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Olympia 2016: Hambüchen erkämpft zum Karriere-Abschluss Gold am Reck

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Olympische Spiele 2016  

Hambüchen erkämpft zum Karriere-Abschluss Gold am Reck

18.08.2016, 16:17 Uhr | dpa

Olympia 2016: Hambüchen erkämpft zum Karriere-Abschluss Gold am Reck. Fabian Hambüchen gewinnt Gold am Reck.

Fabian Hambüchen gewinnt Gold am Reck. Foto: Sören Stache. (Quelle: dpa)

Rio de Janeiro (dpa) - Gold, Gold, Gold: Überwältigt und glückstrunken versprach Ausnahme-Turner Fabian Hambüchen nach seinem Olympiasieg eine wilde Party im Deutschen Haus von Rio de Janeiro.

"Da findet ihr morgen nur noch einen Haufen Schutt", scherzte der 28-Jährige nach dem Reck-Triumph im letzten internationalen Wettkampf seiner glanzvollen Karriere.

Mit einer perfekten Flugshow am Königsgerät hatte der Wetzlarer mit 15,766 Punkten die Konkurrenz hinter sich gelassen und das erste Gold für einen deutschen Turner seit dem Sieg des Berliners Andreas Wecker in Atlanta 1996 erobert. "Es ist unbeschreiblich. Ich habe als Kind davon geträumt, Olympiasieger zu werden. Das ist die Erfüllung dieses Traumes", sagte Hambüchen und schüttelte immer wieder den Kopf.

Zuvor hatte sich seine ganze Anspannung in einem gewaltigen Urschrei entladen, dann stieß Hambüchen die rechte Faust in der Luft. Glücklich lag der Hesse seinem Vater in den Armen, als die quälend lange Warterei auf die Übungen der Konkurrenz und deren Wertungen zu Ende war. "Da gehst du durch die Hölle. Noch sieben Turner, die dich vom Thron stoßen können. Aber ich bin froh, dass die Kampfrichter ihre Linie durchgezogen haben", sagte er.

Als die letzte Note auf der Anzeigetafel aufleuchtete, hüllte er sich sofort in die deutsche Fahne und brüllte immer wieder Freudenschreie wie "Ja, Ja, Ja" ins Publikum. "Ich bin einfach nur glücklich, dass alles geklappt hat, ich bin einfach sprachlos", meinte Hambüchen.

Der deutsche Vorturner vervollkommnete vor 10 000 Zuschauern in der Olympic Arena seinen olympischen Medaillensatz nach Bronze in Peking und Silber in London. Insgesamt 27 Medaillen hat der Student der Sporthochschule Köln in seiner langen Laufbahn bei internationalen Meisterschaften der Senioren erreicht. Gelassen klatschte er vor der Siegerehrung in die Hände und winkte seinen fahnenschwenkenden Fans auf der Tribüne zu. "Das war mein letzter Act. Ich wusste gar nicht, woran ich bei der Hymne zuerst denken sollte."

Top-Favorit und London-Olympiasieger Epke Zonderland aus den Niederlanden riskierte zuviel und stürzte ebenso ab wie der Ukrainer Oleg Wernjajew. Hambüchen fand gleich die Zeit, die Konkurrenten zu trösten. "Ich bin der Letzte, der sich über so etwas freut. Es tut mir leid für Epke, zumal der Sturz gefährlich aussah." Scheinbar unaufgeregt, aber innerlich aufgewühlt registrierte der Hesse die Übungen der anderen Gegner: Silber ging an den starken US-Amerikaner Danell Leyva (15,50) vor dem Briten Nile Wilson (15,466).

Als Vorkampfbester war der 28-jährige Hambüchen ins Finale gezogen, steigerte sich im Team-Finale und kam schließlich trotz eines kleinen Rückwärts-Tritts nach der Landung zu seiner besten Note in Rio. "Das war brutal. Ich hatte nicht den absolut perfekten Stand zum Schluss und ich dachte, wenn das den Unterschied macht, dann hätte ich nur noch heulen können", verriet Hambüchen.

Im Finale wurde er erstmals in Rio von seinem Vater betreut, der als "Personal Coach" eine Sondergenehmigung erhalten hatte. "Ich habe ihm nur gesagt, er soll einfach spielen", verriet Wolfgang Hambüchen später in der Mixed-Zone seinen letzten Satz vor dem Heben seines Sprösslings an die Stange. "Was aber in Fabis Kopf vorging, weiß ich natürlich nicht."

Hambüchens Auftritt von exakt 45 Sekunden war der Schlusspunkt unter eine große Karriere. Mit fünf Jahren war Fabian erstmals unter den Fittichen seines Vaters an die Geräte gegangen, schon als Junior gehörte er zu den besten deutschen Turnern. Sechsmal stand er bei Weltmeisterschaften im Reck-Finale und holte 2007 beim Heimspektakel in Stuttgart Gold. Dank sechs EM-Titeln und 40 nationalen Meisterschaften ist er der erfolgreichste deutsche Turner der Geschichte. "So kann man definitiv abtreten", befand Hambüchen und fügte an: "In solch einem Moment denkst du, du kannst noch 100 Jahre weiter turnen. Doch morgen früh wird das Erwachen bestimmt nicht schmerzfrei sein", meinte er in Bezug auf seine Schulterverletzung.

Im Training und der Wettkampf-Gestaltung ging er stets seinen eigenen Weg, setzte auf den "Hambüchen-Clan" mit dem Vater als Trainer, dem Onkel Bruno als Mentalcoach und Mutter Beate als Organisatorin. Ein Konzept, das sich bewährt hat.

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