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Olympia 2016: Zeitverzögerungen, Korruption und leere Kassen

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100 Tage vor Olympia  

Zeitverzögerungen, Korruption und leere Kassen

27.04.2016, 09:52 Uhr | sid

Olympia 2016: Zeitverzögerungen, Korruption und leere Kassen . Baustelle nah des Hockey-Stadions in Rio (Quelle: imago/Schreyer)

Baustelle nah des Hockey-Stadions in Rio (Quelle: Schreyer/imago)

Das Drama um Feuer und Wasser am vergangenen Donnerstag hatte für Rio de Janeiro etwas Symbolisches. Das Entzünden des Olympischen Feuers im 10.000 Kilometer entfernten Griechenland sollte Fans in Brasilien und der ganzen Welt für die Sommerspiele am Zuckerhut erwärmen.

Stattdessen erschütterte fast zeitgleich die durch Meeresbrandung verursachte Katastrophe am Küsten-Radweg in Rio mit zwei Todesopfern das Vertrauen in die Gastgeber nachhaltig.

Vom heutigen 100-Tage-Countdown bis zur Eröffnungsfeier am 5. August muss Rio gegen Zweifel und Argwohn kämpfen.

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Prestigeobjekte bereiten Sorge

Wettkampfarenen und weitere Prestigeobjekte der Olympiastadt leiden unter Verzögerungen und Zeitdruck, offenbar verbunden mit Sicherheitsrisiken.

Allen voran die U-Bahn-Linie 4, von der heute noch niemand weiß, ob sie tatsächlich pünktlich zu den Spielen die touristische Südzone Ipanema mit dem weiter auswärts gelegenen Olympia-Herz Barra da Tijuca verbinden wird. Aber es gibt ja noch den berühmten "jeitinho brasileiro", den listigen Ausweg aus verklemmten Lagen.

Angedacht ist, dass in einer "Soft Opening"-Phase die eigentlich für täglich 300.000 Passagiere vorgesehene Metro als reiner Olympia-Transporter fungiert. Zum Testen bleibt keine Zeit. Plan B mit Schnellbus-Linien würde das Problem auf die schon jetzt verstopften Straßen verschieben.

Immerhin verkündete die Koordinierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bei ihrem letzten Besuch vor wenigen Tagen: "98 Prozent der Arenen sind fertiggestellt." Größte Sorgenkinder seien das Velódromo, wo jetzt die Holzradbahn verlegt wird, und das Estádio Olímpico, das gerade seine Kunststofflaufbahn erhielt und von außen ohne entsprechenden Anstrich zudem olympia-unwürdig wirkt.

"Erwärme, Rio"

Unter dem Motto "Aquece Rio" (Erwärme, Rio) waren 44 Testevents geplant. Einzig die Generalprobe der Bahnradfahrer wurde abgesagt. Andere Checks auf Olympia-Tauglichkeit offenbarten aber ernste Problemfelder. Die Energieversorgung ist eines davon. So klagten in diesem Monat die Kunstturner über Stromausfall, die Schwimmer ohne eingesparte Klimaanlage über eine überhitzte Halle und natürlich weiterhin Segler und Ruderer über die üble Wasserqualität mit Krankheitskeimen in der Guanabara-Bucht und der Stadt-Lagune.

Nicht mehr kaschieren lässt sich die explosive Lage in Brasilien angesichts eines Mega-Korruptionsskandals, in den auch an Olympiabauten beteiligte Baukonzerne verwickelt sind, eines politischen Vakuums mit dem laufenden Amtsenthebungsverfahren gegen Staatspräsidentin Dilma Rousseff, einer tiefen wirtschaftlichen Rezession mit steigender Arbeitslosigkeit.

Die öffentlichen Kassen sind leer, Kredite für private Unternehmer teuer. Und so ist Geld für auftauchende Komplikationen auf der Zielgeraden zu den ersten Olympischen Spielen auf dem südamerikanischen Kontinent schwer aufzutreiben.

Die Veranstalter versprachen nachhaltige und kostenbewusste Spiele. Viele Arenen sind temporär aufgebaut oder als eine Art Baukastensystem, das anschließend in verkleinerter Version woanders Verwendung findet. Der Rotstift kreist weiter. Auch für die Sportler, auf die in der Vila Olímpica schlicht eingerichtete Zimmer ohne Fernseher warten.

Bei allen Hiobsbotschaften inklusive potenzieller gesundheitlicher Gefährdung von Athleten und Olympiagästen durch Zika-Virus und Schweinegrippe und in depressivem Klima inmitten der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krise zeigen die Brasilianer Olympia die kalte Schulter. "Die Spiele sind noch nicht im Bewusstsein der Menschen", sagt Sportminister Ricardo Leyser.

Noch viele Eintrittskarten verfügbar

So sind erst 62 Prozent und damit 3,5 Millionen der bislang verfügbaren 5,7 Millionen Eintrittskarten abgesetzt. Die Olympiamacher hoffen auf stärkere Nachfrage, wenn ab dem 3. Mai die Fackel auf der landesweiten Stafette über 20.000 Kilometer durch mehr als 300 Städte getragen wird. Und sie beten, dass es zu keinen Protesten kommt.

Bleibt zu hoffen, dass Rio dennoch mit Samba-Stimmung für einzigartige Spiele sorgt. Auch angeheizt von Medaillen für brasilianische Sportler, die aber nach der gerade verpassten Qualifikation von "Goldjunge" Cesar Cielo, Schwimm-Olympiasieger in Peking, auch nicht krisenimmun scheinen. Ohne Zweifel: In den letzten 100 Tagen liegt ein schwerer Weg vor Rio.

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