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Olympia 2016: Ohne freiwillige Helfer und Volunteers würde nichts gehen

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Liebenswertes Chaos und Sprachgewirr  

Ohne Volunteers würde Rio still stehen

21.08.2016, 07:56 Uhr | t-online.de

Olympia 2016: Ohne freiwillige Helfer und Volunteers würde nichts gehen. Ein Volunteer zeigt einer jungen Dame den Weg. (Quelle: imago)

Ein Volunteer zeigt einer jungen Dame den Weg. (Quelle: imago)

Aus Rio de Janeiro berichtet Johann Schicklinski 

Margaret schaut mich ein wenig verzweifelt an und zuckt mit den Schultern. Wir stehen am riesigen Busterminal des Olympischen Pressezentrums. Von hier fahren die Shuttles zu den verschiedenen Wettkampfstätten.

Doch Margaret, die aus Australien kommt und sich freiwillig als Volunteer für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro gemeldet hat, kann mir nicht helfen. Ich suche den Bus zum Rad-Einzelzeitfahren der Damen und der Herren in Barra da Tijuca. Sie hat leider keine Ahnung, wo dieser abfährt. Und überhaupt: Einzelzeitfahren? Nie gehört!

"Es tut mir leid"

Es regnet, wir werden nass, doch trotzdem gibt Margaret nicht so schnell auf. Erst fragt sie ihre brasilianischen Volunteer-Kollegen um Rat. Dann zückt sie ihr Mobiltelefon und stellt weitere Recherchen an. Mit tiefstem Bedauern muss sie schließlich doch kapitulieren. "Es tut mir leid", sagt die ältere Australierin auf deutsch. Ein paar Brocken hätte sie vor Jahren mal gelernt, erzählt sie mir und ist sichtlich stolz auf ihren Wortschatz.

Knapp 70.000 Volunteers im Einsatz

Es sind Szenen wie diese, die sinnbildlich für Ablauf, Organisation und Hilfsbereitschaft dieser Spiele stehen. Verantwortlich dafür sind die rund 70.000 Volunteers, ohne die in der Elf-Millionen-Metropole während Olympia alles still stehen würde.

Nicht immer ein Traumjob

Ihr Einsatz ist nicht hoch genug einzuschätzen - schließlich geschieht er auf freiwilliger Basis. "Wir erhalten dafür nichts", sagt etwa Carlos, der an einem Eingang Akkreditierungen kontrolliert. Tagein, tagaus, die kompletten 16 Tage der Spiele. Nicht gerade ein Traumjob. Und doch macht er dem Brasilianer, der westlich von Rio wohnt und rund zwei Stunden Anreise hat, großen Spaß. "Die Leute aus aller Welt, das Flair, das ist schon ziemlich aufregend", findet er.

Das Flair eines großen Völkertreffens und der Olympische Geist seien ihre Motivation gewesen, sagen die meisten der Volunteers. Finanziell gehen viele mit einem dicken Minus heraus, denn für An- und Abreise sowie ihre Unterkunft sind sie selbst verantwortlich. Als einziger "Lohn" bleibt ihnen nach Ende der Spiele ihre Uniform sowie eine Teilnahme-Urkunde als Erinnerung und Dank für Ihre Mühe.

Nicht jeder Volunteer kann Englisch

Englisch spricht Carlos nur gebrochen - aber damit besser als ein Großteil der brasilianischen Volunteers, die wiederum die stärkste Fraktion unter allen Helfern stellen. Dass die allermeisten Olympia-Touristen und auch der Großteil der sonstigen Besucher der Spiele Portugiesisch nicht beherrscht, verkompliziert die Lage, weil die meisten der Brasilianer nur unzureichend Englisch sprechen. Das führt im Alltag der Spiele oft zu einem babylonischen Sprachgewirr, das nur unter Einsatz von Händen und Füßen gelöst werden kann.

Organisation deutlich ausbaufähig

Die meisten Volunteers sind untröstlich, wenn sie wieder einmal nicht weiterhelfen können. Viele beklagen, dass sie beim Vorab-Briefing durch das brasilianische Organisationskomittee und bei der täglichen Unterrichtung durch die Team-Leader selbst nicht allzu ausführlich informiert wurden. "Ich würde gerne alle Fragen beantworten. Aber wenn wir in unserem Meeting welche haben, werden die auch oft nicht beantwortet", sagt Carlos.

Improvisation ist gefragt

Zu der durchwachsenen Informationspolitik kommt, dass in Rio regelmäßig das absolute Chaos ausbricht, sobald ein Wettkampf zu Ende ist. Fahrpläne, Haltestellen oder vorher festgelegte Abläufe sind in solchen Momenten nicht viel wert, was auch die Freiwilligen regelmäßig vor Probleme stellt. Stattdessen ist Improvisation gefragt.

Ein ganz spezieller Service

So kann es vorkommen, dass die Volunteers den Besuchern die U-Bahn statt der geplanten Busse empfehlen. Hingebracht werden die Ortsfremden dann persönlich -  selbst bei einem Fußweg von über einem Kilometer. Nur um sicherzugehen, dass der Eingang auch tatsächlich gefunden wird. Ein ganz spezieller Service, der selbst aus Stress-Situationen ein liebenswertes Chaos macht. Und so ist keiner sauer, wenn mal wieder etwas nicht so hinhaut, wie es soll.

Für meinen Besuch beim Einzelzeitfahren hat sich schließlich auch noch eine Lösung gefunden. Natürlich ebenfalls nur durch Improvisation. Nachdem weder Margaret noch ihre Kolleginnen einen Bus finden, der das Rennen ansteuert, ruft sie mir kurzerhand ein Taxi. Hauptsache rechtzeitig ankommen, meint die Australierin augenzwinkernd. Und sieht dabei sehr zufrieden aus - obwohl sie mittlerweile ordentlich durchnässt ist. Was sie nicht davon abhält, sich mit freundlichem Gesicht und Tatendrang dem nächsten Hilfesuchenden zu widmen.

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