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Anarchische Olympische Spiele in Rio erfüllen Erwartungen nicht

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Viele Athleten sind unzufrieden  

Anarchische Spiele in Rio erfüllen Erwartungen nicht

22.08.2016, 10:03 Uhr | t-online.de

Anarchische Olympische Spiele in Rio erfüllen Erwartungen nicht. Brasilianische Fans beim Fußball-Finale gegen Deutschland: Die durchgehenden Pfiffe der Einheimischen kamen nicht überall gut an.  (Quelle: imago/Kyodo News )

Brasilianische Fans beim Fußball-Finale gegen Deutschland: Die durchgehenden Pfiffe der Einheimischen kamen nicht überall gut an. (Quelle: Kyodo News /imago)

Aus Rio de Janeiro berichtet Johann Schicklinski

Im Frauenfußball-Finale standen sich die deutschen und die schwedischen Damen gegenüber. Das Maracana-Stadion bot allerdings keine angemessene Kulisse für das Kräftemessen um Gold. Die Ränge waren nicht voll besetzt, die Stimmung im Stadion war eher mau. Vor der Arena versuchten indes Heerscharen von Einheimischen ihre Tickets auf dem Schwarzmarkt loszuwerden. Sie hatten vorab auf die Brasilianerinnen als Olympia-Siegerinnen gehofft.

Am darauffolgenden Tag stand das Finale des Männerturniers an. Gastgeber Brasilien um Superstar Neymar traf auf Deutschland. Das Maracana platzte aus allen Nähten, bereits Stunden vor Beginn der Partie wurde rund um das Stadion gefeiert und gesungen. Es herrschte eine ausgelassene Party-Atmosphäre, die im kollektiven Freudentaumel nach Neymars Gold-Schuss kulminierte.

Leere Ränge, maue Stimmung

Die letzten Spiele des Fußballturniers stehen exemplarisch dafür, wie die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro bei den Allermeisten wohl in Erinnerung bleiben werden. Echtes Olympia-Feeling kam nur auf, wenn Brasilianer um Medaillen kämpften. Stattdessen prägten eine mit viel gutem Willen als durchwachsen zu bezeichnende Atmosphäre und das parteiische brasilianische Publikum das Bild. Dazu kam die teilweise chaotische Organisation.

"Die schlechtesten Spiele, die wir je hatten"

Auch die Sportler waren nicht sonderlich angetan von den ersten Olympischen Spielen in Südamerika. Stabhochspringerin Martina Strutz brachte die Kritik vieler Athleten auf den Punkt. "Viele sagen, das sind die schlechtesten Spiele, die wir je hatten", bilanzierte die Athletensprecherin: "Für diejenigen, die das erste und vielleicht einzige Mal bei Olympia gewesen sind, ist das traurig."

Strutz monierte den Transport zu den Sportstätten, die allgemeine Sicherheitslage und die fehlende Stimmung in den Arenen: "Es ist nicht so wie vor vier Jahren in London." Prominente Zustimmung erhielt sie von Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen, der Organisation, Ablauf und Atmosphäre bei den Wettkämpfen als "grenzwertig" bezeichnete.

Unfairer Vergleich

Die Sportler und viele andere Kritiker mögen in der Sache recht haben. Aber: Es wäre unfair, wenn man Rio an London misst, wo vor vier Jahren rundum perfekte Wettbewerbe organisiert wurden. Oder an Barcelona oder Sydney, die bei vielen Mitgliedern der Olympischen Familie immer noch als stimmungsvollste Spiele aller Zeiten gelten.

Anarchische Spiele in Rio de Janeiro

Rio de Janeiro hat indes anarchische Spiele erlebt, bei denen viel schief ging und Improvisation groß geschrieben wurde. Angesichts der Situation in Brasilien und Rio waren die knapp zweieinhalb Wochen gar nicht so schlecht wie befürchtet - es lief noch glimpflich ab.

2009, als die Stadt den Zuschlag zur Ausrichtung erhielt, sollte mit den ersten Spielen in Südamerika eigentlich Brasiliens Rolle in der Welt gestärkt werden. Doch die Realität hat diese Planspiele schnell zunichte gemacht.

Das fünftgrößte Land der Welt hat große politische und wirtschaftliche Probleme. Präsidentin Dilma Rousseff wurde kurz vor den Spielen unter fragwürdigen Umständen suspendiert. Dazu gab es einen Korruptionsskandal, in den fast die ganze politische Klasse involviert ist. Zudem durchlebt das Land eine der tiefsten Rezessionen seiner Geschichte.

Düstere Prognose für Paralympics

So stand Rio 2016 schon vorab unter keinem guten Stern, weil viele Brasilianer und Einwohner Rio de Janeiros schlicht andere Probleme und Sorgen haben. Das manifestierte sich in den Zuschauerzahlen.

Das große Desinteresse zeigte sich auch daran, dass das "Comite Rio 2016" während der Spiele 280.000 Freikarten an Schulkinder ausgab, um leere Plätze in den Stadien zu füllen. Nicht einmal die Hälfte davon wurden in Anspruch genommen. Und auch für die Paralympics sieht die Prognose düster aus: Nur zwölf Prozent der Tickets wurden bis jetzt vorab verkauft.

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Unser Redakteur vor Ort analysiert das Spiel gegen Brasilien und beschreibt den Ausnahmezustand im Maracana. Video

Hausgemachte Probleme

Viele der Probleme in Rio waren zudem hausgemacht: Das Transportchaos und die langen Schlangen vor den Einlasskontrollen bekamen die Organisatoren nie in den Griff.

Neymar sorgt für emotionalen Höhepunkt

Doch natürlich hatten die Spiele auch eine Vielzahl an Highlights zu bieten. Superstar Usain Bolt schaffte das historische "Triple-Triple". Schwimmer Michael Phelps hat nun 23 Goldmedaillen in seiner Sammlung. In der Beachvolleyball-Arena an der Copacabana schlug das Herz Olympias.

Die Entzündung des Olympischen Feuers durch Vanderlei de Lima, den Marathonläufer, der 2004 in Athen in Führung liegend von der Straße gedrängt worden war und nur Bronze gewann, war ein magischer Moment. Dazu der emotionale Höhepunkt dieser Spiele - zumindest aus brasilianischer Sicht: Die Goldmedaille der "kleinen Selecao" um Superstar Neymar.

Höchste Sicherheitsstufe

Auch die Sicherheitsmaßnahmen dürfen abschließend als positiv bewertet werden. In Zeiten, in denen eine Bedrohung durch Terror oder fehlgeleitete Einzeltäter leider omnipräsent ist, galt in der Zuckerhut-Metropole die höchste Sicherheitsstufe. Dementsprechend restriktiv fielen die Maßnahmen aus - und sie waren erfolgreich. Es gab keine größeren Vorkommnisse. Vorab-Befürchtungen bestätigten sich glücklicherweise nicht.

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Nach acht kräftezehrenden Spielen einen solchen Auftritt zu zeigen, ist beachtenswert. Video

Nun wird die Olympische Familie Rio wieder verlassen. Viele Einheimische sind froh, dass das normale Leben wieder beginnt. In 536 Tagen werden die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang aufschlagen. Es folgen Tokio 2020 und Peking 2022.

Von Koreanern, Japanern und Chinesen darf man vor allem in Sachen Organisation weit perfektere Spiele als von Rio erwarten. Anarchische Spiele wird es dort nicht geben - aber die Atmosphäre wird wohl auch um einiges steriler sein.

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