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Leichtathletik: DLV-Sportchef fordert Neuanfang für Top-Leichtathletik

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Leichtathletik  

DLV-Sportchef fordert Neuanfang für Top-Leichtathletik

07.03.2016, 17:58 Uhr | dpa

Leichtathletik: DLV-Sportchef fordert Neuanfang für Top-Leichtathletik. Thomas Kurschilgen ist der Sportchef des DLV.

Thomas Kurschilgen ist der Sportchef des DLV. Foto: Bernd Thissen. (Quelle: dpa)

Düsseldorf/Moskau (dpa) - Russlands durch den Doping- und Betrugsskandal in Verruf geratene Leichtathletik ist durch neue Vorwürfe aufgeschreckt und will sie untersuchen lassen.

Jeder in der ARD-Doku "Geheimsache Doping: Russlands Täuschungsmanöver" genannte Sachverhalt müsse aufgeklärt werden, ordnete der Präsident der Allrussischen Leichtathletik-Föderation, Dmitri Schljachtin, laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Tass an.

In der Dokumentation werden nicht nur Anschuldigungen gegen die neue Chefin der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA, Julia Anzeliowitsch, erhoben. Sie soll in ihrer vorherigen RUSADA-Position als Leiterin der Abteilung für Ermittlungen und Ergebnismanagement regelwidrige Terminabsprachen mit Athleten für Doping-Tests geroffen haben. Berichtet wird in dem ARD-Film zudem über den wegen Dopings gesperrten Trainer Wladimir Mochnew, der in der Provinz weiter arbeitet, und den Cheftrainer Juri Gordejew, der nebenbei als Doping-Dealer Geld verdienen soll.

Russlands Sportminister will durch die Vorwürfe nicht die ganzen Bemühungen um eine Erneuerung in der Leichtathletik infrage gestellt wissen. Nicht in der gesamten russischen Leichtathletik, aber in einigen Disziplinen gebe es Probleme, sagte Witali Mutko. "Man kann aber nicht sagen, dass der Staat für jeden Regelverstoß einer Einzelperson verantwortlich ist." Russland kooperiere mit dem Weltverband IAAF wie mit der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Die WADA hat den neuen ARD-Bericht "mit Interesse" verfolgt, teilte Sprecher Ben Nichols mit. "Wenn es konkrete Dinge geben sollte, werden wir nicht zögern, dem nachzugehen." Nach der ersten, im Dezember 2014 veröffentlichten ARD-Doku "Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht" hatte die WADA eine unabhängige Kommission eingesetzt, die Beweise für ein gigantisches Dopingsystem in Russland fand.

Der Weltverband suspendiert daraufhin die Sportmacht und drohte ihr mit einem Olympia-Ausschluss in Rio de Janeiro. Das IAAF-Council wird in Monte Carlo über die Reformfortschritte in Russland und die neuen Anschuldigungen beraten.

"Angesichts der neuen Vorwürfe wäre es für mich eine große Überraschung, wenn der russische Verband für Olympia zugelassen würde", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), der Mediengruppe Funke Sport (Dienstag). "Es muss gewährt werden, dass die Standards der WADA eingehalten werden." Der ARD-Bericht habe daran Zweifel geweckt und solange diese bestünden, "ist es nicht möglich, Russland zuzulassen".

Prokop sieht nicht nur seine Sportart betroffen. "Die russische Anti-Doping-Agentur ist ja für alle Sportarten zuständig", sagte er. "Da ist es schwer vorstellbar, dass sich die Missstände nur auf eine Sportart beziehen."

Sein DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen plädierte über den Ausschluss auf Zeit für massiv Doping-auffällige Länder eine Zäsur. "Ich denke, dass ein Neuanfang für den Weltverband IAAF und das System 'Spitzensport Leichtathletik' erforderlich ist", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Nur dies wäre "ein deutliches Signal an die ehrlichen Athleten, für glaubwürdige Veränderungen im Spitzensport und die Chance auf eine saubere Zukunft.

Auch die stellvertretende Sprecherin der DOSB-Athletenkommission Silke Kassner wendet sich gegen eine Aufhebung der Suspendierung der russischen Leichtathleten vor Olympia. "Solange die Vorwürfe nicht hundertprozentig geprüft sind, muss diese Sperre aufrechterhalten bleiben", sagte sie. "Und wenn das bis nach den Olympischen Spielen dauert, ist das eben so."

Die Athleten fühlten sich "total auf den Arm genommen, denn wir wissen nicht, was eine Leistung eines Sportlers bei den Olympischen Spielen in Rio wert sein wird". Dies gelte nicht nur für die Leichtathletik. "Wir haben bei den Olympischen Spielen in Turin prominente Fälle im Biathlon gehabt", sagte Kassner. "Das lässt die Vermutung zu, dass es nicht nur um die Leichtathletik geht, sondern dass alle Sportarten betroffen sind, die in irgendeiner Form dopingbelastet sind: etwa Schwimmen, Triathlon, Radsport."

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