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Olympia  

CAS schiebt Überstunden in Rio

03.08.2016, 22:23 Uhr | dpa

Olympia: CAS schiebt Überstunden in Rio. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat auch in Rio viel zu tun.

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat auch in Rio viel zu tun. Foto: Frank May. (Quelle: dpa)

Rio de Janeiro (dpa) - Welcher russische Sportler darf starten, welcher nicht? Beim Internationalen Sportgerichtshof CAS herrscht vor dem Beginn der Olympischen Spiele Hochbetrieb.

Das Vier-Sterne-Hotel Windsor Oceânico wirbt mit seinem traumhaften Ausblick auf den Atlantischen Ozean und der Nähe zum malerischen Strand von Barra da Tijuca. Einen Blick für die sehenswerte Szenerie haben die Gäste in der ersten Etage aber kaum. Hier hat sich der CAS mit seinen zwei ad-hoc-Einheiten einquartiert - und sich schon vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zum Hotspot entwickelt.

18 Fälle - bereits sieben mehr als bei den gesamten Sommerspielen 2012 - muss der CAS noch vor der Entzündung des olympischen Feuers im Eiltempo abarbeiten. Insbesondere die Doping-Causa Russland beschert den 18 Richtern schon Überstunden, bevor das Ringe-Spektakel überhaupt losgeht. Egal, ob Ruderer, Schwimmer oder Gewichtheber - immer wieder dreht es sich um die Frage, welcher russische Sportler die verschärften Auflagen für einen Olympia-Start erfüllt.

Das Prozedere sieht dabei vor, dass zunächst die jeweiligen Verbände eine Entscheidung treffen sollen, erst danach kommt der CAS bei möglichen Einsprüchen ins Spiel. Sollten die Richter Sperren wieder aufheben, müssten die russischen Sportler dann aber noch die Einzelfall-Prüfung des Dreier-Gremiums um Athletensprecherin Claudia Bokel überstehen. Das Trio - neben der deutsche Ex-Fechterin sind noch der Türke Ugur Erdener als Chef der medizinischen Kommission sowie der Spanier Juan Antonio Samaranch jr. berufen worden - war vom Internationalen Olympischen Komitee im Zuge des Skandals um russisches Staatsdoping eingesetzt worden.

Die russischen Ruderer und Gewichtheber sind bei dem CAS-Check jedenfalls durchgefallen. Am Mittwoch wurde zunächst der Einspruch der 17 Ruderer gegen den vom Weltverband FISA verhängten Olympia-Bann komplett abgewiesen. Damit dürfen nur sechs russische Athleten in der Lagune Rodrigo de Freitas in ihre Boote steigen. Der Ausschluss war mit der "ungenügenden Zahl der Dopingtests in zertifizierten und sicheren ausländischen Labors" begründet worden.

Sportlich hat der Ausschluss kaum einen Einfluss auf die Wettbewerbe. Sowohl in London 2012 als auch bei der WM 2015 tauchten russische Ruderer gar nicht im Medaillenspiegel auf. Dafür darf sich nun Italien über einen unverhofften Start im Achter der Männer und im Leichtgewichts-Zweier der Frauen freuen. Griechenland soll den Platz im Vierer der Männer, Australien im Achter der Frauen einnehmen.

Auch im Falle der Gewichtheber bestätigte der CAS die Entscheidung des Weltverbandes IWF, der wie in der Leichtathletik einen Komplett-Bann wegen der ausufernden Doping-Problematik verhängt hatte. Damit hat sich für acht weitere russische Athleten die Rio-Mission erledigt.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hatte dem russischen Olympia-Team den Ärger durch den hochbrisanten McLaren-Report eingebrockt und sogar einen Komplett-Ausschluss gefordert, was das IOC aber ablehnte. Entsprechend groß ist die Verärgerung in Russland. "Die WADA ist wie ein Haufen von Kartenspiel-Betrügern", zürnte Wladimir Komojedow als Leiter der russischen Staatsduma für Verteidigung. "Saubere Athleten, schmutzige Athleten, saubere Länder, schmutzige Länder ... Was für eine faschistische und rassistische Terminologie ist das?"

Einen Teilerfolg durfte Russland immerhin im Fall der Schwimmer Wladimir Morosow und Nikita Lobinzew verbuchen. Der CAS hob die Sperre gegen die Olympia-Dritten in der Freistil-Staffel wieder auf, nun müssen nur noch Bokel und Kollegen grünes Licht geben.

Noch spannender dürfte die CAS-Entscheidung im Fall von Julia Jefimowa sein. Die Russin ist als frühere Dopingsünderin gesperrt. Diese Maßnahme hatte das IOC für alle vorbelasteten russischen Sportler beschlossen und damit entgegen des Reglements entschieden. Schließlich hatte das CAS schon 2011 die Osaka-Regel gekippt, wonach Sportler nach einem Dopingvergehen an den folgenden Spielen nicht teilnehmen durften. Dieser Fall wurde erst einmal auf Donnerstag vertagt.

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