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IOC: Walther Tröger droht protestierenden Athleten

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Olympia 2008  

Tröger droht protestierenden Athleten mit Heimreise

03.04.2008, 16:18 Uhr | dpa

Walther Tröger (Foto: imago)Walther Tröger (Foto: imago) Das deutsche Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Walther Tröger, droht Sportlern mit dem Ausschluss von den Wettkämpfen, sollten sie bei den Olympischen Spielen in Peking offen gegen Chinas Tibet-Politik protestieren. "Wer in gekennzeichneten Bereichen gegen das Verbot unzulässiger Werbung oder Propaganda verstößt, kann unverzüglich und nach Prüfung des Einzelfalls ausgeschlossen werden", sagte Tröger der "Frankfurter Neuen Presse".

Angst vor Protesten Fackellauf in Neu-Delhi verkürzt

Video Übergabe des Olympischen Feuers an China

Keine nachträgliche Aberkennung von Medaillen

Jeder Sportler kenne die Regeln des IOC und verfüge über andere Möglichkeiten des Protests. "Selbstverständlich steht ihm frei, an den Spielen nicht teilzunehmen, wenn er nicht bereit ist, die Regeln anzuerkennen", ergänzte Tröger, der seit 1989 Mitglied des IOC ist. Nach seiner Ansicht können die Regeln des IOC auf abgeschlossene Wettkämpfe rückwirkend keinen Einfluss haben. "Ergebnisse des Wettkampfs - vor allem Medaillen-Gewinne - können nach Beendigung nur bei Verstößen gegen die technischen Wettkampfregeln annulliert werden", sagte Tröger.

Video Demonstranten stören Olympia-Zeremonie (24.3.)

Olympische Spiele sind "kein Ort für politische Gesten"

Ähnlich äußerte sich Hein Verbruggen, der Chef der Koordinierungskommission für die Sommerspiele, auf einer Pressekonferenz in Peking. Er wandte sich gegen Befürchtungen, dass den Sportlern bei den Spielen ein Maulkorb verpasst werde. Doch auch der Niederländer wies auf die Regeln hin. "Jeder Athlet muss sich an die Olympische Charta halten, aber ansonsten steht es ihm frei zu sagen, was er denkt." Die Wettkämpfe seien "kein Ort für politische Gesten", aber außerhalb der Sportstätten seien die Sportler frei.

Trennung von Sport und Politik

Verbruggen hielt zudem ein leidenschaftliches Plädoyer, dass sich das IOC nicht in die Politik einmischen dürfe. Der Sport würde sonst wieder Opfer von Boykotten werden. Die Aufrufe an Staats- und Regierungschefs, aus Protest gegen China der Eröffnungsfeier fernzubleiben, wies der Funktionär mit dem Hinweis zurück, diese kämen schließlich auf Einladung der Nationalen Olympischen Komitees, nicht des Gastlandes.

Boykotte in Erinnerung gerufen

Zur Lage in Tibet sowie der Verurteilung des bekannten Pekinger Bürgerrechtlers Hu Jia am selben Tag zu dreieinhalb Jahren Haft wollte Verbruggen nicht Stellung beziehen. "Das IOC sollte nicht in Politik verwickelt werden oder sich über Politik äußern." Das oberste Sportgremium sei keine politische Organisation. "Ansonsten würden wir unsere Spiele Boykotten aussetzen. Man wird immer jemanden unglücklich machen." Verbruggen erinnerte an die Boykotte 1980 in Moskau nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan und vier Jahre später die Retourkutsche in Los Angeles.

Auch andere Gastgeber nie kritisiert

Das IOC arbeite zwar mit Politikern, um Spiele zu organisieren, zu finanzieren oder deren Sicherheit zu gewährleisten. "Da sind Sport und Politik zusammen." Doch sei das etwas völlig anderes, als sich in Politik einzumischen, betonte Verbruggen. "Es muss eine dicke rote Linie zwischen den beiden gezogen werden." Das IOC habe vor den Spielen 2000 in Sydney schließlich auch nicht die australische Regierung aufgefordert, Probleme mit ihren Ureinwohnern zu lösen. Auch könne das IOC bei Bewerberstädten wie Madrid nicht sofort die Baskenfrage ansprechen oder bei Chicago auf den Krieg der USA im Irak und die Häftlinge in Guantanamo zu sprechen kommen.

Gastgeber verteidigen Vorgehen in Tibet

Anders als Verbruggen hielt sich sein chinesischer Konterpart Wang Wei bei der Pressekonferenz in einem Pekinger Hotel aber keineswegs aus der Politik heraus. Der Vizepräsident des Pekinger Organisationskomitees (BOCOG) verteidigte das Urteil gegen den Dissidenten, dem wegen kritischer Artikel und Interviews mit ausländischen Medien "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" vorgeworfen worden war, als rechtmäßig. Außerdem warf Wang Wei dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, vor, die Unruhen in Tibet von langer Hand geplant zu haben. "Manche Leute wollen die Spiele für ihre eigenen politischen Zwecke benutzen."

Reiseverbot verteidigt

Das Reiseverbot für Journalisten nach Tibet sowie die angrenzenden Provinzen Sichuan, Qinghai und Gansu, wo Unruhen ausgebrochen waren, verteidigte Wang Wei mit Sicherheitsgründen. Es sei zwar wieder ruhig, "aber ein paar Probleme dauern an". Verbruggen nahm die chinesische Seite in Schutz gegen Vorwürfe, dass Peking damit gegen sein Versprechen von Bewegungsfreiheit für ausländische Journalisten verstoßen habe. Unter bestimmten Bedingungen könnten solche Beschränkungen eben vorgehen. "Das ist nur normal."

Freies Internet nur für akkreditierte Journalisten

Auf die Forderung des IOC nach einer Aufhebung der Blockaden des Internets in China gaben die Olympia-Organisatoren die Zusage, dass die mehr als 5000 akkreditierten Journalisten bei ihrer Arbeit freien Zugang hätten, berichtete IOC-Vizepräsident Kevin Gosper. Nach seinem Verständnis betrifft das den Internet-Zugang im olympischen Pressezentrum und in den Hotels oder Unterkünften, aber nicht die anderen anreisenden Journalisten. Insgesamt werden 20.000 Medienvertreter in Chinas Hauptstadt erwartet.

Der Weg des Olympischen Feuers mit den wichtigsten Stationen:
24. März: Entzündung der Flamme im antiken Olympia
25. bis 29 März: Tournee durch Griechenland nach Athen
30. März: Zeremonie im Athener Olympiastadion von 1896
31. März: Zeremonie in Peking 2. April: Almaty/Kasachstan
3. April: Istanbul
5. April: St. Petersburg
6. April: London
7. April: Paris
9. April: San Francisco
11. April: Buenos Aires
13. April: Daressalaam/Tansania
14. April: Mascat/Oman
16. April: Islamabad
17. April: Mumbai/Indien
19. April: Bangkok
21. April: Kuala Lumpur
22. April: Jakarta
24. April: Canberra
26. April: Nagano/Japan
27. April: Seoul
28. April: Pyeongchang
29. April: Ho-Chi-Minh-Stadt
2. Mai: Hongkong
3. Mai: Macau
4. Mai bis 7. August: Tournee durch China (Tibet: 19. bis 21.Juni)
8. August: Ankunft in Peking
Der Weg der olympischen Fackel (Grafik: dpa)Der Weg der olympischen Fackel (Grafik: dpa)

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