst nicht starten. Ich weiß nicht, ob wir es ein Mafia-System nennen können, aber es ist ein System der Korruption. Es ist extrem ernsthaft."

Die neuen Veröffentlichungen lassen auch die Hoffnungen schwinden, dass die IAAF zu einem baldigen Neuanfang findet. Coe entpuppte sich bisher nicht als großer Aufräumer. Im Gegenteil: Er stand selbst wegen seiner inzwischen aufgegeben Beratertätigkeit für den Sportartikel-Riesen Nike in der Kritik. Vor britischen Abgeordneten hatte der Organisationschef der Olympischen Spiele von London 2012 Fehler beim Umgang mit Blutdoping im Leichtathletik-Weltverband eingestanden. Jetzt hat der Skandal sein Büro erreicht.

Die Weltdopingagentur WADA wirft Russland systematisches Doping vor. Das IAAF-Council hatte die Gesamtrussische Leichtathletik-Föderation (WFLA) am 13. November vorläufig aus dem Weltverband ausgeschlossen. Moskau darf bis auf Weiteres keine Sportler zu internationalen Veranstaltungen schicken.

Nach einem Bericht von "Le Monde" in der vergangenen Woche hat Lamine Diack französischen Ermittlern gegenüber zugegeben, bei russischen Dopingfällen beide Augen "zugedrückt" und dafür finanzielle Gegenleistungen bekommen zu haben. Er behauptete dem Bericht nach sogar, das Schmiergeld sei direkt von der russischen Regierung gekommen - über einen Mittelsmann: dem russischen Verbandschef und früherem IAAF-Schatzmeister Walentin Balachnitschew. Außerdem sollen die Gelder in den Präsidentschaftswahlkampf des Senegals geflossen sein - zur Unterstützung des von Diack präferierten und am Ende siegreichen Oppositionskandidaten Macky Sall. Diacks Sohn wies in der BBC alle neuen Anschuldigungen "vollständig zurück".

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