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Olympia 2016: Handball-Regeländerung sorgt in Rio für viel Wirbel

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Handball-Star Wolff fürchtet  

"Diese Regel kann den Sport kaputt machen"

16.08.2016, 12:37 Uhr | Johann Schicklinski

Olympia 2016: Handball-Regeländerung sorgt in Rio für viel Wirbel. Bereits vierfacher Torschütz in Rio: DHB-Torhüter Andreas Wolff. (Quelle: imago/Sven Simon)

Bereits vierfacher Torschütz in Rio: DHB-Torhüter Andreas Wolff. (Quelle: Sven Simon/imago)

Aus Rio de Janeiro berichtet Johann Schicklinski 

Keeper Andreas Wolff pariert gegen den frei auf ihn zulaufenden Johann Jakobsson und hält den Ball in seinen Händen. Statt ihn zu einem Mitspieler zu passen, wirft er ihn über das komplette Feld ins verwaiste schwedische Tor. Es ist beim Olympia-Auftakt der deutschen Mannschaft das zwischenzeitliche 13:11, am Ende siegt der Europameister mit 32:29.

Wolff kam während der Vorrunde in Rio de Janeiro noch öfter in diesen Genuss. Insgesamt vier Treffer stehen bereits auf dem Konto des 25-Jährigen. Und der deutsche Torhüter erzielte sie alle nicht etwa durch Siebenmeter-Strafwürfe. Nein, der EM-Held traf jedes Mal aus dem eigenen Wurfkreis - und befindet sich damit bei den Olympischen Spielen 2016 in bester Gesellschaft.

In Rio de Janeiro finden nämlich gleich mehrere neue Handballregeln, die am ersten Juli in Kraft getreten sind, ihre erste Anwendung auf der ganz großen Bühne. Die wichtigste Regel ist die Möglichkeit, den Torwart durch einen zusätzlichen Feldspieler auszutauschen. Sie wird während der olympischen Vorrunde von fast allen Nationen rege genutzt.

Kleine Ursache, große Wirkung

Dieser Tausch war zwar auch schon früher möglich. Doch laut der neuen Regel muss der Spieler, der für den Keeper das Feld betritt, nicht mehr äußerlich durch ein spezielles Trikot oder ein Leibchen erkennbar sein. Zudem ist ein fliegender Wechsel möglich. 

Dafür darf der zusätzliche Spieler im Verteidigungsfall, beispielsweise bei einem schnellen Gegenstoß, nicht mehr als Torhüter agieren und darf den eigenen Kreis nicht mehr betreten. Ansonsten gibt es Siebenmeter für die angreifende Mannschaft. Kleine Vereinfachungen, die beim Olympischen Turnier eine große Wirkung auf die Taktik in den bisherigen Spiele entfachten.

Fluch und Segen

Klar ist, dass sich auf taktischer Ebene völlig neue Möglichkeiten ergeben. Dagur Sigurdsson gehört in Rio zu den Trainern, die das neue Instrument fast permanent nutzen, um eine Überzahl zu schaffen oder eine eigene Unterzahl auszugleichen. Obwohl er vor den Spielen kundtat, die Änderung nicht zu befürworten.

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"Komischer Zeitpunkt für diese Änderungen"

Aber sie ist nun mal Fakt, also ist der DHB-Coach gezwungen, das Beste daraus zu machen. "Ich will mit den Wechseln nach Möglichkeit unseren Angriff unterstützen", sagt der Bundestrainer zu der riskanten Strategie. Vergleichsweise billige Gegentore nimmt der Isländer dafür in Kauf. So kassierte die DHB-Auswahl durch Ballverluste alleine vier Gegentreffer bei der 30:33-Pleite gegen Gastgeber Brasilien.

Doch die neue Regel hat noch weitreichendere Folgen. Zeitstrafen fallen nicht mehr so ins Gewicht, das Spiel droht somit härter zu werden. Die Schiedsrichter beim olympischen Handballturnier reagieren darauf mit einer strengeren Regelauslegung und verhängen sehr viele Zeitstrafen. Zudem gibt es durch den zusätzlichen Mann weniger Platz auf dem Feld.

Hanning: "Mag lieber das Spiel sechs gegen sechs"

DHB-Delegationsleiter Bob Hanning hat gegenüber der neuen Regel eine ambivalente Haltung. "Es ist ein taktisches Element, das uns helfen kann und für uns bisher aufgegangen ist", sagte Hanning Mitte der Vorrunde. Gleichzeitig schränkt er ein: "Ich bin kein Freund davon. Ich mag lieber das Spiel sechs gegen sechs."

Er findet die Anwendung der neuen Regel vor allem bei eigener Unterzahl sinnvoll: "Da ist es gut. Wir haben somit die Möglichkeit, mit sechs gegen sechs unser Handballspiel durchzuziehen." Es sei indes absehbar, so Hanning weiter, dass die neue Regel den Handball nachhaltig verändern werde.

Die meisten Spieler stehen der Regel indes positiv gegenüber. "Wir spielen gerne in Überzahl-Situationen", bilanziert Paul Drux. "Wenn wir uns weiter reingefuchst haben, werden wir uns in Überzahl noch mehr gute Chancen herausspielen", meint Fabian Wiede.

Wolff: "Diese Regel kann den Sport auch kaputt machen"

Ausgerechnet der mehrfache Torschütze Wolff sieht die neue Regel indes skeptisch. "Meine Begeisterung hält sich in Grenzen", sagt Wolff, als er zu seinen Treffern, aber auch die aus den Wechseln resultierenden Gegentreffern befragt wurde: "Diese Regel kann einen Sport kaputt machen, der sehr attraktiv war."

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