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"Mafiöses System" im Radsport

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"Mafiöses System" im Radsport

14.05.2008, 11:00 Uhr | sid, dpa

Kanülen werden für eine Dopingprobe präpariert (Foto: imago)Kanülen werden für eine Dopingprobe präpariert (Foto: imago) Die angeprangerten Dopingpraktiken der Sportmedizin an der Freiburger Uniklinik sind die Folge eines "mafiösen Systems" im Profiradsport. Dazu gehört auch das frühere T-Mobile Team, bei dessen Proben es im Lauf der Jahre 57 positive Resultate gegeben habe. Dies bekräftigte der Institutsleiter Hans-Hermann Dickhuth. Aus diesem Grund werde die Freiburger Sportmedizin nur noch mit Verbänden zusammenarbeiten, die eine glaubwürdige Antidopingpolitik vertreten. Diese Konsequenz aus dem Dopingskandal kündigte der ärztliche Direktor in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" an.

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Lage verkannt

Grundsätzlich schließt er eine weitere Betreuung von professionellen Straßenradsportlern aus. Inzwischen wird von der Staatsanwaltschaft gegen fünf frühere Freiburger Klinikärzte ermittelt, darunter auch die ehemaligen Team Telekom Mediziner Dr. Andreas Schmid und Dr. Lothar Heinrich. Dickhuth räumt ein, die Lage verkannt zu haben: "Ich habe keine Vorstellung gehabt, welche kriminelle Energie in diesem System möglich war. Ich konnte mir dieses Ausmaß schlicht nicht vorstellen. Heute weiß ich, dass es einzelne Kollegen gab, die Informationen hatten, sie mir aber nicht zur Verfügung stellten."


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"Ungeheurer Druck"

Der 60-Jährige ist zu dem Schluss gekommen, dass Schmid und Heinrich "unter ungeheurem Druck gestanden haben müssen". "Sie haben sich in ein mafiöses System begeben, in dem sie gefangen waren und erpressbar wurden. Aus diesem System konnten sie nicht einfach verschwinden, ohne ihre Existenz zu verlieren", sagt Dickhuth, der nach eigener Einschätzung "völlig unterschätzt hat, welche Wertschätzung der Profiradsport genossen hat".

Zu viel Geld im Spiel

Dickhuth: "Jan Ullrich hat die ganze Nation in Atem gehalten. Er war eine Art Nationalheiliger, seine Ärzte waren Gurus, die diesen Status nicht verlieren wollten, das Institut hatte ein einmaliges Image, das vom Sport und von der Politik gepflegt wurde. Hätte ich 2002 in dieser Situation Zweifel an der Seriosität geäußert, wäre ich platt geschrieben worden." Dickhuth räumt ein, dass dabei für die Ärzte viel Geld im Spiel gewesen sei.

92 positive Tests, 57 von T-Mobile

Dickhuth beteuert, dass in Freiburg alles getan werde, um an der Aufklärung mitzuwirken. "Unser Blutexperte Schumacher und unser Informatiker Baumstark haben 58.800 Blutentnahmen überprüft und sind dabei auf 92 Blutwerte gestoßen, die als positiv getestet einzuordnen sind. 57 davon sind dem T-Mobile Team zuzurechnen, der Rest waren keine Sportler", sagt Dickhuth, der sich aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht nicht dazu äußern wollte, ob auch Ullrichs Testwerte betroffen sind.

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