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Olympia 2016: Olympische Spiele begeistern Brasilianer kaum

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Leere Ränge, miese Stimmung  

Halbzeit-Bilanz: "Raumschiff Olympia" bleibt Brasilianern fremd

14.08.2016, 07:15 Uhr | t-online.de

Olympia 2016: Olympische Spiele begeistern Brasilianer kaum. Fast überall dasselbe Bild: leere Ränge in Rio.  (Quelle: dpa)

Fast überall dasselbe Bild: leere Ränge in Rio. (Quelle: dpa)

Aus Rio de Janeiro berichtet Johann Schicklinski

Der Equestrian Parc in Deodoro im Nordwesten Rios, wo die Reiterwettkämpfe der Olympischen Spiele stattfinden: Bei der Mannschaftsentscheidung in der Dressur bestenfalls zu einem Viertel gefüllt. Die Carioca-Arena 1 in Barra de Tijuca, in der die meisten Basketballspiele über die Bühne gehen: Gähnende Leere, es sei denn Gastgeber Brasilien oder das US-Dreamteam spielen. 

Beim Säbelfecht-Halbfinale in der Carioca-Arena 3 sorgen immerhin ein paar Einheimische für Stimmung auf den Tribünen. Sie machen sich mit lautstarken "Brasil, Brasil"-Rufen in der Halle, in der  ansonsten beängstigende Stille herrscht, bemerkbar. Das Dumme ist nur: Es kämpft eine Russin gegen eine Ukrainerin.

Nicht einmal im Ansatz olympiareif

Es ist Halbzeit bei den Spielen. In der Zuckerhut-Metropole ist deutlich zu spüren, dass die Stimmung nicht einmal ansatzweise olympiareif ist. Stattdessen prägen leere Ränge, eine chaotische Organisation und durchwachsenes Wetter das größte Sportereignis der Welt.

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Insbesondere die schwachen Zuschauerzahlen machen den Veranstaltern zu schaffen und wirken sich gleichzeitig auf die Stimmung aus. Halbleere Tribünen sind die Regel, wenn nicht gerade Brasilianer um Siege und Medaillen kämpfen. Ein Grund dafür sind das Transportchaos und die langen Schlangen vor den Einlasskontrollen an den Wettkampfstätten. Während vor den Hallen und Stadien noch Hunderte Fans an den Security-Check-Ins anstehen, laufen drinnen längst die Wettkämpfe. 

Eintrittspreise billiger als bei der WM

Doch selbst wenn alle Ticketbesitzer schließlich sitzen, bleiben jede Menge Plätze leer. Für Fernando, der als olymischer Volunteer in Deodoro arbeitet, hat das mehrere Gründe. "Bei der WM 2014 waren die Tickets sehr teuer. Zu teuer für uns normale Brasilianer. Deshalb denken die meisten jetzt auch, dass sie sich die Eintrittskarten nicht leisten können und bleiben Zuhause", erzählt er. Dabei gäbe es die billigsten Tickets schon für umgerechnet 20 Euro. Kein Schnäppchenpreis, erst recht nicht im rezessionsgeplagten Brasilien, doch immerhin eine Summe, die sich viele noch leisten können. Wenn auch nicht jeden Tag.

Zum anderen könnten die Brasilianer auch nicht mit allen Sportarten etwas anfangen, sagt Fernando. Kanu, Trampolin oder Sportschießen seien doch eher fremd.

"Das ist nicht das wahre Rio de Janeiro"

Für Marcos, Angestellter in einer Galerie, ist das Problem, dass sich Olympia für viele Einheimische wie die Landung eines "Raumschiffs" anfühlt, dass drei Wochen bleibt und dann wieder abhebt. "Was ihr Journalisten und Touristen hier seht, ist nicht real. Das ist nicht das wahre das ist nicht das wahre Brasilien. Regierung und Veranstalter bauen hier eine Scheinwelt auf für die Dauer der Spiele. Sobald ihr wieder weg seid, wird hier alles wieder seinen normalen Lauf nehmen." Und der, so Marcos, gehe in keine gute Richtung. Zu instabil die Regierung, zu krisengeplagt das Land. 

Wäre das Geld ohne Olympia überhaupt vorhanden?

 "Wir haben kein Geld für Schulen, Krankenhäuser und den Öffentlichen Dienst", gibt Marcos noch zu bedenken: "Aber für Olympia." Andererseits sagen andere Einheimische, dass die knapp elf Milliarden Euro, die die Spiele inklusive aller Investitionen wohl letztlich gekostet haben werden, möglicherweise gar nicht existent wären ohne Olympia. Sprich: Sie könnten auch nicht für dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen ausgegeben werden.

Angesichts solcher Probleme, die weit über den Sport und über Olympia hinausgehen, kann man den Brasilianern nicht verdenken, dass das olympische Feuer in ihnen noch nicht wirklich entfacht ist. 

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Für das Problem mit der mangelnden Stimmung und den schlechten Zuschauerzahlen sucht das Organisationskomitee indes fieberhaft nach einer Lösung. Bereits nach wenigen Tagen wurde eine Überarbeitung des Sicherheitskonzepts angekündigt. "Wir glauben, dass die Sicherheitskontrollen viel dazu beigetragen haben, dass viele zu spät ankommen", sagte Kommunikationsdirektor Mario Andrada. Gleichzeitig kündigte er an: "Wir glauben aber auch, dass wir die Probleme lösen können, ohne dass wir die Sicherheit zurückschrauben müssen.“ Sichtbaren Erfolg, sprich kürzere Schlangen, brachten die Änderungen allerdings bislang noch nicht.

Andrada glaubt auch, dass die Negativschlagzeilen vor Beginn über Demonstrationen in Rio, das allgegenwärtige Verkehrschaos, nicht fertige Bauten oder das Zika-Virus viele Touristen davon abgehalten haben, die Elf-Millionen-Stadt zu besuchen. 

Hat auch das Wetter schuld?

Wenn man ihm zuhört, klingt das ein wenig so, als haben sich Gott und die Welt gegen Rio 2016 verschworen. So hält er auch das schlechte Wetter - es ist brasilianischer Winter, die Temperaturen liegen bei meist bedecktem Himmel zwischen 20 und 25 Grad - für einen Dämpfer in Sachen Stimmung.

Wie eine echte Euphorie aussehen könnte, zeigt sich immer dann, wenn Brasilianer am Start sind. Dann sind die Ränge voll, dann rastet das Publikum aus. Wer beim denkwürdigen 33:30 der Brasilianer im Handball gegen Deutschland in der Future Arena vor Ort war, wird das so schnell nicht vergessen. Jeden einzelnen Treffer bejubelten die Fans wie ein Tor im Fußball. Genau so frenetisch, gleiche Laustärke. 33 Mal! Es sind solche Momente, die Hoffnung machen, dass vielleicht doch noch so etwas wie Olympia-Euphorie aufkommt in Rio de Janeiro.

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