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Sportpolitik: Radsport droht Olympia-Aus

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Radsport  

Radsport droht Olympia-Aus

08.10.2008, 13:23 Uhr | dpa

Vermeintlicher Dopingsünder Schumacher bringt ganze Sportart zu Fall. (Foto: imago)Vermeintlicher Dopingsünder Schumacher bringt ganze Sportart zu Fall. (Foto: imago) Das IOC droht mit einem Olympia-Bann, das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit einem schwarzen Bildschirm und die Politik mit dem Entzug der Fördergelder: Nach dem Doping-Fall des deutschen Tour-Helden Stefan Schumacher steht dem Profi-Radsport ein Flächenbrand mit gewaltigem Flurschaden bevor.

"Wir müssen uns fragen, ob es nicht an der Zeit ist, dem Radsport eine olympische Denkpause zu verordnen", sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach angesichts der offensichtlichen "Dummdreistigkeit" in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

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UCI gegen Bachs Vorschlag

UCI-Chef Pat McQuaid wies die Überlegung Bachs zur olympischen Auszeit des Radsports scharf zurück. "Es ist völlig inakzeptabel für Thomas Bach, dies zu sagen", sagte McQuaid. Es gebe auch andere Sportarten mit andauernden Problemen. "Anstatt den Radsport unter Beschuss zu nehmen, sollte er genauso auch diese unter Beschuss nehmen", sagte der Präsident des Weltverbandes UCI.

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Zwei Mal positiv getestet

Inzwischen ist bekannt geworden, dass Schumacher bei der diesjährigen Tour de France gleich zweimal positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet wurde. Bei den obligatorischen Tests zwei Tage vor dem Start und am 15. Juli, dem ersten Ruhetag. Das geht aus den Unterlagen hervor, die der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) von der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) erhalten hat. Schumacher hat nun fünf Tage Zeit, eine Stellungnahme abzugeben oder die Analyse der B-Probe zu beantragen. Danach kann ein Sportstrafverfahren durch das Bundessportgericht des BDR offiziell eröffnet werden.

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Weitere Stars unter Verdacht

Doch damit nicht genug: Der Fall Schumacher ist vermutlich nur der Beginn einer noch folgenden Welle von positiven EPO-Tests. Die Radsport-Welt zittert bereits vor den nächsten Auswertungen der Blutproben bei der Tour de France. So könnte das neu entwickelte Testverfahren weitere Stars des Radsports überführen. Eine Liste mit 30 potenziellen Dopingsündern macht inzwischen die Runde, darunter Olympiasieger Fabian Cancellara und der Tour-Dritte Bernhard Kohl vom Team Gerolsteiner.

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Gerdemann findet deutliche Worte

Deutschland-Tour-Sieger Linus Gerdemann reagierte geschockt auf die nächste Hiobsbotschaft. "Es ist niederschmetternd, dass es immer wieder Leute gibt, die den Radsport vernichten", sagte der als neuer Hoffnungsträger angetretene 26-Jährige aus dem Columbia-Team.

ARD und ZDF erwägen Ausstieg

Die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ziehen einen Ausstieg aus der Tour-Berichterstattung in Betracht. Diesen hatten sie bereits 2007 vollzogen. "Wir werden in Ruhe abwarten, was noch so alles unter dem Tisch hervorgefegt wird und ob der Radsport überhaupt noch zu retten ist. Alle Konsequenzen - auch ein Ausstieg - sind möglich", sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Das ZDF wolle Anfang des nächsten Jahres eine Entscheidung fällen. "Da packt einen die kalte Wut, wenn man sieht, wie solche Betrüger den Radsport kaputt machen", sagte ein ARD-Sprecher. Der TV-Spartensender Eurosport will auch künftig vom Radsport berichten.

Scharping soll zurücktreten

Auch in der Politik schlug der jüngste Skandal hohe Wellen. "Ich will dem Parlament nicht vorgreifen, aber ich bin der Meinung, das muss jetzt zu einer Sperre der Haushaltsgelder für den Radsport führen", sagte Peter Danckert (SPD). Der Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag forderte indirekt auch den Rücktritt von BDR-Präsident Rudolf Scharping: "Da hilft nur noch ein radikaler Neuanfang."

DOSB fordert Geld zurück

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht die olympische Kernsportart am Abgrund. "Das ist Selbstmord. Der Radsport spielt mit seiner Existenz", sagte Generaldirektor Michael Vesper. Der Dachverband werde Schumacher nachträglich aus dem Olympia-Team ausschließen und die Entsendungskosten für Peking zurückfordern.

Sinkewitz greift Holczer an

Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer beteuerte erneut, nicht in Schumachers mögliche Doping-Verstrickungen verwickelt zu sein: "Wir haben damit nichts zu tun." Den zweifachen Tour-Zeitfahrsieger, den er zivilrechtlich verfolgen will, werde er nicht anrufen. "Das, was ich ihm mitzuteilen habe, geht auch auf schriftlichem Wege", sagte Holczer. Der geständige Dopingsünder Patrik Sinkewitz attackierte den Gerolsteiner-Teamchef. "Er ist seit zehn Jahren dabei, so eine Betriebsblindheit an den Tag zu legen, ist aus meiner Sicht noch unglaubwürdiger und noch viel schlimmer als das Doping an sich", sagte der frühere T-Mobile-Radprofi im Hessischen Rundfunk.

Bestürzung in Schumachers Heimat

Schumachers neues belgisches Quick-Step-Team, für das er bis 2010 fahren sollte, wollte zunächst keine übereilte Entscheidung treffen. "Wir sind sehr enttäuscht, aber wir wollen die offizielle Erklärung abwarten", sagte Team-Sprecher Alessandro Tegner. Mit Entsetzen reagierte Schumachers Heimatverein auf den Doping-Verdacht gegen den 27-Jährigen. "Die Enttäuschung sitzt sicherlich bei uns noch tiefer als bei vielen. Wir sind fassungslos", sagte Rudi Ertinger, Vorsitzender des Radsportclubs Nürtingen 1949.

Traditionsrennen vor dem Aus?

Die ehemalige BDR-Präsidentin Sylvia Schenk erwartet nach den jüngsten Doping-Enthüllungen "einen Sturm". Radsport-Klassiker wie die Tour oder das Henninger-Turm-Rennen in Frankfurt am Main seien bedroht: "Ich fürchte, das ist das Aus für das Henninger Rennen."

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