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Markus Winkelhock: "Man schaltet die Angst aus"

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Markus Winkelhock  

Sohn von Manfred Winkelhock: "Man schaltet die Angst aus"

10.08.2015, 10:24 Uhr | dpa

Markus Winkelhock: "Man schaltet die Angst aus". Markus Winkelhock ist der Sohn des vor 30 Jahren verunglückten Manfred Winkelhock.

Markus Winkelhock ist der Sohn des vor 30 Jahren verunglückten Manfred Winkelhock. Foto: Marijan Murat. (Quelle: dpa)

Stuttgart (dpa) - Die Erinnerungen von Markus Winkelhock an seinen Vater sind verblasst. Als Manfred Winkelhock am 12. August 1985 nach einem schweren Unfall bei einem Sportwagen-Rennen nahe Toronto starb, war der Sohn erst fünf Jahre alt.

"An meinen Vater selbst kann ich mich kaum noch erinnern", erzählte Markus Winkelhock der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des 30. Todestags seines Vaters.

Welche Bedeutung spielt der Tod in Ihrem Leben?

Markus Winkelhock: Ich weiß, dass ich einen Job habe, der nicht ungefährlich ist, und ich bin durch den Tod meines Vaters sicher auch vorgeprägt. Aber wenn du im Auto sitzt, machst du dir darüber keine Gedanken, weil du sonst abgelenkt wärst. Man schaltet die Angst aus. Zu den Zeiten, als mein Vater gefahren ist, waren die Strecken deutlich gefährlicher, die Sicherheitsstandards waren praktisch bei Null. Die Autos wurden nach Performance, nicht nach Sicherheit gebaut. Heute wird auf hohe Sicherheitsstandards geachtet.

Als ihr Vater verunglückte, waren Sie fünf Jahre und Ihre Schwester Marina ein Jahr alt. Haben Sie noch Erinnerungen an den Tag, vielleicht über Reaktionen Ihrer Mutter Martina?

Winkelhock: Ich weiß noch, dass ich damals bei meinen Großeltern war. Meine Mutter ist zu meinem Vater nach Toronto geflogen. An die Zeit, als sie wieder zurückkam, kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, sie ist quasi ausgelöscht. Meine Mutter hat mir später erklärt, dass mein Vater einfach nicht mehr komme. Ich wollte das als Kind aber nicht wahrhaben und dachte: 'Wir fahren einfach irgendwann an den Flughafen und holen ihn wieder ab.' Mehrere Tage oder Wochen habe ich so gedacht. An meinen Vater selbst kann ich mich kaum noch erinnern.

Haben Sie danach das Bedürfnis nach einem Vater-Ersatz gehabt?

Winkelhock: Wirklich ersetzen kann man einen Vater nicht. Aber gerade meine Onkel haben damals viel mit mir unternommen und auch eine Art Vater-Ersatz gespielt. Ein Onkel, ich muss Elf oder Zwölf gewesen sein, hat mir ein Go-Kart gekauft und ist mit mir hobbymäßig auf die Strecke gegangen.

Beim letzten Rennen Ihres Vaters hätte eigentlich Marc Surer der ursprünglichen Planung zufolge im Auto sitzen sollen - haben Sie mal mit ihm darüber gesprochen?

Winkelhock: Damals war es wohl so, dass mein Vater den Start hätte fahren sollen. Marc wollte aber lieber beginnen, und mein Vater hat auch eingewilligt. Die Ursache für den Unfall ist ja bis heute noch nicht restlos aufgeklärt worden. 30 Jahre später Schlüsse zu ziehen, ist einfach schwer.

Werden Sie diesen 30. Todestag auf eine bestimmte Weise verbringen?

Winkelhock: Ich werde das spontan machen. Ich werde aber auf jeden Fall auf den Friedhof gehen.

Sie haben den Unglücksort Mosport Park einmal besucht. Was für Eindrücke haben Sie gesammelt?

Winkelhock: Ich war dort anlässlich einer TV-Dokumentation und wollte schon lange einmal hin. Die Unfallstelle sieht heute natürlich ganz anders aus. Es ist eine größere Betonfläche und die Mauer ist nach hinten versetzt. Es ist dennoch ein emotionaler Moment, wenn man dort steht, und weiß, dort ist der Unfall damals passiert.

Haben Sie noch viele Erinnerungsstücke von Ihrem Vater?

Winkelhock: Wir haben viel von ihm aufgehoben. Zum Beispiel die Reisetasche, die er damals in Toronto dabeihatte. Alte Rennoveralls, seine Helme, die Teamjacken. Meine Mutter hat zum Glück auch den weißen Porsche 911 aufgehoben, den er vier Wochen vor seinem Tod noch gekauft hat. Ich habe auch noch seinen Aktenkoffer. Aber es ist merkwürdig, wenn man sich den Terminplaner durchsieht und merkt, dass die Eintragungen nach dem Todestag aufhören.

Tragen sie immer noch den Talisman, den Ehering ihres Vaters an einer Kette?

Winkelhock: Meine Mutter hat ihn mir mal gegeben und darum gebeten, ihn als Glücksbringer zu tragen. Ich habe ihn zwar nicht seit meinem ersten Rennen, aber seit rund zehn Jahren bestimmt. Ich bin eigentlich kein Kettenträger, am Rennwochenende habe ich den Talisman aber immer um.

Hatten Sie beim Heranwachsen Zweifel an Ihrer Motorsportkarriere?

Winkelhock: Eigentlich nie. Meine Mutter hat anfangs versucht, mir das Ganze auszureden und geraten, etwas Ordentliches zu lernen. Ich habe dann ja auch eine Ausbildung zum Fotografen gemacht. Mein erstes Motorsportjahr bin ich noch mehr "Just for Fun" gefahren, aber gleich Vize-Meister geworden und habe nur um zwei Punkte die Meisterschaft verpasst. Das nahm dann so seinen Lauf, und ich habe mich für den Rennsport entschieden. Jetzt fahre ich seit 17 Jahren Autorennen und kann glücklicherweise mein Geld damit verdienen.

Zur PERSON: Markus Winkelhock (35) ist der Sohn des vor 30 Jahren verunglückten Manfred Winkelhock. Er fährt vor allem Langstreckenrennen. 2007 absolvierte Markus Winkelhock auch ein Rennen in der Formel 1. Er lag damals auf dem Nürburgring sogar einige Runden in Führung, schied letztlich aber vorzeitig aus.

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