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Leichtathletik-EM 2016: Empörung über türkische Weltauswahl

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Leichtathletik-EM  

"Ein Witz": Empörung über türkische Weltauswahl

10.07.2016, 11:31 Uhr | sid

Leichtathletik-EM 2016: Empörung über türkische Weltauswahl. Yasemin Can, Europameisterin über 10.000 Meter, kommt ursprünglich aus Kenia. (Quelle: imago/Pressefoto Baumann)

Yasemin Can, Europameisterin über 10.000 Meter, kommt ursprünglich aus Kenia. (Quelle: Pressefoto Baumann/imago)

In 80 Jahren holte die Türkei nur mickrige zwölf EM-Medaillen, doch bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam läuft die Nationalhymne "Istiklâl Marsi" plötzlich in Dauerschleife.

Vor allem dank der eingebürgerten Läufer aus Kenia, Jamaika oder Kuba räumen die türkischen Athleten in diesem Jahr ab. Das "Länder-Hopping" stößt in der Szene aber auf massive Kritik.

"Es ist wirklich ein Witz. Ich glaube nicht, dass Leute von Land zu Land hüpfen sollten, nur weil ihnen danach ist", sagte die Irin Fionnuala McCormack, die beim Sieg der in Kenia geborenen Yasemin Can, früher Vivian Jemutai, nur Vierte über 10.000 Meter geworden war: "Es ist mehr als frustrierend, ich habe es satt."

Neun Medaillen schon geholt

Im EM-Aufgebot der Türkei stehen insgesamt sieben in Kenia geborene Athleten, zwei Jamaikaner, zwei Äthiopierinnen, jeweils ein Kubaner, Aserbaidschaner und Ukrainer sowie eine Südafrikanerin. Neun Medaillen, darunter vier aus Gold, hatte das Team bis zum Sonntag schon geholt und ist auf dem besten Wege, bei einer einzigen EM so viele Medaillen zu gewinnen wie bei den 22 Ausgaben zuvor zusammen.

Fatih Cintimar, Präsident des von zahlreichen Dopingfällen erschütterten türkischen Verbandes, sieht seine Leichtathleten kurz vor dem Beginn der Olympischen Spiele am Beginn "einer neuen Ära", man sei "stärker als jemals zuvor".

Mit viel Geld wird nachgeholfen

Es ist nicht neu, dass Leichtathleten ihre Nation wechseln. Doch der Staaten-Tausch hat mittlerweile ein extremes Ausmaß angenommen, auch Katar und Bahrain rüsten ihre Mannschaften mit Athleten aus Afrika gerne auf. Der Weltverband IAAF macht es möglich. Eigentlich sind Athleten bei einem Nationenwechsel drei Jahre lang für internationale Wettbewerbe gesperrt. Werden sich die beteiligten Verbände aber über die "Ablösemodalitäten" einig, muss man nur noch zwölf Monate pausieren. Und in vielen Fällen wird dann mit viel Geld nachgeholfen.

"Wir sehen das sehr kritisch", sagte Präsident Clemens Prokop vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zu den vielen Nationenwechseln: "Wir werden auch beim außerordentlichen IAAF-Kongress im Dezember einen Antrag stellen, dass der Missbrauch des Staatenwechsels bekämpft wird. Denn wenn ein Wechsel zum Wirtschaftsgut wird, leidet die Leichtathletik."

"Gefährlich, in diesem Land zu leben"

McCormack machte ihrem Unmut über die Situation in Amsterdam am lautesten Luft. "Es gibt derzeit keinen Grund, warum man in die Türkei auswandern sollte. Es ist gefährlich, in diesem Land zu leben", sagte die 31-Jährige: "Warum sollten Leute es repräsentieren wollen? Ich habe keine Ahnung, und ich glaube nicht, dass es erlaubt sein sollte."

Auch der englische "Telegraph" machte sich lustig. Bevor die Athleten ihre Staatsbürgerschaft gewechselt haben, hätten sie die Türkei wohl nicht "einmal auf der Landkarte gefunden". Es sei "traurig", wenn Medaillen auf so eine "unverschämte Art" vergeben würden.

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