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Jörg Jaksche: "Die Leute werden für dumm verkauft"

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Radsport  

Jaksche: "Die Leute werden für dumm verkauft"

27.04.2008, 16:43 Uhr | sid

Jörg Jaksche (Foto: dpa)Jörg Jaksche (Foto: dpa) Kronzeuge Jörg Jaksche hat nach dem unfreiwilligen Rückzug mit der "geschlossenen Gesellschaft Radsport" abgerechnet und nach dem Fall Basso die Hoffnung auf bessere Zeiten aufgegeben. "Die Leute werden mit den ganzen Anti-Doping-Projekten doch für dumm verkauft. Viele Ex-Profis mit einer falschen Moral sind nach wie vor an der Spitze der Teams. Ich war der erste Kronzeuge und bin mit meiner Sache baden gegangen", sagte der Ansbacher nach seiner erfolglosen Suche nach einem neuen Rennstall.

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Kommt auch Winokurow zurück?

Als Nestbeschmutzer musste Jaksche die schmerzliche Erfahrung machen, dass es für ihn keinen Weg zurück gibt. Basso, der ebenfalls Kunde des spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes war, hatte es leichter. Schon Monate vor Ablauf seiner Zwei-Jahres-Sperre wurde der Italiener vom Team Liquigas unter Vertrag genommen - für ein fürstliches Jahresgehalt von 500.000 Euro. Sogar eine baldige Rückkehr des Blutdopers Alexander Winokurow, womöglich schon bei den Olympischen Spielen in Peking, ist nicht mehr ausgeschlossen. Der frühere T-Mobile-Profi soll wieder voll im Training sein und in den Planspielen des kasachischen Verbandes eine Rolle spielen.

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Holczer: Es bricht nicht alles zusammen

Mit der Moral scheint es im Radsport auch nach all den Skandalen nicht allzu weit zu sein. Dass die Verpflichtung Bassos gegen den von den Teams verabschiedeten Code de Conduite verstieß, interessierte Liquigas herzlich wenig - genauso wie der Ausschluss aus der Teamvereinigung AIGCP. "Natürlich wirft das kein gutes Licht auf den Radsport, aber ich sehe nicht, dass alles zusammenbricht", sagte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer.

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Riis: "Jeder hat eine zweite Chance verdient"

Bei den vermeintlich anständigen Teams war der Aufschrei nach dem Liquigas-Vorgehen groß. So zeigte sich Milram-Sportdirektor Jochen Hahn "schockiert". CSC-Teamchef Bjarne Riis, in der Epo-Hochzeit wegen seines hohen Hämatokritwertes auch als "Monsieur 60 Prozent" bekannt, hat dagegen eine andere Auffassung vom Regelwerk der Teams. "Jeder hat eine zweite Chance verdient, wenn er seinen Fehler zugibt. Dafür stehe ich. Ivans Strafe ist bald beendet. Deswegen ist es okay, dass er wieder fährt", sagte der Toursieger von 1996.

UCI schaut tatenlos zu

Der Ausschluss aus der AIGCP trifft Liquigas jedenfalls nicht allzu hart. "Nun sind die Veranstalter und Sponsoren am Zug. Wir als Teams haben ein Zeichen gesetzt", sagte Holczer. Inwieweit die Tour-Organisation ASO die italienische Mannschaft abstraft, bleibt abzuwarten. Für die diesjährige Frankreich-Schleife hat Liquigas jedenfalls eine Startberechtigung. Den Weltverband UCI scheint die Angelegenheit kaum zu stören. Man habe keine rechtliche Handhabe, heißt es aus der Schweiz. Genauso untätig war die UCI auch im Fall Winokurow. Der Kasache war vom nationalen Verband trotz seiner Überführung bei der letztjährigen Tour nur für ein Jahr gesperrt worden.

Jaksche will wieder studieren

So ist es wenig verwunderlich, dass sich Jaksche keine Illusionen mehr macht. "Ich nehme jetzt mein BWL-Studium wieder auf. Vielleicht kann ich durch meine guten Kontakte noch ehrenamtlich eine Aufgabe bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) übernehmen und so dem Radsport auf ehrliche Art und Weise helfen", sagt der frühere Rundfahrt-Spezialist. Jaksche hatte sich bis zuletzt Hoffnungen gemacht, bei Milram unterzukommen.

Hahn ist skeptisch

Am vergangenen Freitag folgte dann die endgültige Absage. "Ich weiß nicht, ob er seinen guten Vorsätzen treu bleiben würde. Es wird schließlich nach wie vor im Feld schnell gefahren. Und er hat ja schon einmal gesagt, dass er ohne Doping nicht mitgekommen ist", begründet Hahn die Absage: "Es gibt noch viele junge hoffnungsvolle Fahrer, die wir im Auge haben."

Petacchi droht das Aus

Milram will jedenfalls einen strikten Anti-Doping-Kurs fahren - auch bei Alessandro Petacchi, der wegen eines möglichen Doping-Vergehens beim letztjährigen Giro sein Urteil beim Internationalen Sportgerichtshof CAS erwartet. "Wird er gesperrt, ist sein Engagement bei Milram beendet", sagt Hahn.

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