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Radsport - Doping: Linus Gerdemann beklagt Verlust der Glaubwürdigkeit

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Radsport  

Gerdemann klagt an: "Glaubwürdigkeit im Keller"

08.10.2008, 14:41 Uhr | sid

Linus Gerdemann ist enttäuscht von Schumacher. (Foto: imago)Linus Gerdemann ist enttäuscht von Schumacher. (Foto: imago) Nach dem Dopingfall Stefan Schumacher und weiteren Enthüllungsankündigungen der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD geht im Radsport blanke Existenzangst um. Profis und Veranstalter fürchten ums Überleben. "Mir wird die Plattform für meinen Beruf entzogen", schrieb Linus Gerdemann, Sieger der Deutschland-Tour 2008, in einem Gastkommentar für den "Kölner Stadt-Anzeiger".

"Das Fernsehen überlegt seinen Ausstieg, Sponsoren auch, unsere Glaubwürdigkeit ist im Keller. Am meisten tun mir die Jugendlichen leid, denen die Basis für ihren Sport entzogen wird. Es gibt doch jetzt kein Lottogeschäft mehr, das bedenkenlos für ein Kinderrennen spendet. Das ist furchtbar", meinte der Columbia-Profi, der momentan vom Milram-Rennstall umworben wird.

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Deutschland-Tour-Chef: "Egoismus dominiert Leistungssport"

Weitreichende Folgen könnte der Fall Schumacher auch für die Deutschland-Tour haben. Deren Zukunft hängt maßgeblich von einer Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ab. "Für die Kritiker am Radsport innerhalb der ARD ist dies Wind in den Segeln", sagte Rundfahrt-Chef Kai Rapp: "Fürsprecher haben es dadurch noch schwerer." Schumacher habe dem Radsport einen Bärendienst erwiesen. "Es zeigt, wie Egoismus den Leistungssport dominiert", sagte Rapp. Allerdings sei der Fall auch ein Beleg für die Zuverlässigkeit der Kontrollen: "Ich gehe davon aus, dass man anhand der im Januar 2008 eingeführten Blutprofile erkennt, wer die Schwarzen Schafe sind und sie gezielt testet."

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Radklassiker stehen in Frage

Auch die Zukunft der Radklassiker Rund um Köln und Rund um den Henninger Turm steht nach dem Dopingfall von Radprofi Stefan Schumacher stärker denn je in Frage. "Mir ist die Spucke weggeblieben, als ich das gehört habe. Jetzt kann ich keinem Profi mehr trauen. Ich werde wohl nur noch ein Amateurrennen machen", sagte Kölns Cheforganisator Artur Tabat. Henninger-Chef Bernd Moos-Achenbach erklärte: "Ich habe in den vergangenen Wochen gute Gespräche geführt, aber der Fall Schumacher wirft uns sehr weit zurück. Es gibt Radsportler, die viel in den Beinen, aber nichts im Kopf haben. Das trifft auch auf ihn zu."

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Eigenbluttransfusionen im Fokus der Dopingjäger

Unterdessen suchen die Dopingjäger in den Proben von der Tour de France nun nach Eigenbluttransfusionen. Pierre Bordry, Chef der AFLD, sagte im ZDF: "Wir sind bereits im Besitz ernstzunehmender Hinweise auf Fälle von Eigenbluttransfusionen. Um wen es sich handelt, werden wir wohl erst später sagen können." Zur Aufdeckung soll ein Testverfahren eingesetzt werden, das derzeit noch entwickelt wird. Die AFLD war während der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt für das Doping-Kontrollprogramm verantwortlich. Im Visier haben die Dopingjäger Fahrer, bei denen vor dem Start der Tour Proben genommen und dabei auffällige Werte gefunden wurden. Dabei soll es sich laut Bordry um 30 Profis handeln.

Plädoyer für einen sauberen Radsport

Gerdemann klagte, dass es ihm nach den jüngsten Entwicklungen schwerfalle, Außenstehenden klar zu machen, dass er selbst nicht dope. "Ich kann nur sagen, dass ich mich für alle Tests dieser Welt bedenkenlos zur Verfügung stelle", erklärte der Radprofi: "Ich rede viel mit Jugendlichen und plädiere da vehement für einen sauberen Radsport. Diese ganze Arbeit hat Schumacher jetzt mit dem Hintern eingerissen."

Gerdemann: "Die Betrüger werden ausgesiebt"

Seine Hoffnungen für die Zukunft zieht Gerdemann aus der Überzeugung, dass es noch viele saubere Rennfahrer gebe, sowie "der tollen Arbeit" der französischen Anti-Doping-Agentur. "Aber es darf nicht sein, dass die Konsequenz aus dieser Arbeit eine Bestrafung ist. Zum Beispiel für die Tour de France, die als Ereignis in Frage gestellt wird. Oder auch für die Fernsehsportart Radsport", meinte Gerdemann: "Die Betrüger werden ausgesiebt. Auch das ist eine Botschaft des Falls Schumacher."

UCI-Chef weist IOC-Vizepräsident zurecht

Unterdessen wies UCI-Chef Pat McQuaid die Überlegung des IOC-Vizepräsidenten Thomas Bach, dem Radsport eventuell "eine olympische Denkpause" zu verordnen, scharf zurück. "Es ist völlig inakzeptabel für Thomas Bach, dies zu sagen", sagte McQuaid. Es gebe auch andere Sportarten mit andauernden Problemen. "Anstatt den Radsport unter Beschuss zu nehmen, sollte er genauso auch diese unter Beschuss nehmen", sagte der Präsident des Weltverbandes UCI.

Zum Durchklicken Die Höhepunkte der Tour de France 2008 in Bildern
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