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Timo Scheider: "DTM Marketing-Tool für Hersteller"

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Timo Scheider: "DTM Marketing-Tool für Hersteller"

06.09.2013, 11:23 Uhr | dpa

Timo Scheider: "DTM Marketing-Tool für Hersteller". Top-Fahrer und dennoch weitgehend unbekannt: Timo Scheider übt Kritik .

Top-Fahrer und dennoch weitgehend unbekannt: Timo Scheider übt Kritik . (Quelle: dpa)

Lochau (dpa) - Timo Scheider (Audi) hat die DTM zweimal gewonnen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa findet der 34-Jährige klare Worte - auch mit Blick auf die Serie.

Frage: Herr Scheider, nach einer enttäuschenden vorigen Saison läuft dieses Jahr alles schief, was schief laufen kann - ohne dass man Ihnen wirklich einen Vorwurf machen kann. Was macht das mit Ihnen?

Antwort: "Letztes Jahr hat mir persönlich viel mehr wehgetan, weil ich selbst keine Antwort hatte. Dieses Jahr gibt es Gründe, die nachweisbar und greifbar sind, warum die Dinge laufen, wie sie laufen. Das ist für meinen Gemütszustand deutlich besser. Aber unterm Strich ist das Ergebnis das Gleiche: schlecht."

Frage: Wie sicher sind Sie denn, dass das mit Ihnen bei Audi wieder aufwärtsgeht? Ist ein Wechsel inzwischen ein Thema?

Antwort: "Alles, was ich in meiner Karriere erreicht habe, seit ich bei Audi bin, habe ich Audi zu verdanken. Natürlich gibt es immer Stimmen, die sagen, vielleicht brauchst du einen Tapetenwechsel. Aber am Ende des Tages verbindet mich und die Marke Audi so viel, dass ich mir meine Zukunft nicht ohne Audi vorstellen kann und möchte. Auch das Standing hier im Team möchte ich nicht einfach wegwerfen. Ich hoffe, dass es noch eine schöne, lange Zukunft mit Erfolg gibt. Mit einem Misserfolg abtreten möchte ich ganz sicher nicht. Und abtreten möchte ich in den nächsten fünf, sechs Jahren auch noch nicht."

Frage: Vor der Saison hat die DTM einiges am Reglement geändert, den Options-Reifen, DRS und neue Strafen eingeführt. Drei Rennen vor Schluss: Überwiegen die Vor- oder die Nachteile der Neuerungen?

Antwort: "Das ist schwierig. Man wollte mehr Überholmanöver und mehr Action. Das hat man zu 100 Prozent erreicht, und die Fans sehen viele Zweikämpfe und tollen Motorsport. Man hat damit aber auch für mehr Konfusion gesorgt. Strategisch wird dieses Jahr ganz anders gearbeitet, alle wollen die direkte Konkurrenz auf der Strecke vermeiden, um die Reifen perfekt einsetzen zu können. Das ist nicht im Sinne des Erfinders und nicht im Sinne des Sports. Auch dass Fahrer, Teams und Fans im Rennen nicht immer wissen, wer auf welchem Platz liegt, ist nicht gut. Es ist eine schwierige Aufgabe, es jedem recht zu machen. Aber die DTM muss verständlicher werden."

Frage: Zur Halbzeitbilanz waren die Zuschauerzahlen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Ist das so ein Signal, dass etwas schief läuft?

Antwort: "Mit Sicherheit auch. Ich glaube die Fans sind immer ein ganz guter Indikator dafür, wie es läuft und wie man den Sport vermittelt. Man kann natürlich nicht auf jeden Fan eingehen, aber man muss gucken, dass man die breite Masse zufriedenstellt. Motorsport ohne Fans funktioniert nicht."

Frage: Wie beurteilen Sie unter diesem Aspekt den Rennkalender?

Antwort: "Ich habe nichts dagegen, neue Strecken kennenzulernen, ob im In- oder Ausland. Aber: Wir sind das Deutsche Tourenwagen Masters, keine internationale Weltmeisterschaft. Also schon eine internationale Serie in Anführungszeichen, für das Marketing der Hersteller ist es auch unglaublich wichtig, in Ländern wie Russland aufzutreten. Die DTM ist ein Marketing-Tool für die Hersteller. Wir probieren, mit gutem Sport gutes Marketing zu betreiben. Das Interesse an den Märkten in Russland oder Asien ist da, aber man muss sich auch klar sein, dass dann hier und da auch mal keine Zuschauer sind."

Frage: Ein Rennen in China bringt also wenig für die Zuschauer, ist aber gerechtfertigt, weil es die Interessen der Hersteller bedient?

Antwort: "Ja, so sehe ich das. Es ist einfach unheimlich wichtig, dass die Konzerne in Ländern mit einem starken Markt auftreten und sich präsentieren können. Das ist für uns natürlich nicht so schön, wenn nur wenige Zuschauer vor Ort sind, aber am Ende ist es für die drei Hersteller doch ein erfolgreiches Wochenende."

Frage: Stört es Sie, im Vergleich zu Fahrern anderer Serien relativ unbekannt zu sein?

Antwort: "Mir würde es gefallen, wenn wir unsere Typen mehr Typen sein lassen würden und ein bisschen weniger die Marke im Vordergrund steht. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Die DTM ist Werkssport und Marketing, deswegen sind die Marken auch so präsent - das ist auch das, was die Hersteller wollen. Ob es dann richtig ist, nach Typen zu schreien, ist die Frage."

Frage: Wie verhindert denn Audi beispielsweise diese Typenbildung?

Antwort: "Man probiert das ja nicht bewusst zu verhindern. Das kommt halt durch die Vorgaben: Einheitliche Teamkleidung, einheitliche Auftritte, wenn ihr auftretet, habt ihr das und das zu sagen. Warum ist ein Räikkönen interessant, ein Alonso? Weil sie polarisieren, mit Flip-Flops und Shorts im Fahrerlager auftauchen, singen. Weil es Geschichten zu erzählen gibt. Hamilton, der sich mit ein paar Rappern rumtreibt. Wenn ich mit Bushido abhängen würde, fände das Audi nicht so toll, verständlicherweise."

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