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Radsport: Systematisches Doping immer offensichtlicher

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Systematisches Doping im Radsport

20.03.2008, 16:00 Uhr | dpa

Neuer Verdacht gegen das ehemalige T-Mobile Team (Foto: imago)Neuer Verdacht gegen das ehemalige T-Mobile Team (Foto: imago) Der Doping-Skandal um frühere Fahrer und Ärzte des T-Mobile Teams und dessen Vorgänger Team Telekom bekommt neue Dimensionen. Nach Erkenntnissen der Doping-Untersuchungskommission des Universitätsklinikums Freiburg soll es beim ehemaligen Radrennstall jahrelang systematisches Doping gegeben haben. "Angesichts der bislang vorliegenden Informationen erscheint es der Kommission schlüssig, dass von 1993 bis 2006 Fahrer des Team Telekom bzw. das T-Mobile Team von Ärzten der Abteilung Sportmedizin gedopt worden sind. Für den Zeitraum 1993 bis 2000 und 2006 ist dies aufgrund der vorliegenden Informationen evident", heißt es in einem in Freiburg vorgestellten Zwischenbericht. Neben dem geständigen Kronzeugen Patrik Sinkewitz sollen doch zwei weitere Profis während der Tour de France 2006 zum Dopen nach Freiburg gefahren sein.

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Während der Tour de Suisse gedopt

Erik Zabel war nach Erkenntnissen der Kommission unter Vorsitz von Hans Joachim Schäfer bereits während Tour de Suisse 1996 gedopt. "Auch Erik Zabel begann im Jahr 1996 während der Tour de Suisse eine dreiwöchige EPO-Kur", heißt es in dem Bericht. Der jetzige Milram-Sprinter hatte am 24. Mai 2007 eingeräumt, "kurz vor der Tour de France" 1996 EPO benutzt zu haben. Das sei aber ein einmaliger Test gewesen, den er am Ende der ersten Tour-Woche beendet habe. Die Tour de Suisse lief 1996 vom 11. bis zum 20. Juni. Die Tour de France begann am 29. Juni 1996.

"Zabel ist kein klassischer Doper"

Schäfer erklärte, dass der Zwischenbericht keine neuen Vorwürfe gegen Zabel beinhalte. Dessen dreiwöchige EPO-Kur während der Schweiz-Rundfahrt 1996 widerspreche nicht dem, was Zabel bei seinem tränenreichen Geständnis eingeräumt hatte. "Das deckt sich absolut". Der Radprofi aus Unna habe diese Kur gestanden - und nicht mehr. "Wahrscheinlich hat er auch nicht mehr gebraucht, weil er ein Sprinter ist. Zabel ist kein klassischer Doper", sagte Schäfer.

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Neben Zabel beschäftigten sich die drei Kommissionsmitglieder Schäfer, Wilhelm Schänzer und Ulrich Schwabe unter anderen auch mit dem aktuellen Astana-Fahrer Andreas Klöden. "Im Jahre 2000 hat es eine Medikamentenlieferung an die Freundin von Andreas Klöden gegeben - eilig, über Nacht. Die Frachtkosten wurden gebucht über das Konto 'Dopingfreier Sport'", sagte Schäfer. Der Doping-Jäger Werner Franke hatte gegen Klöden und weitere T-Mobile Fahrer Strafanzeige wegen Betrugs erstattet. Franke ist davon überzeugt, dass "zwischen fünf und sieben" T-Mobile Profis während der Tour 2006 an der Freiburger Universitätsklinik gedopt haben.

Auch Ärzte im Visier

Neben den geständigen und inzwischen entlassenen Medizinern Andreas Schmid und Lothar Heinrich sollen auch die beiden ehemaligen T-Mobile-Teamärzte Andreas Blum und Stefan Vogt Zahlungen im Zusammenhang mit unerlaubten Doping-Praktiken erhalten haben. "Das waren namhafte Beträge", sagte Schäfer. Gegen Blum und Vogt erhob die Uni-Klinik Klage auf "Erstattung von unrechtmäßigen Einnahmen". Bewiesen sei, dass der frühere Magenta-Teamarzt Heinrich im vergangenen Jahr 120.000 Euro und 2006 insgesamt 60.000 Euro für seine Dienste erhalten habe.

Aufdeckung der gängigen Praxis

Ein wesentliches Ergebnis der Arbeit der Kommission sei "die Aufdeckung der gängigen Praxis der Rennställe, die das Team betreuenden Ärzte zusätzlich und ohne Kenntnis des Universitätsklinikums zu entlohnen". Neben den vier genannten Freiburger Uni-Medizinern gebe es für die Verwicklung weiterer Ärzte keine Erkenntnisse. "Über das hinaus, was in dem Untersuchungsbericht steht, können wir keine weiteren Einzelheiten bekanntgeben", sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) auf Anfrage.

Fragezeichen hinter Huber

Eine Verwicklung des langjährigen Olympia-Arztes Georg Huber in die Doping-Praktiken der Fahrer des Bonner Rennstalls ist nicht bewiesen. Der Freiburger Mediziner hatte Doping im Amateur-Bereich in den 80er Jahren eingeräumt. "Bei Huber wissen wir inzwischen, dass er noch länger mitgemacht hat", sagte der Klinikumsvorsitzende Matthias Brandis, der sich auf einer Pressekonferenz über die "kriminelle Energie" empörte.

Was war mit dem Rhein-Konvoi?

Die Kommission geht davon aus, dass außer dem geständigen Patrik Sinkewitz weitere ehemalige T-Mobile-Profis während der Tour 2006 zum Eigenblut-Doping nach Freiburg gefahren waren. "Das Ergebnis bislang ist, dass es noch zwei weitere Fahrer waren", sagte Schäfer. Gerüchte über einen sogenannten "Rhein-Konvoi" des früheren Bonner Radrennstalls während der Frankreich-Rundfahrt 2006 konnten bislang nicht bewiesen werden. Kronzeuge Sinkewitz hatte zuletzt im Januar über sein eigenes Doping am Abend nach der ersten Etappe der Tour 2006 gesagt: "Es war kein anderer Fahrer in meinem Auto nach Freiburg dabei." Schäfer erklärte nun: "Es gibt den Hinweis, dass es noch ein weiteres Fahrzeug gab."

Scharping will Klärung nach Ostern

Die Experten-Kommission hatte seit Juni 2007 mit den früheren Magenta-Profis Rolf Aldag, Erik Zabel, Bert Dietz, Jörg Jaksche, Christian Henn und Sinkewitz gesprochen. Zudem erteilte der ehemalige Telekom-Masseur Jef D'Hont, dessen Schilderungen im "Spiegel" im Mai zur Geständnis-Welle der Fahrer geführt hatte, detailliert Auskunft. In den kommenden Tagen will sich die Spitze des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) mit der Kommission unterhalten. "Wir werden nach Ostern das Gespräch suchen, um die verschiedenen Informationen auszutauschen und abzugleichen", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping.

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