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Olympia: Zwei Kernsportarten, ein Problem

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Olympia  

Zwei Kernsportarten, ein Problem

21.08.2016, 07:41 Uhr | dpa

Olympia: Zwei Kernsportarten, ein Problem. In der deutschen Leichtathletik nur noch ein seltener Anblick: Die olympische Goldmedaille.

In der deutschen Leichtathletik nur noch ein seltener Anblick: Die olympische Goldmedaille. Foto: Michael Kappeler. (Quelle: dpa)

Rio de Janeiro (dpa) - Das olympische Deutschland ist keine Nation der Läufer und Schwimmer mehr. Kanuten und Schützen retteten die Rio-Bilanz und steuerten viel mehr Medaillen bei als die beiden olympischen Kernsportarten.

Zweimal Gold und einmal Bronze gab es dank der Werfer immerhin noch durch die Leichtathleten. Gar nur ein dritten Platz sprang für den Deutschen Schwimm-Verband heraus - durch einen Wasserspringer. So schlecht war der DSV mit seiner anhaltenden Krise der Beckenschwimmer seit 1932 nicht mehr. Was sind die Gründe für die Krise der zwei prestigeträchtigen Sportarten mit großer deutscher Olympia-Vergangenheit?

Der Ist-Zustand:

Der Deutsche Leichtathletik-Verband gewann bei den London-Spielen acht Medaillen. In Rio waren es nur noch drei. Vor einer größeren Pleite bewahrten die beiden Diskuswerfer Christoph Harting und Daniel Jasinski mit Gold und Bronze sowie Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler die 89 Leichtathleten große Mannschaft des DLV. Zwei Medaillen sollten es für die Beckenschwimmer sein, doch die wenigen Hoffnungsträger wie Weltmeister Marco Koch erreichten nicht ihre Top-Leistung. Wasserspringer Patrick Hausding bewahrte mit der ersten Olympia-Medaille vom Drei-Meter-Brett des DSV vor der Total-Pleite.

Woran es hapert: 

Wenige Wochen nach den Europameisterschaften in Amsterdam, wo die deutschen Leichtathleten 16 Medaillen gewannen, fehlte vielen der letzte Tick Energie. Das kleine Zeitfenster für den weiteren Formaufbau nach der EM war schwierig. Zudem wurde ein Trainingslager in Brasilia wegen der Zika-Gefahr abgesagt, so dass die Zeit- und Klimaanpassung nicht optimal war. Vor allem Topathleten wie die Kugelstoßer David Storl und Christina Schwanitz, beide gewannen zuvor EM-Gold, waren nicht fit genug. Andere fanden nach Verletzungen nicht zur Höchstleistung wie der ehemalige Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe.

An der Schwimmer-Vorbereitung kann das DSV-Desaster nicht gelegen haben. Alle (kostspieligen) Wünsche von Chefbundestrainer Henning Lambertz wurden erfüllt - von Tageslichtlampen bis zum eigenen Koch. Die Probleme sind vielschichtiger: Die wenigen Medaillenaspiranten konnten zum Höhepunkt ihre Topleistung nicht abrufen. Paul Biedermann war über seinen Zenit hinaus, Franziska Hentkes Trainingssteuerung funktionierte nicht, am Fitnesszustand von Marco Koch wurden DSV-intern hinter vorgehaltener Hand erhebliche Zweifel laut. Lambertz will den Stars nun weniger Freiraum gönnen und auch sonst dem Kader klare Vorgaben machen. So, wie es bei den Wasserspringern schon lange usus ist. Der Nachwuchs tat sich auf großer Olympia-Bühne bis auf wenige Ausnahmen (zu) schwer.

Sind Spitzenpersonal und Verbandsführung optimal aufgestellt?

Der DLV hat schon angekündigt, seine Leistungssportabteilung nach den Rio-Spielen neu aufzustellen. Starker Mann soll wohl Cheftrainer Idriss Gonschinska werden.

DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow hatte schon vor Olympia angekündigt, seinen Vertrag nicht mehr zu verlängern und sich auf sein Amt als Wassersprung-Bundestrainer zu konzentrieren. Er ist des Kampfes gegen interne Widerstände überdrüssig. Schwimm-Cheftrainer Lambertz wird wie geplant bis 2020 den Neuaufbau fortsetzen. Alternativen gibt es keine, allerdings wird seine Arbeit nun kritischer beäugt werden.

DSV-Präsidentin Christa Thiel weht nach 16 Jahren Amtszeit der Wind immer stärker ins Gesicht. Dass sie bei der Wahl im November noch einmal antritt, wird immer unwahrscheinlicher. Sie könnte sich auf ihre internationalen Ambitionen konzentrieren. Als Nachfolgerin steht die Schwimm-Fachspartenvorsitzende Gaby Dörries bereit. Sie will mit externem Personal und Ex-Stars wie Britta Steffen oder Thomas Lurz den Verband reformieren.

Die Perspektiven für Olympia 2020 in Tokio: 

Im Olympia-Team des DLV waren knapp ein Viertel der Athleten 23 Jahre alt oder jünger. "Es gab viele Ergebnisse junger Athleten, die mich auch ohne Medaille sehr optimistisch für die kommenden sportlichen Herausforderungen stimmen", meinte DLV-Präsident Clemens Prokop. Dazu zählt Platz sechs durch Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause in deutscher Rekord-Zeit oder die Olympia-Halbfinalistin über 200 Meter, Gina Lückenkemper. Hoffnungsträger sind auch Dreisprung- Europameister Max Heß (19) und Weitspringerin Malaika Mihambo als Olympia-Vierte.

Schwimm-Weltmeister Koch will weitermachen, Paul Biedermann tritt ab. Die Zahl junger Talente wie der WM-Fünfte Jacob Heidtmann (21), Johannes Hintze (17), Freistil-Sprinter Damian Wierling oder Florian Vogel als Biedermanns nationaler Nachfolger ist überschaubar. Bei den Frauen sieht es noch mauer aus. Schwimm-Medaillen in Tokio werden so ein mehr als ambitioniertes Projekt.

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