Startseite
Sie sind hier: Home > Sport >

"Die haben auf unseren Straßen nichts zu suchen"

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Olympische Spiele 2008 - Chinas ominöse Fackelwächter  

"Die haben auf unseren Straßen nichts zu suchen"

09.04.2008, 11:56 Uhr | Spiegel Online

Von Alexander Schwabe

Mit den Herren in den blau-weißen Trainingsanzügen ist nicht zu spaßen (Quelle: imago)Mit den Herren in den blau-weißen Trainingsanzügen ist nicht zu spaßen (Quelle: imago) Die Empörung ist riesig, viele Fragen ungeklärt. Wer sind die chinesischen Männer in den blau-weißen Trainingsanzügen, mit den weißen Baseballmützen, manche mit Sonnenbrillen, alle mit schwarzem Hüftbeutel?

Sie löschen und entzünden

Die Männer, die während des olympischen Fackellaufs den engsten Kreis um das Feuer bilden. Die wie Bodyguards neben dem Schutzobjekt herjoggen, dieses löschen und entzünden, wenn sie es für geboten halten. Die handgreiflich werden, wenn zum Beispiel Tibet-Protestierer der Flamme zu nahe kommen. Die bei Gefahr dem Fackelläufer die sogenannte Olympische Laterne abnehmen. Die sie in einen Polizeibus bringen, um sie vor Demonstranten zu schützen.

Foto-Serie Protestbanner auf der Golden Gate Bridge
Foto-Serie Massiver Protest in Paris
Fackellauf IOC lässt weitermachen
Olympia Stabhochspringer Bubka "geschockt"

"Wer hat diese Leute geprüft?"

Bei dem olympischen Fackellauf durch London und Paris fielen die chinesischen Sicherheitskräfte der Weltöffentlichkeit auf - und provozierten mit ihrem harschen Vorgehen Protest. Damian Hockney von der Londoner Stadtpolizei wird in der konservativen Zeitung "Daily Mirror" zitiert: "Solche Leute haben auf unseren Straßen nichts zu suchen. Wenn die Sicherheit eines solchen Umzugs nicht von britischen Kräften garantiert werden kann, sollte er besser gar nicht stattfinden. Wer hat diese Leute geprüft?" Sein Kollege Jenny Jones: "Ich würde gerne wissen, welchen Status sie haben und wie weit sie gehen würden. Sie sahen fies aus. Es war merkwürdig."

"Sie wirkten wie Roboter"

Die in Großbritannien bekannte TV-Prominente Konnie Huq, die selbst als Fackelläuferin in den Straßen Londons unterwegs war, beschrieb die chinesischen Fackelwächter auf Nachfrage der BBC so: "Die Männer in blau machten jeden verdutzt. Niemand schien zu wissen, wer sie waren. Sie wirkten wie Roboter, und ich beobachtete, wie es zwischen ihnen, unserer Polizei und Olympia-Funktionären zu Geplänkeln kam."

"Sie gaben schneidende Befehle"

Laut Huq führten die Fackelwächter das Kommando: "Sie gaben schneidende Befehle wie 'Rennen!', 'Anhalten!', und ich fragte mich nur: Wer sind diese Leute? Ständig drückten sie meinen Arm nach oben, mit dem ich die Fackel hielt." Der zweimalige Olympiasieger Sebastian Coe, der das Organisationskomitee für die Spiele 2012 in London leitet, bezeichnete die Männer britischen Medienberichten zufolge als "Schläger".

Nicht von London angeheuert

Offenbar gab es eine klare Aufgabenteilung. Der Mirror zitiert einen Sprecher von Scotland Yard: "Unsere Verantwortung lag darin, dem Fackelträger eine sichere Passage zu gewährleisten. Ihre Verantwortung war es, dass die Flamme nicht ausging." Die chinesischen Guards seien nicht von der Londoner Polizei angeheuert worden.

"Sie sind blutig und brutal"

Die Feuerschützer sollen laut "Mirror" zu einer Elitetruppe des chinesischen Militärs gehören. Einige sollen aus Einheiten der gefürchteten "Fliegenden Drachen" rekrutiert worden sein, andere vom "Schwert Südchinas", einer Anti-Terror-Einheit, bei der es so brutal zugehen soll, dass einige Rekruten während der Ausbildung umkommen. Die Zeitung zitiert einen "europäischen Militär" mit folgenden Worten zu den Ausbildungsstandards der Spezialeinheit: "Viele Rekruten sterben innerhalb weniger Wochen. Sie ist blutig und brutal."

China beschreibt sie mit Weichzeichner

In chinesischen Zeitungen werden die Fackelbewacher nicht ganz so martialisch beschrieben. Sie seien "Angestellte des Pekinger Organisationskomitees", das im August 2007 eine "Fackel-Schutztruppe" gegründet hat. Die Einheit soll das Feuer 24 Stunden am Tag auf ihrer 137.000 Kilometer langen und 130 Tage dauernden Reise um den Globus bewachen.

Olympischer Fackellauf Die nächsten Stationen
Hintergrund Wenn die olympische Fackel erlischt
Olympisches Feuer Fackellauf in Paris abgebrochen

Militärpolizisten wie in Tibet

Doch auch nach Angaben chinesischer Medien sind die Mitglieder der Truppe Militärpolizisten, die in China für die Bekämpfung von Unruhen und die innere Stabilität zuständig sind. Zehntausende der "Wujing", wie die Polizisten auf Chinesisch heißen, sind unlängst in Tibet und in den angrenzenden Regionen gegen Demonstranten vorgegangen.

Fit wie die Sportler - und mindestens 1,90 Meter groß

"Die Männer, die aus dem ganzen Land kommen, sind alle groß, besonders begabt und kräftig", sagt ihr Chef Zhao Si. Der kleinste der Polizisten misst nach einem Medienbericht 1,90 Meter. Zhao: "Ihre herausragenden körperlichen Fähigkeiten unterscheiden sie nicht im Geringsten von Spitzensportlern." Die Truppe besteht aus zwei Staffeln: Eine 30 Mann starke Mannschaft beschützt die Fackel im Ausland, etwa 40 andere tun das in China.

Sie sprechen die wichtigsten Weltsprachen

Einige der Polizisten müssten bis zu 50 Kilometer am Tag rennen, heißt es. Zum Training gehörten Bergläufe von mindestens zehn Kilometern Länge. Außerdem würden die Männer in nationalen Gebräuchen unterwiesen und könnten unter anderem Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch und Deutsch sprechen.

Olympisches Feuer Handgemenge in London
Animierte Grafik Chronologie der Besetzung Tibets

In Australien gab es Streit um Griechen

Schon vor vier Jahren gab es Auseinandersetzungen wegen der Sicherheitskräfte beim olympischen Fackellauf. Als die Flamme im Vorfeld der Spiele von Athen durch die Olympia-Städte Sydney und Melbourne getragen wurde, stritten sich die australischen Behörden mit den Organisatoren der Olympischen Spiele darüber, dass die Fackel von Griechen gesichert wurde - Australien jedoch Ausländern die Arbeit als Sicherheitskräfte im Land verbietet.

Fackelwächter dürfen nicht nach Australien

Australiens Premierminister Kevin Rudd kündigte jetzt an, die chinesischen Sicherheitsleute kämen ihm nicht ins Land. Rudd hält seine Beamten für "mehr als in der Lage", die Fackel zu schützen. Es gebe keinen Grund, dass China seine eigene Sicherheitsmannschaft am 24. April in Canberra im Einsatz habe.

IOC ist nicht involviert

Beim Deutschen Olympischen Sportbund weiß man nichts über den Hintergrund der chinesischen Fackelschützer. Eine Zuständigkeit des Internationalen Olympischen Komitees für Sicherheitsfragen während des Fackellaufs sei nicht gegeben: "Den Fackellauf organisiert der Veranstalter", sagt ein Sprecher in der Frankfurter Zentrale. Alles zwischen dem Entzünden der Flamme in Olympia und dem Anzünden der Flamme im Olympiastadion in Peking sei Problem des Ausrichters, des Pekinger Organisationskomitees (BOKOK).

Der Weg der olympischen Fackel (Grafik: dpa)Der Weg der olympischen Fackel (Grafik: dpa)

Forderung Von Richthofen will klare Worte vom IOC
Konfrontation Danckert kritisiert DOSB-Chef Bach

Entschluss DOSB gegen Olympia-Boykott
Proteste Tröger warnt Olympia-Starter vor Konsequenzen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Historischer Panzer fährt nach 70 Jahren wieder

Mit großer Not startet der 520-PS-starke Motor zu neuem Leben. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Multimedia-Sale: Technik- artikel stark reduziert

Jetzt zuschlagen: Fernseher, Notebooks, Beamer, Navis u. v. m. zu Toppreisen. bei OTTO

Shopping
Voll im Trend und garantiert keine kalten Füße mehr

Kuschelige weich und warm gefüttert, Boots für gemütliche Tage zuhause. bei BAUR

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal