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Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Ullrich ein

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Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Ullrich ein

14.04.2008, 13:51 Uhr | sid

Jan Ullrich (Foto: dpa)Jan Ullrich (Foto: dpa) Mit der Zahlung eines "sechsstelligen Euro-Betrages" hat sich Jan Ullrich freigekauft, doch sein Ruf bleibt ruiniert. Das Strafgeld an gemeinnützige Institutionen und die Staatskasse und die Herausgabe wertvoller Beweismittel sind der hohe Preis für die Einstellung des Verfahrens wegen "Täuschung und Betruges zum Nachteil seiner Arbeitgeber" Telekom/T-Mobile durch Doping. Damit gilt der 34-jährige Toursieger von 1997 als nicht vorbestraft, doch die Kommentierung der Bonner Staatsanwaltschaft könnte kaum vernichtender sein.

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Ullrich: Kein Schuldeingeständnis

Der Vergleich kostet Ullrich Millionen, weil er auch auf eine "siebenstellige" Summe von seinem anderen Ex-Rennstall Coast verzichten musste. Die genaue Höhe der jüngsten Strafzahlung wurde nicht genannt, Presseberichte im Vorfeld schwankten zwischen 250.000 und einer Million Euro. "Ich war immer ein fairer Sportler, die Zahlung ist kein Schuldeingeständnis", behauptete Ullrich dagegen auf seiner Homepage. "Ein Geständnis konnte es auch deshalb nicht geben, weil es keinen Betrogenen gibt. Aber ein Kampf bis zum Freispruch hätte mich wesentlich mehr Geld gekostet. Meine Frau und ich sind froh, dass endlich der überfällige Schlussstrich gezogen wurde." Das Verfahren gegen ihn lief seit August 2006.

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"Hemmschwelle war herabgesetzt"

Ullrichs Behauptung, "er habe niemanden betrogen", könne zwar "den strafrechtlichen Vorwurf nicht entkräften", doch sei die "kriminelle Energie des Beschuldigten letztlich als eher gering zu bewerten", hieß es in der Erklärung von Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel, in der die Einstellung der Ermittlungen mitgeteilt wurde. Die Einigung wurde von der Staatsanwaltschaft vor allem damit begründet, dass zu Ullrichs aktiver Zeit eine weithin verbreitete Doping-Mentalität vorherrschte: "Die Hemmschwelle zur Anwendung verbotener leistungssteigernder Mittel war herabgesetzt." Deshalb schien es fraglich, Ullrichs subjektive Meinung widerlegen zu können, nichts Unrechtes getan zu haben: "Dies konnte bei der Sachentscheidung nicht unberücksichtigt bleiben."

"Gravierende finanzielle Einbußen"

Zudem hätten die "im Ermittlungsverfahren festgestellten Tatsachen" dazu geführt, dass der Beschuldigte "gravierende finanzielle Einbußen und seit 2006 einen hohen Ansehensverlust in der Bevölkerung" hinzunehmen hatte und "sein einstmals herausragender Ruf als Sportler weitgehend geschädigt ist". Hinzu kam, dass Ullrich nach langer Verweigerung letztlich der Freigabe der Unterlagen zustimmen musste, die im Herbst 2006 bei einer Razzia der Schweizer Polizei in seinem Haus in Scherzingen sichergestellt worden waren. Der Zugriff auf wichtige Beweismittel wie PC-Daten dürfte für weitere Doping-Ermittlungen "von erheblicher Bedeutung sein", ließ Apostel verlauten.

Ullrich verzichtet auf Forderungen an Ex-Team Coast

Unter Würdigung aller Umstände sei dem öffentlichen Interesse an einer Strafverfolgung entsprochen. Dazu zählt auch, dass der Teamsponsor Telekom nach einem frühzeitigen Vergleich keine weiteren Ansprüche an Ullrich geltend mache und der Exprofi seinerseits auf Forderungen an sein früheres Team Coast verzichtet habe. Ullrich war am Tag vor der Frankreich-Rundfahrt 2006 durch T-Mobile von der Startliste genommen worden, nachdem er durch Dokumente der "Operacion Puerto" unter Verdacht geraten war, in den spanischen Dopingskandal verwickelt gewesen zu sein.

Lebenslange Sperre droht dem Ex-Radprofi

Im April 2007 konnten beim Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes beschlagnahmte Blutkonserven per DNA-Abgleich zweifelsfrei dem Rostocker zugeordnet werden. Dokumentiert sind auch Überweisungen Ullrichs auf ein Fuentes-Konto, Anfang 2004 hatte er 25.000 Euro an den Mediziner überwiesen. Ein deutlich höherer Betrag wurde Anfang 2006 vom Ullrich-Konto an dieselbe Bank in Madrid gezahlt, allerdings ohne Empfänger-Angabe. Ende Februar 2007 hatte Deutschlands einziger Toursieger seine Karriere für beendet erklärt, weil ihn kein Rennstall mehr haben wollte. Dennoch droht ihm als Doping-Wiederholungstäter noch eine lebenslange sportliche Sperre durch den Schweizer Verband, der nun Einsicht in die Unterlagen aus der Hausdurchsuchung erhält.

Schon 2002 Doping-gesperrt

2002 war das Jahrhunderttalent schon einmal wegen Medikamentenmissbrauchs für sechs Monate gesperrt worden. Auch damals beteuerte er seine Unschuld, man habe ihm in einer Disco eine Aufputschpille untergeschoben. Strafanzeige gegen Ullrich hatte im Juli 2006 die Bielefelder Rechtsprofessorin Britta Bannenberg gestellt. Unklar ist, ob auch die vom Heidelberger Dopingexperten Werner Franke gegen den Exprofi in Hamburg eingeleitete Klage vor der Einstellung steht. Für Franke-Anwalt Michael Lehner wäre der Bonner Vergleich "mit einem Geschmack behaftet", wenn es dadurch zu keiner Fuentes-Aussage vor einem deutschen Gericht mehr kommen würde.

Die Freiburger Staatsanwaltschaft ermittelt noch

Möglicherweise droht Ullrich auch noch ein Spießrutenlauf vor Gericht in Freiburg. Dort ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen der Doping-Machenschaften in der Uniklinik, wo die Magenta-Teams betreut wurden. Die Untersuchungen gegen die ehemaligen Mannschaftsärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid laufen weiter.

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