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Der faszinierende Kampf mit der Wüste

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Rallye Dakar - Ellen Lohr  

Der faszinierende Kampf mit der Wüste

10.02.2010, 11:32 Uhr | t-online.de

Ellen Lohr (Foto: imago)Ellen Lohr (Foto: imago) Sie hat bisher als einzige Frau ein DTM-Rennen gewonnen, fuhr Ende der achtziger Jahre in der Formel 3 gegen Michael Schumacher und hat sich seit nunmehr 20 Jahren in der Männerdomäne Motorsport behauptet. Ellen Lohr gilt als Hartgesottene auf vier Rädern. Seit 2005 ging die Mönchengladbacherin bei der Rallye Dakar an den Start und wollte auch bei der 30. Auflage des Wüstenspektakels, das am Freitag aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde, teilnehmen. Obwohl die 42-Jährige bei der Dakar bisher zwei Mal unverschuldet liegen blieb und 2007 nach einem Getriebeschaden sogar die Fähre nach Afrika verpasste - die Mercedes-Pilotin ist fasziniert von der Mischung aus Abenteuer, Rennsport, Wildnis und Aktion.

Kurzerhand auf ein Presseauto umgesprungen

In der Sonntagszeitung "Sonntag aktuell" beschreibt sie ihre Erlebnisse, als sie 2005 in einem Buggy zum ersten Mal in das Wüstenspektakel aufbrach. "Wir sind früh mit einem Defekt liegenblieb. Einen perfekten Service wie jetzt von Mercedes hatte ich ja damals nicht. Ich bin kurzerhand auf ein Presseauto umgesprungen - zu einem ebenfalls Dakar-unerfahrenen holländischen Fotografen", beschreibt Lohr ihre ersten Erfahrungen. Und damit begann das eigentliche Abenteuer.

Pures Adrenalin

Zu diesem Zeitpunkt lag Lohr bereits einen Tag hinter dem Rallye-Tross, ohne Biwak und gesichertes Umfeld. Drei Tage gab sie alles Menschenmögliche, um das Feld wieder einzuholen. "Es wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil wir durch völlig menschenleere Gegenden gefahren sind, immer in der Hoffnung, dass wir den Tross bald einholen, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Dabei bin einmal 24 Stunden am Stück durchgefahren... Ich weiß bis heute nicht wie das gegangen ist - wahrscheinlich pures Adrenalin."

"Well, that's Dakar! Have fun!"

Lohr in ihrem Mercedes ML 350 auf der 1. Dakar-Etappe 2006Lohr in ihrem Mercedes ML 350 auf der 1. Dakar-Etappe 2006 Doch die Aufholjagd ging nicht ohne Rückschläge von statten. "Mitten in der Nacht war dann erst mal Feierabend. Wir haben uns total im Sand festgefahren. Da saßen wir dann also zwischen genau zwei wunderschönen Dünen: unser GPS funktionierte ebenso wenig wie der Wagenheber, zum Ausbuddeln hatten wir gerade eine Schaufel", erinnert sich Lohr. "Als dann nach zwei Stunden ein anderer Teilnehmer kurz anhielt um uns zu fragen, ob wir genug Wasser hätten und ich über unsere Situation geklagt habe, hat der nur laut gelacht und mir von der Düne aus zugerufen: 'Well, that's Dakar! Have fun!' Ich hätte ihn erwürgen können."

Mit Bockwürstchen in den Dünen

Doch die Dakar wäre nicht die Dakar, wenn nicht aus heiterem Himmel Rettung aufgetaucht wäre. "Weitere zwei Stunden später hat sich herausgestellt, dass keine 300 Meter von uns entfernt ein umgekippter LKW samt Crew festsaß. Das Ende vom Lied war eine Übernachtung in den Dünen bei Bockwürstchen und eingelegten Gurken. Es war köstlich. Ich habe mich dann auch getraut, nach zwei Tagen Hitze meine Schuhe auszuziehen. Kommentar überflüssig. Die Socken sind direkt im Müll gelandet", so Lohr.

Essen zusammengeschnorrt

Erleichterung stellte sich aber erst ein, als das Dakar-Camp endlich erreicht war. "Leider gab's keine Vorräte mehr, da dieses Biwak in der Nacht zuvor ausgebrannt war... Wir haben uns Wasser und Essbares bei anderen Teilnehmern zusammengeschnorrt. Es war ein Genuss, als wir einen weiteren Tag später endlich in einem normalen Biwak saßen und im Zelt auf Teppichen sitzend, ein wunderbares Essen zu uns nehmen konnten", ist Lohr noch heute erleichtert.

Endlich einmal durchkommen

Solche Geschichten sind es, die neben Lohr auch andere Dakar-Teilnehmer erzählen können. Doch abschrecken lassen sie sich nicht. Im Gegenteil: Die härteste Rallye der Welt ist eben das letzte große Abenteuer, das die Piloten in ihren Boliden, auf ihren Motorrädern oder ihren Trucks immer wieder suchen. Auch Lohr fieberte dem nächsten Kapitel in der Wüste entgegen. Ob die Dakar im nächsten Jahr noch einmal gestartet wird, steht nach der jetzigen Absage mehr denn je in den Sternen.

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