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Olympia 2008 und Tibet: Massive Kritik am IOC und an Jacques Rogge

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Olympia 2008  

Boykottieren Staatsoberhäupter die Eröffnungsfeier?

18.03.2008, 15:18 Uhr | dpa

Das Olympische Feuer (Foto: imago)Das Olympische Feuer (Foto: imago) Das olympische Feuer soll angesichts der blutigen Unruhen in Tibet einen anderen Weg nach Peking nehmen. Das internationale Netzwerk zur Unterstützung Tibets hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) in einem Schreiben am Dienstag aufgefordert, den geplanten Fackellauf umzuleiten. "Wenn das IOC nicht will, dass das olympische Feuer ein Symbol für Blutvergießen und Unterdrückung wird, muss es sofort alle tibetischen Provinzen aus der Route herausnehmen", heißt es in dem Brief.

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Demonstration vor dem IOC-Hauptquartier

Parallel dazu versammelten sich am Dienstag an die 1000 Demonstranten, angeführt von tibetischen Mönchen in ihren traditionellen Roben, vor dem IOC-Hauptquartier in Lausanne zu einer Protestkundgebung. Sie trugen tibetische Flaggen und Banner mit den Aufschriften "Mr. Rogge, ihr Schweigen tötet Tibet" und "Stoppt das Morden in Tibet". Mit der Demonstration, die deutlich größer ausfiel als von der Polizei erwartet, sollten das IOC und sein Präsident Jacques Rogge zum Handeln aufgefordert werden. Bislang hat Rogge weder die blutigen Unruhen in Tibets Hauptstadt Lhasa offiziell kritisiert noch die chinesische Regierung zur Mäßigung aufgefordert.


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Kritik an Präsident Rogge

Jörg Schild, Präsident des Schweizer NOK Swiss Olympic, schloss sich der Forderung der Demonstranten an. "Die Glaubwürdigkeit der olympischen Bewegung steht auf dem Spiel, so lange es keine offizielle Reaktion gibt", sagte Schild: "Wer angesichts der jüngsten Ereignisse schweigt, vermittelt den Eindruck, dass ihm das Schicksal der Menschen im Land des Olympia-Gastgebers egal ist." In einem kurzen Statement des IOC hieß es dazu, es sei "natürlich, dass Menschenrechts- und andere Organisationen ihre Agenda in das Scheinwerferlicht rücken, das die Olympischen Spiele in Peking auf China werfen.

Dalai Lama gegen Boykott

Wir sind der festen Überzeugung, dass die Olympischen Spiele Peking und China ein großes Erbe zum Verwalten und Erhalten hinterlassen werden. "Das Feuer, das am 24. März traditionell im Heiligen Hain von Olympia entzündet wird, soll auf seiner 137.000 Kilometer langen Route über fünf Kontinente unter anderem quer durch den Himalaya bis hinauf zum höchsten Punkt der Erde, dem Mount Everest, getragen werden. An diesen Plänen hält das IOC nach wie vor fest und hofft dabei auf eine friedliche Lösung des Konflikts. In seinem nordindischen Exil Dharamshala wandte sich der Dalai Lama erneut gegen einen Boykott. "Olympia findet nicht in Lhasa, sondern in Peking statt", sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter: "Es ist unlogisch, Millionen von Chinesen zur Verantwortung zu ziehen." Obwohl die chinesische Regierung "eine Herrschaft des Terrors" über sein Heimatland gebracht habe, dürfe das chinesische Volk weiterhin stolz auf seine Spiele sein.

Peking bleibt auf Konfrontationskurs

In Peking beschuldigte dagegen der chinesische Regierungschef Wen Jiabao den Dalai Lama, Drahtzieher der Unruhen in Lhasa zu sein. "Die Aufständischen dort wollen die Olympischen Spiele sabotieren", sagte Wen und unterstrich erneut die Forderung, den Sport nicht zu politisieren. Rogge erklärte derweil in Port of Spain/Trinidad, dass es bislang von keiner Regierung eine offizielle Boykott-Forderung gegeben habe. Am Dienstag bekundeten Australien und Japan ihre unbedingte Bereitschaft zur Olympia-Teilnahme. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bereits am Wochenende gegen einen Boykott ausgesprochen.

USA wollen teilnehmen

Auch das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) ist ganz klar für eine Teilnahme seiner Athleten an den Spielen. "Es gibt absolut keine Überlegungen, Olympia zu boykottieren", sagte USOC-Sprecher Darryl Seibel: "Es ist in Zeiten wie diesen wichtig, die Werte der olympischen Bewegung zu vertreten. Dafür sind Olympischen Spiele eine einzigartige Gelegenheit, die wir nutzen müssen. "Das letzte Wort hätte im Ernstfall natürlich die US-Regierung, doch bislang habe man aus dem Weißen Haus noch nichts dazu gehört. "Der Präsident hat die Einladung zur Eröffnungsfeier der Spiele angenommen und bisher auch nicht wieder abgesagt", erklärte Seibel. Genau das sollten George W. Bush und die Staats- und Regierungschefs aller Länder nach Ansicht von Europaparlamentspräsident Hans-Gert Pöttering aber tun.

Politiker sollen daheim bleiben

"Man muss den Chinesen signalisieren, dass Politiker, die wie ich ihren Olympia-Besuch bereits zugesagt haben, diese Entscheidung möglicherweise noch einmal überdenken könnten. Man fragt sich schließlich, ob man damit seiner Verantwortung gerecht würde", sagte Pöttering im Deutschlandfunk. Dieser Meinung schloss sich die Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch mit Sitz in New York an. "So gerne Politiker aus allen Ländern ihren Athleten applaudieren, sie sollten nicht durch ihre Anwesenheit in Peking die chinesischen Aggressionen tolerieren", sagte ihr Sprecher Kenneth Roth.

Diskussion in Gang bringen

Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner forderte die Politiker der Europäischen Union auf, über diesen Vorschlag nachzudenken, falls die chinesische Regierung auch weiterhin nicht zu einer gewaltfreien Auseinandersetzung mit Tibet bereit ist. "Was mich persönlich betrifft, so bin ich für diese interessante Idee sehr offen", sagte der Politiker und Mitbegründer der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" am Dienstag in Paris. Kouchner will bei einem Treffen der EU-Außenminister noch in diesem Monat eine Diskussion zu dem Thema anregen. Gleichzeitig versicherte er, dass die französische Regierung keinerlei Pläne habe, die Spiele komplett zu boykottieren: "Das wäre nicht richtig."

Unterschiedliche Aussagen über die Opferzahl

Im Vorfeld der Wahlen in Taiwan, auf das die chinesische Regierung auch fast 60 Jahre nach der Absplitterung im Jahr 1949 noch Ansprüche erhebt, zog dagegen Oppositionsführer Ma Ying-jeou öffentlich einen Boykott der Spiele in Erwägung. Im Falle seiner Wahl werde er die Athleten seines Landes nicht nach Peking schicken, falls China sich nicht zu Gesprächen mit dem Dalai Lama bereiterkläre, sagte Ma. Bei den Aufständen in der vergangenen Woche in der zu China gehörenden autonomen Region Tibet soll es nach Angaben der tibetischen Exil-Regierung in Dharamshala/Indien rund 80 Tote gegeben haben, während die Chinesen davon sprachen, dass Aufständische 13 "unschuldige Zivilisten" ermordet hätten.






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