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Olympia 2016: "Tier" Michael Jung ist wieder der "Goldene Reiter"

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Deutsches Team erlöst  

"Er ist ein Tier": Jung wieder "Goldener Reiter"

10.08.2016, 07:28 Uhr | t-online.de

"Der Medaillen-Bann ist gebrochen"

Die Vielseitigkeitsreiter um Star-Jockey Michael Jung lassen Deutschland jubeln. Jetzt dürfte der Gewinn des Edel-Metalls leichter von der Hand gehen.

"Der Medaillen-Bann ist gebrochen"


Aus Rio de Janeiro berichtet Johann Schicklinski

Am vierten Wettkampftag der Olympischen Spiele hatte das Warten endlich ein Ende: Nachdem mit Christopher Burton aus Australien der letzte Reiter im Vielseitigkeits-Teamwettbewerb durch war, stand um 12:33 Uhr Ortszeit fest, dass die deutsche Vielseitigkeits-Equipe Silber holt. Und damit für die erste deutsche Medaille in Rio der Janeiro sorgt. Bereits in London 2012 hatten die Reiter den Bann gebrochen.

Gut zwei Stunden später wurde es aus deutscher Sicht noch viel besser: Michael Jung, der als Führender in das letzte Springen gegangen war, glückte mit seinem Wallach Sam ein fehlerloser Ritt. Damit entpuppte er sich einmal mehr als "Goldener Reiter" und verteidigte seinen Titel von London 2012. Gleichzeitig holte er das heiß ersehnte erste Gold für die deutsche Mannschaft.

"Man darf ruhig das Wort 'historisch' benutzen. Für ihn gehen die Superlative aus", sagte Dennis Peiler, Sportchef beim Reitsportverband FN. Generalsekretär Soenke Lauterbach rief: "Wahnsinn. Er ist ein Tier! Das ist sensationell."

"Ich bin überglücklich"

Als Jung gut 15 Minuten nach seinem Triumph in die Mixed Zone kam, gab es fast kein Herankommen an den 34-Jährigen. So groß war das Gedränge. "Ich bin so glücklich. Die ganze Anspannung ist weg. Meine Gefühle kann ich nur schwer beschreiben", freute er sich und vergaß auch nicht, sein Pferd zu loben: "Sam ist fantastisch gesprungen."

Dann wurde er von Stewards auch schon wieder weggeleitet, denn die Siegerehrung des Teamwettbewerbs stand an. Hier war es am Vormittag zu einem echten Thriller gekommen, die Deutschen legten eine nicht mehr für möglich gehaltene Aufholjagd hin. 

Vor dem letzten Wettkampftag und dem abschließenden Springreiten lagen sie abgeschlagen auf Rang vier, Medaillen schienen eigentlich außer Reichweite. Doch Jung, Ingrid Klimke mit Hale Bob und Sandra Auffarth mit Opgun Louvo legten allesamt einen fehlerfreien Ritt im Equestrian Parc in Deodoro hin. 

"Über die Fehler der Anderen freuen"

So überholten sie tatsächlich noch die Neuseeländer, bei denen im abschließenden Springen Vielseitigkeits-Legende Sir Marc Todd gleich vier Fehler unterliefen. Auch die Australier, bei denen sich Burton einen Fehler leistete, mussten die Deutschen noch vorbei lassen und sich mit Bronze begnügen. "Es wäre gelogen, wenn man sagen würde, dass man sich nicht über die Fehler der Anderen freuen würde", gestand ein strahlender Jung. Gold ging an die französische Equipe.

Neben ihm, Klimke und Auffarth darf sich auch Julia Krajewski über die  Medaille freuen. Sie durfte im Springen allerdings nicht mehr antreten. Die 27-Jährige Olympia-Debütantin war beim Geländeritt nach drei Verweigerungen mit Samourai ausgeschieden. Danach war sie am Boden zerstört - nun dürfte ihre Gefühlslage eine gänzlich andere sein.

Die deutsche Mannschaft kam somit mit einem blauen Auge davon. Gold galt eigentlich als gesetzt. 2008 in Peking und 2012 in London stand die deutsche Equipe jeweils ganz oben auf dem Siegerpodest. Nun gab es in Rio die erste Niederlage bei einer internationalen Großveranstaltung seit sechs Jahren. 

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Jung und Co. dürften es verschmerzen, schließlich sah es vor dem letzten Wettkampftag überhaupt nicht nach einer Medaille aus. Zu viele Fehler hatten die deutschen Reiter zuvor im vor allem Gelände und bei der Dressur gemacht. "Wir haben Kampfgeist bewiesen und uns diese Medaille hart erarbeitet", gestand Klimke überglücklich ein.

"Besser Silber gewinnen als Gold verlieren"

Einzig Jung war gestern im Gelände fehlerfrei geblieben und hatte dort einen echten Traumritt hingelegt. Auch am finalen Tag war der Einzel-Olympiasieger von London 2012 eine Bank. Nervenstark musste er als letzter Deutscher Reiter ran und legte einen fehlerfreien und schnellen Ritt hin. "Wir hatten uns vorgenommen, dass wir drei Null-Runden reiten. Das haben wir geschafft. Es war klar, dass wir auf die Fehler der anderen angewiesen sind", sagte er lachend.

Auffarth gewann dem verpassten Gold dank der Aufholjagd sogar noch etwas Positives ab: "Die Enttäuschung ist jetzt zumindest minimiert. Es ist besser, Silber zu gewinnen, als Gold zu verlieren."

Erleichterung im deutschen Lager riesengroß

Im Lager der deutschen Olympiamannschaft war die Erleichterung riesengroß. Nach dem Fehlstart ohne Medaille an den ersten drei Wettkampftagen war schon Unruhe aufgekommen. Medien hatten Alarm geschlagen, Sportler wurden immer wieder mit der Edelmetall-Flaute konfrontiert.

"Ich wusste, dass der Knoten irgendwann platzt", jubelte Chef de Mission Michael Vesper in der Mixed Zone, "und es waren, mal wieder die Reiter, die es geschafft haben. Nicht zum ersten Mal". Vesper bekam das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht. "Wir sind überglücklich."

Länger auf die erste Olympia-Medaille hatte Deutschland zuletzt vor der Wiedervereinigung gewartet. Vor vier Jahren in London hatte Degen-Fechterin Britta Heidemann die deutsche Mannschaft mit Silber am dritten Wettkampftag erlöst. In Rio dauerte es bis zum ersten Edelmetall nun sogar noch einmal einen Tag länger.

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), war beim Vielseitigkeitsreiten ebenfalls vor Ort. Er freute sich natürlich über die Medaillen. Gleichzeitig appellierte er an die Öffentlichkeit, das Abschneiden der Athleten nicht nur Platzierungen zu messen: "Hier geht es darum, dass Lebensträume wahr werden, das muss nicht zwingend Gold, Silber oder Bronze sein."

Wahre Worten in Zeiten, in denen Öffentlichkeit und Medien beim Medaillenwunsch gerne mal über das Ziel hinausschießen. Im Sport und bei Olympia gibt es Gewinner und Verlierer, aber keine Versager. Das olympische Motto "Dabeisein ist alles" sollte immer noch aktuell sein.

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