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ASO gewinnt vorerst den Machtkampf gegen UCI

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Radsport  

ASO gewinnt vorerst den Machtkampf gegen UCI

07.03.2008, 19:27 Uhr | dpa

Pat McQuaid (Foto: dpa)Pat McQuaid (Foto: dpa) Erste Niederlage für den Radsport-Weltverband UCI und deren Präsident Pat McQuaid. Ungeachtet eines drohenden Ausschlusses haben sich die Teams der ProTour mehrheitlich für eine Teilnahme des am Sonntag startenden Klassikers Paris-Nizza entschieden. Zuvor hatte der Internationale Sportgerichtshof (CAS) einen Dringlichkeitsantrag der Mannschaften zurückgewiesen und sich in dieser Sache "als nicht zuständig" erklärt. Damit hat die UCI den Machtkampf mit der Tour-Organisation ASO vorerst verloren, was den Radsport vor eine große Zerreißprobe stellt. UCI-Präsident Pat McQuaid sagte, die Teams könnten sich für eine Zusammenarbeit mit dem Veranstalter ASO entscheiden: "Es gibt Gerüchte über eine eigene Liga. Wenn sie mit der ASO gehen wollen, dann ganz." Eine Rückkehr zum Weltverband und dessen Rennen schloss der Ire aus: "Die Mannschaften können nicht den Fuß in zwei Türen haben."

Klare Entscheidung gegen McQuaid

Der Weltverband scheiterte allerdings mit dem Versuch, die Teams auf ihre Seite zu ziehen. Mit 15 Ja-Stimmen, 8 Enthaltungen und 0 Gegenstimmen haben sich die Mannschaften eindeutig für einen Start bei Paris-Nizza ausgesprochen. Den Fahrern drohen Sperren von bis zu sechs Monaten und ein Teilnahmeverbot an allen UCI-Rennen einschließlich der Weltmeisterschaften.

Cavendish und Wiggins verzichten auf Start

Die Mannschaften berieten nach Angaben eines Sprechers aus dem Gerolsteiner-Team in Paris die neue Sachlage, nachdem 19 Teams bereits für Paris-Nizza gemeldet hatten. Zeit für eine Entscheidung bleibt bis Sonntagvormittag, der Prolog in Amilly bei Paris beginnt um 12.10 Uhr. Die Briten Mark Cavendish, im Vorjahr bei T-Mobile, und Bradley Wiggins erklärten bereits, sie würden nicht starten, um ihre Olympia-Chancen nicht zu gefährden.

CAS ist nicht zuständig

Die UCI eröffnete derweil Disziplinarverfahren gegen den französischen Radsport-Verband und dessen Präsidenten Jean Pitallier sowie gegen Eric Boyer, den Chef der Vereinigung der Profiradteams (IPCT). Die IPCT, sieben Mannschaften, darunter das deutsche Milram-Team, und die Fahrer-Vereinigung CPA hatten beim CAS ein Eilverfahren zur Schlichtung angestrengt. Der Sportgerichtshof in Lausanne erklärte sich bei den gewünschten schnellen Entscheidungen für nicht zuständig, ließ aber die Möglichkeit offen, bei mehr Zeit grundsätzlich ein Urteil zu fällen. Allerdings hatten sowohl UCI wie auch ASO erklärt, der CAS sei nicht zuständig.

UCI beharrt auf Austragung unter internationalen Regeln

Der französische Verband und Pitallier tragen aus Sicht der UCI eine Mitverantwortung im offen ausgebrochenen Streit. Paris-Nizza soll gemäß der Regeln des französischen Verbandes ausgetragen werden, während die UCI darauf beharrt, die Traditionsveranstaltung unter internationalen Regeln stattfinden zu lassen. Boyer wirft der Weltverband vor, er habe die Profimannschaften dazu ermutigt, an Paris-Nizza teilzunehmen und damit gegen UCI-Regeln zu verstoßen. McQuaid betonte erneut: "Es gibt keinen Grund für die ASO, Paris-Nizza nicht auf den UCI-Kalender zu setzen."

McQuaid spricht von Erpressung

Die ASO ist auch Veranstalter der Tour de France. McQuaid sprach in diesem Zusammenhang in einem offenen Brief an die französische Zeitung "Le Monde" sogar von Erpressung. Die Mannschaften fühlten sich auch aus finanziellen Gründen zu einer Teilnahme an der Tour verpflichtet und würden deshalb auch zu Paris-Nizza kommen. Anderenfalls riskierten sie, nicht zur Tour eingeladen zu werden.

Streit seit Einführung der ProTour

Der Veranstalter wolle lediglich an Macht im Radsport gewinnen. "Die ASO ist ein Unternehmen, das nur seinen Aktionären berichten muss. Die UCI ist eine demokratische, supranationale Organisation, die die Interessen aller vertritt, die im Radsport involviert sind", schrieb McQuaid weiter. Die ASO liegt seit der Einführung der ProTour im Streit mit der UCI und wehrt sich dagegen, ihre Rennen in die Serie eingliedern zu lassen.

Hoffen auf den "gesunden Menschenverstand"

McQuaid setzt nun auf eine Einigung in letzter Minute: "Ich hoffe, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt. Ich bin nicht glücklich, über Sanktionen und den Rauswurf von Leuten zu sprechen. Das tut dem Radsport nicht gut." Zuletzt hatte die UCI bereits mit Geldstrafen sowie dem Ausschluss der Fahrer von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gedroht. Der belgische Radsport-Verband riet McQuaid zu einem Eisbad, um abzukühlen.

ASO verweigerte Contadors Team Start-Erlaubnis

Der Streit war entbrannt, nachdem die ASO dem Astana-Team für alle von ihr ausgerichteten Rennen die Starterlaubnis verweigert hatte. Damit kann Toursieger Alberto Contador (Spanien) seinen Vorjahrestriumph bei der Tour de France nicht verteidigen. Die ASO weigert sich seit Jahren beharrlich, die Regularien der UCI anzuerkennen. Diese sehen unter anderem ein Startrecht aller erstklassigen Teams bei ProTour-Rennen vor. Im Radsport-Kalender 2008 hatte die UCI kein ASO-Rennen mehr der ProTour zugeordnet und die Veranstaltungen als illegal erklärt.

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