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Drei Städte streiten um Olympia 2020

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Entscheidung beim IOC-Kongress  

Drei Städte streiten um Olympia 2020

04.09.2013, 18:33 Uhr | dpa

Drei Städte streiten um Olympia 2020. Tokio will auch seine Bevölkerung von den Olympia-Träumen überzeugen.

Tokio will auch seine Bevölkerung von den Olympia-Träumen überzeugen.

Am 7. September wird in Madrid, Istanbul oder Tokio unbeschreiblicher Jubel ausbrechen. Dann entscheidet das Internationale Olympische Komitee im fernen Buenos Aires in Argentinien darüber, welche der drei Weltmetropolen den Zuschlag für das prestigeträchtige Olympia 2020 erhält - die größte Sportveranstaltung der Welt. Noch hat sich kein klarer Favorit herauskristallisiert, allen Bewerbern werden gute Chancen eingeräumt, Nachfolger des brasilianischen Rio de Janeiro zu werden.

Dabei könnten die Ansätze, Hoffnungen und auch Probleme der drei Städte unterschiedlicher kaum sein. Die krisengeplagte spanische Hauptstadt Madrid wirbt offensiv mit Olympia auf Sparflamme, um die Kosten im Griff zu halten. Istanbul träumt von den Spielen als Katalysator einer noch schnelleren Modernisierung, obwohl der Weg in die Neuzeit jüngst vorm erwachenden politischem Protest gesäumt war. Und die Megametropole Tokio lässt seine finanziellen und technologischen Muskeln spielen und hofft, die Fukushima-Katastrophe des Landes aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängen zu können.

Madrid: Gegenmodell zum Gigantismus

Auf einer Brachfläche am südöstlichen Stadtrand von Madrid steht einsam eine Haupttribüne, auch eine U-Bahn-Station mit dem Namen "Estadio Olimpico" gibt es schon. Noch ist es eine Riesenbaustelle. Bei einem Wahl-Erfolg soll das Olympiastadion zum Wahrzeichen der Spiele 2020 werden. Es ist eine der ganz wenigen Wettkampfstätten, die für die Spiele noch fertiggebaut werden müssten. Vielmehr werben die Madrilenen damit, dass ihre Stadt für Olympia gerüstet sei und 80 Prozent der benötigten Stadien, Hallen und Infrastrukturen bereits stünden.

Spanien steckt in der Wirtschaftskrise, der Staat muss sparen. Die Hauptstadt musste daher kräftige Abstriche machen und sich zu einer Kandidatur der anderen Art ohne Mega-Investitionen durchringen. "Madrid 2020 weist eines der sparsamsten Budgets der Olympia-Geschichte auf", sagt Bürgermeisterin Ana Botella. Die Kandidatur soll ein Gegenmodell zum olympischen Gigantismus sein - und könnte damit den Geschmack des IOC treffen. Die Stadt hat einen Wandel bereits hinter sich: In den vergangenen Jahren wurde - auch ohne Olympia - eine Stadtautobahn unter die Erde verlegt; an den Ufern des Manzanares entstanden kilometerlange Parks für Spaziergänger und Radfahrer; der Flughafen wurde kräftig ausgebaut.

Madrid verspricht kompakte Spiele mit kurzen Wegen und lockt mit attraktiven Schauplätzen wie dem Bernabeu-Stadion oder der Stierkampfarena, die für den Basketball vorgesehen ist. Ein großer Teil der Wettkampfstätten liegt in einem Umkreis von weniger als 15 Kilometern vom Olympischen Dorf entfernt. Die Fußballspiele sollen in Barcelona, Córdoba, Málaga, Saragossa und Valladolid ausgetragen werden, die Segelwettkämpfe vor Valencia.

Istanbul: riesiges Modernisierungsprojekt

Istanbul wirbt damit, Brücken schlagen zu wollen zwischen Ost und West, zwischen Religionen und Kulturen. Zudem wirft die wirtschaftlich erfolgreiche Regierung ihr Macher-Image in die Waagschale. Die Infrastruktur - U-Bahnen, ein neuer Flughafen, moderne Sportstätten, Hotels und Wohnkomplexe - stehen sowieso auf dem Entwicklungsplan für die rasant moderner werdende Metropole Istanbul. Der staatliche Bau-Riese Toki soll Istanbul mit einem Etat von gut 15 Milliarden Euro ins neue Jahrtausend führen.

Die Zustimmung der Bevölkerung für Olympia ist ziemlich hoch, allerdings haben kürzlich die wütenden Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gezeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann. Der türkische EU-Minister Egeman Bagis zeigt schon mit dem Finger auf die Demonstranten. "Wenn Istanbul verliert, ist es wegen denen", sagt er.

Auch von einigen Doping-Skandalen der jüngeren Vergangenheit wollen sich die Planer nicht beeindrucken lassen. Diese würden Istanbul nicht schaden, sagt der türkische Sportminister Suat Kilic. Die Fälle würden vielmehr zeigen, dass Doping in der Türkei nicht mehr unter den Teppich gekehrt werde. Sein Land befolge alle Regeln und nehme immer wieder unangekündigt Proben. "Wir haben null Toleranz für Doping ausgerufen. Ein Land, dass so scharf gegen Doping vorgeht, sollte nicht bestraft werden", sagt er.

Tokio: Infrastruktur und finanzielle Stärke

In der Atomruine Fukushima sickern Hunderttausende Liter hochverstrahlten Wassers aus undichten Kühlwassertanks, in Wasserpfützen auf dem AKW-Gelände werden teils tödliche Strahlenwerte gemessen, doch für den Chef des Japanischen Olympischen Komitees ist das alles kein Problem. In der Hauptstadt Tokio sei das Leben absolut normal, versichert Tsunekazu Takeda seinen Kollegen beim IOC in einem Brief. Die Luft und das Wasser in Tokio würden täglich überprüft und es gebe keinen Grund zur Sorge. Tokio sei von dem, was sich im 250 Kilometer nördlich gelegenen Fukushima abspiele, in keinster Weise betroffen. Aber natürlich macht sich Tokio Sorgen, die fernen Probleme könnten auf die Bewerbung abstrahlen.

Dabei hatte die Millionenstadt nach der vorherigen erfolglosen Bemühung seine erneute Bewerbung auch damit begründet, dass die Spiele der Nation nach den Schrecken der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe 2011 Kraft und Motivation verleihen würden. Tokios Gouverneur Naoki Inose wird denn auch nicht müde zu betonen, dass die Radioaktivität in der 35 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt die gleiche sei wie in London, Paris oder New York.

Die japanische Hauptstadt wirbt mit hervorragender Infrastruktur und finanzieller Stärke. Tokio sei weltweit die Stadt mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt, betonte Takeda. Zudem habe Tokio für die Olympischen Spiele drei Milliarden Euro auf der Bank liegen und die volle finanzielle Rückendeckung des Staats. Zwar hat Japan die höchste Staatsverschuldung unter allen Industriestaaten. Doch anders als andere Länder ist der Staat zum größten Teil bei seinen eigenen Bürgern verschuldet.

Ein weiterer Trumpf Tokios ist, dass ein Großteil der Wettkampfstätten innerhalb eines Umkreises von nur acht Kilometern um das Olympische Dorf liegt. Dazu zählt das Olympia-Stadion, Zentrum der Spiele von 1964. Das Stadion wird bereits vorher mit Milliardenaufwand modernisiert, weil es 2019 schon für die Rugby-WM genutzt werden soll. Der andere Teil der Spiele soll auf den künstlichen Inseln in der Bucht von Tokio eine Heimat finden.

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