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Olympia: Twitter-Gewitter über London

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Twitter-Gewitter zwischen Belanglosigkeit und Abseits

06.08.2012, 16:58 Uhr | t-online.de, sid

Charlene von Monaco hat keinen offiziellen Twitter-Account. Zumindest ist keiner bekannt. Ist sie vielleicht "The empty seat"? (Quelle: imago)

Charlene von Monaco hat keinen offiziellen Twitter-Account. Zumindest ist keiner bekannt. Ist sie vielleicht "The empty seat"? (Quelle: imago)

Der Kurznachrichtendienst Twitter läuft während der Spiele heiß. Zwar gibt es eher Masse statt Klasse, aber wenn etwas Originelles kommt, dann schlägt es gerne ein wie eine Bombe. Im Positiven wie im Negativen. Denn so mancher Absender hat wegen seiner Kommentare schon ernste Schwierigkeiten bekommen.

Usain Bolts Fabel-Zeit über 100 Meter war der Sport-Prominenz eine sekundenschnelle Zwitscher-Reaktion wert. "Bolt!!!!!!!" schrieb Serena Williams, "9,63s getippt auf Bolt - Bolt gewinnt mit 9,63s!", stellte Schwimmer Steffen Deibler fest. Egal, welche Entscheidung in London ansteht, schnell sind Kommentare auf dem Sender, egal, wie (un)kreativ sie sind. Allerdings werden längst nicht mehr nur die sportlichen Highlights kommentiert, Hinweise über das Schlaf- und Essverhalten gehören leider auch dazu. Wer das wissen will, fragt sich da auch ein Michael Phelps offenbar längst nicht mehr. Es ist ganz offenbar zu verführerisch, mit wenig Aufwand viele Leute zu erreichen. Deshalb wird schnell zum Smartphone gegriffen und die nächste Nebensächlichkeit verbreitet. Selbstregulierung gelingt halt nicht jedem.

Olympia 2012
Die deutschen Olympia-Athleten bei Twitter
Die deutschen Athleten sind fleißig am twittern. (Montage: t-online.de)

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Funktionäre und Kritiker bekommen ihr Fett weg

Spannend und unterhaltend wird es erst, wenn es auch ernsthaft zur Sache geht. Zum Beispiel, wenn Dampf abgelassen wird. "Es ist teilweise echt lächerlich, wie die Coach-Potatoes sich das Maul über fehlende Medaillen zerreißen! Selber machen!", schrieb etwa Hürdensprinterin Carolin Nytra. Vermutlich, das nur am Rande, meinte sie "Couch-Potatoes".

"Selbst Männer im Gefängnis dürfen ihre Frauen sehen", beschwerte sich der ehemalige Sprint-Weltmeister Kim Collins, den nächtliche Ausflüge zur Gattin den Olympia-Start in London gekostet hatten. Die Verantwortlichen für den Ausschluss des Fahnenträgers von St. Kitts und Nevis bekamen ordentlich ihr Fett weg: "Hoffentlich gibt es ein Rennen der Funktionäre."

"Meine Mutter wollte, dass ich ein IKEA-Stuhl werde"

Sportler twittern, Politiker twittern, und Scherzkekse twittern. So machte sich ein User unter dem Namen "The empty seat" (der leere Sitz) mit trockenem Humor tagelang über die Lücken auf den Tribünen lustig. Aus der Sicht eines Stuhls, wohlgemerkt. "Meine Mutter wollte immer, dass ich eine solide Laufbahn einschlage und ein IKEA-Stuhl werde. Aber ich fühlte mich ja für höhere Dinge bestimmt", hieß es dort. Oder: "Ich fühle mich so leer und einsam."

Ins Abseits mit rassistischen Tweets

Twitter sorgt für beste Unterhaltung, doch der Dienst birgt auch Gefahren. Über Einträge auf der Social-Media-Plattform kann man nämlich ganz schnell stolpern. Wer zwitschert, der fliegt. So lautet die Regel, wenn die Netikette verletzt wird. Das bekamen Dreispringerin Paraskevi Papachristou aus Griechenland und der Schweizer Fußballer Michel Morganella zu spüren. Papachristou hatte rassistische Beleidigungen verbreitet ("Bei so vielen Afrikanern in Griechenland bekommen zumindest die Mücken vom West-Nil Essen von zu Hause") und war nach Hause geschickt worden.

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Auf ähnlichem Niveau bewegte sich Morganella. "Ich könnte alle Südkoreaner verprügeln. Geht euch alle abfackeln, ihr Bande von Mongos!", schrieb der Profi von US Palermo nach der Niederlage gegen die Asiaten. Morganella war nicht der erste Sportler, der sich ins Abseits geschrieben hat. Und er wird auch nicht der letzte sein. Solche Aussetzer sind selten, auch weil inzwischen (fast) jeder weiß, wie hart die Konsequenzen sind. Die große Mehrzahl der Posts ist harmlos, es sind knappe Infos, kurz und kurzerhand in die Welt gesetzt. Viel zu oft allerdings viel zu uninteressant.

Quelle: t-online.de, sid

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