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München schwankt nach Olympia-Pleite zwischen Trauer und Trotz

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Olympia 2018 - Abstimmung  

München muss sich erst mal sammeln

08.07.2011, 15:26 Uhr | dpa, sid

München schwankt nach Olympia-Pleite zwischen Trauer und Trotz. Kehraus in München nach der olympischen Niederlage von Durban. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Kehraus in München nach der olympischen Niederlage von Durban. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Seit der Ausbootung im Rennen um die Ausrichtung der olympischen Winterspiele 2018 schwankt der deutsche Kandidat München zwischen Trauern und Trotz, zwischen Nachkarten und Neuauflage. Franz Beckenbauer, Gallionsfigur der bayerischen Landeshauptstadt, blitzte mit seinen "Verrats"-Vorwürfen bei den europäischen IOC-Mitgliedern ab. Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) berät am 13. Juli die Folgen der Olympia-Entscheidung.

Fest steht: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Spiele in sieben Jahren nach Pyeongchang in Südkorea vergeben. Offen ist, ob das DOSB eine erneute Kandidatur von München für die olympischen Winterspiele für 2022 befürworten wird. Die Geschichte jedenfalls wäre dann auf Seiten der Bayern: Genau 50 Jahre zuvor, 1972, war München ein glänzender Gastgeber der olympischen Sommerspiele.

Eine Mehrheit möchte einen neuen Anlauf

Viele deutsche Winter- und Sommersportverbände plädieren trotz der Abfuhr von Durban für eine erneute Olympia-Bewerbung. "Deutschland sollte sich wieder bewerben", sagte Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes. Im zweiten Anlauf sieht er beste Erfolgschancen: "Aus meiner Sicht führt dann beim IOC kein Weg an München vorbei." Pyeongchang benötigte immerhin drei Anläufe und musste Niederlagen gegen Turin und Vancouver wegstecken, um letzten Endes zu triumphieren.

"Man muss das sorgfältig analysieren. Deutschland sollte in Ruhe abwägen, ob nicht eine Bewerbung für Sommerspiele Sinn macht", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Deshalb erlaube ich mir, Berlin ins Gespräch zu bringen." Die Fußball-WM 2006 und die Leichtathletik-WM 2009 in Berlin wären "schwergewichtige Argumente". Berlin war mit der Olympia-Bewerbung für 2000 ebenso wie zuvor Berchtesgaden (1992) und danach Leipzig (2012) gescheitert.

Josef Fendt, Präsident des internationalen Rodel-Verbandes, setzt sich trotz der vier vergeblichen Versuche für eine zweite Kandidatur Münchens beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ein: "Ich sage: Jetzt erst recht. Wir sollten es 2022 wieder versuchen." Die Bewerbung sei stark gewesen. "Wenn es nach den Kriterien gehen würde, die wir uns wünschen, hätten wir gewinnen müssen."

Für Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), ist die Niederlage von Durban kein Scheitern Münchens gewesen. "Die Bewerbung und das gesamte Konzept waren und sind olympiawürdig", meinte er. "Um den höchsten Gipfel zu erklimmen, muss man manchmal auch einen etwas steinigeren Umweg gehen." Sein Generalsekretär Thomas Pfüller wünscht sich, dass sich die Vertreter aus Politik, Industrie und Wirtschaft, die sich während der Bewerbungsphase für München engagiert haben, "nicht enttäuscht" zurückziehen. Präsident Werner von Moltke vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) sprach sich auch für einen neuen Anlauf Münchens aus. "Man sollte es auf jeden Fall ein zweites Mal probieren", sagte der DVV-Chef.

Nichts überstürzen will der Vorsitzende des Deutschen Sportjugend und Präsident des Deutschen Basketball-Verbandes, Ingo Weiss, bei der Entscheidung über eine neue Bewerbung. "Jetzt eine schnelle und spontane Entscheidung zu treffen, wäre total falsch. Wir müssen zuerst ganz in Ruhe analysieren", sagte das Mitglied des DOSB-Präsidiums. Bei der Wahl haben nach seiner Ansicht nicht nur objektive Kriterien eine Rolle gespielt. "Die Entscheidung war auch ein bisschen Mitleid beim dritten Antritt von Pyeongchang."

Für Michael Ilgner, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Deutsche Sporthilfe, sollte München eine neue Chance bekommen: "Dieses großartige Konzept, verbunden mit der Idee, exakt 50 Jahre nach den Sommerspielen von München zurück in das Herz des Wintersports zu gehen, hätte es sicherlich verdient." Offenbar gehe es beim IOC nicht nur um die Beurteilung der Konzeption, sondern ebenso um die Erschließung neuer Märkte und das Zeichen, dass Ausdauer und langfristiges Engagement für das IOC belohnt werden. "Ich denke, mit etwas Abstand kann man das sogar nachvollziehen", meinte Ilgner.

Ursachenforschung zur geringen Resonanz von Münchens Kandidatur beim IOC hat dessen deutscher Vizepräsident Thomas Bach betrieben. "Nach den Gesprächen mit meinen Kollegen ist klar, dass es eine Grundsatzentscheidung war", befand der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Die einzige Erklärung, die ich im Moment habe, ist, dass die Entscheidung für Pyeongchang schon vor längerer Zeit festgeklopft war."

Ude versteht Kriterien des IOC nicht

So sieht es auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Mit seiner Kritik am Auswahl-Prozedere hieb er in die gleiche Kerbe wie Beckenbauer. "Die Wünsche der Athleten und die Umwelt haben keine Rolle gespielt", sagte das SPD-Stadtoberhaupt in einem Interview von "Zeit online". "Zweifel an der Wahl und den Kriterien des IOC sind zudem angebracht", erklärte Ude weiter.

Europäischer Verrat?

Beckenbauer hatte das schwache Ergebnis von nur 25 der 95 Stimmen für seine Heimatstadt München kritisiert. "Es ist eine Riesen-Sauerei, dass Europäer anderen Europäern nicht helfen", sagte der 65-Jährige der "Bild"-Zeitung. Der Kaiser witterte Verrat. Ude erklärte das Offensichtliche. "Pyeongchang bietet neue Märkte, das war entscheidend" - und sei gleichzeitig "ernüchternd. Wir sind sehr enttäuscht über die deutliche Niederlage, wir empfinden sie als abweisendes Ergebnis."

Der Kaiser bekommt Kontra

Im "Münchner Merkur" sprach Ude von einer "verheerenden Niederlage". München würde "mit allen seinen Angeboten in puncto kultureller Reichtum, historisches Erbe oder Nachhaltigkeit nicht vom IOC gewürdigt", betonte der Oberbürgermeister. Beckenbauer hatte diese fehlende Würdigung vor allen Dingen im europäischen Teil der IOC-Familie ausgemacht. Darauf reagierte Russlands früherer Schwimmstar Alexander Popow: "Franz Beckenbauer sollte nicht vergessen, welche Veranstaltungsorte sein Weltverband FIFA wählt - ich sage nur Katar. Außerdem ist das IOC ein demokratisches Gremium, jeder kann frei entscheiden und ist nicht an einen Zwang gebunden."

Europa war nicht an der Reihe

Nicht nachvollziehen konnte auch der frühere Sportminister der Ukraine, Waleri Borsow, Beckenbauers Kritik. "München war schon deswegen schwierig, weil 2014 mit Sotschi die Stadt eines europäischen Landes bereits Winterspiele hat. Da war eine andere Region an der Reihe, zumal Pyeongchang schon nach zwei gescheiterten Anläufen eine sehr gute Bewerbung präsentierte", sagte der Sprintkönig von München 1972.

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