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Schnee statt Sand - Dakar-Feeling in Salzburg

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Rallye  

Schnee statt Sand - Dakar-Feeling in Salzburg

10.02.2010, 07:05 Uhr | dpa

Spektakulär: Carlos Sainz hebt in Salzburg ab (Foto: dpa)Spektakulär: Carlos Sainz hebt in Salzburg ab (Foto: dpa) Die Hände suchen nach Halt, der Oberkörper wird in die festgezurrten Gurte gepresst. Erst schlagen die Vorderräder auf, dann das Heck - sanft ist etwas anderes. Doch der Wagen, mit dem der deutsche Beifahrer Dirk von Zitzewitz an der Seite des Südafrikaners Giniel de Villiers bei der legendären Rallye Dakar auf dem Ausweich-Kontinent Südamerika den ersten Diesel-Sieg einfuhr, hat nach der spektakulären Sprungeinlage schon wieder mit allen Vieren beeindruckend stabilen Kontakt zum Boden.

Der ist diesmal bedeckt mit Schnee statt Sand, es herrscht winterliche Kälte statt brütende Hitze, und es geht durch einen Steinbruch statt querfeldein durch die Pampa. Am Steuer bei der spektakulären Show von Teamsponsor Red Bull: der ehemalige Rallye-Weltmeister Carlos Sainz. Mit fast stoischer Ruhe steuert der Spanier den VW Race Touarec und gewährt beim Treffen der "Desert Bulls" den Gästen auf dem Beifahrersitz Einblicke in die hohe Steuerkunst der Offroad-Artisten.

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"Vertrauen ist das Zauberwort"

Normalerweise pilotiert den blauen Boliden mit der Nummer 305 de Villiers. Das Sagen im Wagen hat aber von Zitzewitz auf dem Beifahrersitz. Den Worten des Navigators lässt Villiers die Taten folgen. In diesem Jahr ergänzte sich das Duo dermaßen gut, dass es bei der legendären Rallye Dakar, die erstmals jenseits von Afrika durchstartete, den Sieg herausfuhr. "Es ist sehr wichtig, dass Fahrer und Navigator sich gut verstehen und dass man den anderen in seinem Job respektiert und ihm vertraut", betont von Zitzewitz: "Vertrauen ist sowieso das Zauberwort", sagt er und fügt an: "Wichtig ist, sich zu helfen, und dass man sich nicht mit Vorwürfen volltextet - dann kannst du nicht mehr weiterkommen."

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Kleine Bewegungen - Große Wirkung

Deswegen ist Sainz wohl eher etwas schweigsam beim winterlichen Stelldichein der bei der diesjährigen Dakar siegreichen Piloten in den Wertungen Auto, Motorrad und LKW in dem Steinbruch nahe Salzburg. Auch am Lenkrad gibt sich Sainz eher sparsam. Mit kleinen Bewegungen erzielt der Spanier, der in diesem Jahr in Führung liegend beim weltweit renommierten Offroad-Spektakel nach einem Unfall im Sand aufgeben musste, auf Schnee aber große Wirkung. Die Spikes krallen sich in den weißen Untergrund und gewähren dem 280-PS-starken Boliden eine erstaunliche Traktion.

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9,91 Kilometer mit durchgetretenem Pedal

Auf der Geraden gibt Sainz richtig Gas - angeblich soll er bei der Dakar mal 9,91 Kilometer lang das Pedal durchgetreten haben -, und dann auch noch bergab. Am Wendepunkt erkundigt er sich kurz, ob alles okay ist, dann peitscht er den Diesel-Wagen den Anstieg wieder hoch, ehe er mit Schwung die wellige letzte Kurve nimmt und das Auto ein weiteres Mal mehr in der Luft als am Boden ist. Was aus der Onboard-Kamera schon beeindruckend wirkt, versetzt den der Bewegungsfreiheit weitgehend beraubten Beobachter und Gäste-Beifahrer in Staunen.

Gürteltier sorgt für skurriles Erlebnis

Die Dakar-Sieger 2009: Dirk von Zitzewitz (li.) und Giniel de Villiers (Foto: dpa)Die Dakar-Sieger 2009: Dirk von Zitzewitz (li.) und Giniel de Villiers (Foto: dpa) Allerdings ist dieser Zustand keine gute Bewerbung für den Posten als Co-Piloten. "Die Kunst ist wirklich, sich beim Fahren nicht ablenken zu lassen und trotzdem draußen alles mitzubekommen", sagt von Zitzewitz. So wie das Gürteltier, das bei der Dakar den Weg der beiden späteren Sieger kreuzte. "Das war sicherlich das skurrilste Erlebnis", erinnert sich der 40-Jährige. Das vergleichsweise doch wesentlich langsamere Tier konnte sich aber gegen den Offroad-Rennwagen letztlich doch noch schnell genug aus der Affäre ziehen, es kam mit einem Schrecken davon, das südafrikanisch-deutsche Duo mit einer Begegnung der besonderen Art. "Ich hatte vorher noch nie eins live gesehen", sagt von Zitzewitz.

Allerhand Zeichen und Symbole

Vor ansonsten eher unliebsamen Begegnungen soll das Roadbook schützen. Gefährliche Stellen in der Landschaft sind dort vermerkt. Allerdings nicht im Stile einer Landkarte - für chronisch Desorientierte oder Menschen mit einer Schwächen beim Kartenlesen kommt der Job als Rallye-Beifahrer nicht infrage. In drei Spalten ist das Straßenbuch aufgeteilt: links Kilometerangaben, in der Mitte Symbole wie beispielsweise Pfeile als Wegweiser, rechts stehen dann noch zusätzlich Instruktionen. Warnungen vor Sprüngen, zum Beispiel.

Landkarte nur Hilfsmittel

"Ich brauche drei bis fünf Stunden, um das Roadbook zu personalisieren", erklärt von Zitzewitz, der wie seine Kollegen selbiges erst am Abend vor einer Etappe bekommt. "Wenn da steht, eine Gabelung rechts, muss ich die wiederfinden", sagte der Co-Pilot. Er muss also das abstrakte Symbol auf die tatsächliche Strecke übertragen. Eine Landkarte ist für ihn im Wagen nur ein letztes Hilfsmittel, das erlaubte GPS-System auch nur auf ein Minimum an Informationen reduziert. "Wenn ich merke, dass ich unsicher bin, nehme ich die Karte dazu", erklärte von Zitzewitz.

Die Richtung in der Farbe der Hoffnung

Dann werden Position eingetragen, verglichen, und möglicherweise kommt er auf eine neue Route. Mittels verschiedener Farben kann er sich in seinen Aufzeichnungen besser und schneller orientieren - die Richtung markiert er - in der Farbe der Hoffnung - grün. Was er seinem Fahrer zu sagen hat, formuliert er kurz und knapp. "Die Infos müssen so einfach und präzise wie möglich mitzuteilen sein. Wir haben keine Zeit zu diskutieren", berichtet von Zitzewitz.

Essen ist ein Problem

Doch nicht nur zum Reden fehlt die Zeit. Selbst das Essen kann zum Problem werden, ohnehin gibt es auf den Etappen, die auch schon mal acht Stunden dauern können, lediglich Energieriegel oder flüssige Powerkonzentrate. Problem Nummer eins: Der Fahrer braucht beide Hände am Lenkrad. Problem Nummer zwei: Mit vollem Mund kann der Beifahrer schlecht reden. Und "eine Brotzeit kann man natürlich nicht machen", sagt von Zitzewitz. Ergo "musst du schauen, jetzt brauch ich nicht zu reden, dann kann ich etwas essen". Noch schwieriger wird das alles auf dem Motorrad. Dort ist jeder Pilot in Personalunion Lenker und Denker. "Das macht es auf dem Bike noch härter", erklärt der Deutsche, der 1997 auf dem Zweirad Fünfter bei der Dakar geworden war und zahlreiche nationale Enduro-Titel einheimste.

Spezielles Vorbereitungstraining

Um die Strapazen auch körperlich durchstehen zu können, intensiviert er von Anfang November an sein Fitnesstraining. Gemeinsam bereitete man sich unter Anleitung der Sportklinik in Bad Nauheim, die auch einige aktuelle sowie ehemalige deutsche Formel-1- Athleten betreut, in den Schweizer Alpen auf den Höhentrip in den Anden vor. Hinzu kommen Fahrradfahren und laufen für die Kondition, auch wenn der Pulsbereich der Beifahrer unter dem der Piloten liegt.

Von Zitzewitz will zweite Dakar

Trotz aller Strapazen vor und vor allem während einer Rallye wünscht sich der deutsche Beifahrer eines besonders. "Wir würden es toll finden, wenn der Veranstalter es schafft, in Anführungsstrichen eine zweite Dakar zu organisieren." Man warte und bereite sich das ganze Jahr auf die Rallye vor, die 2010 erneut in Argentinien und Chile stattfinden wird. Von Zitzewitz: "Wenn dann am zweiten Tag etwas passiert, muss man wieder ein Jahr warten."


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