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Doping: Ist der Radsport endgültig am Ende?

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Doping im Radsport  

Ist der Radsport endgültig am Ende?

14.10.2008, 12:10 Uhr | Von Björn Lücker, t-online.de

Hans-Michael Holczer (re.) und Bernhard Kohl. (Foto: imago)Hans-Michael Holczer (re.) und Bernhard Kohl. (Foto: imago) Die Radsportfans staunten nicht schlecht, als Bernhard Kohl während der Tour de France die Berge hochflog und auch noch im Zeitfahren die Konkurrenz in Schach hielt. Nun ist das Staunen beim Tour-Dritten groß: Nach Teamkollege Stefan Schumacher, der pikanterweise bei der Frankreich-Rundfahrt Kohls Zimmerkollege war, ist auch der 26-jährige Österreicher positiv aufs Blutdopingmittel CERA getestet worden.

"Das kann ich mir nicht erklären“, soll seine erste Antwort gewesen sein. Ein Standardsatz, den man immer wieder bei ertappten Dopingsündern hört. Kohl ist bereits der siebte Dopingfall bei der diesjährigen Tour de France. Ist der Radsport nun endgültig am Ende?

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Holczer: "Ich glaube niemandem mehr"

Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer, der nach außen für den Neuanfang im Radsport stand und dabei durchaus glaubwürdig wirkte, hat bereits kapituliert und zog die Mannschaft nun vorzeitig aus dem Rennbetrieb zurück. "Ich glaube niemandem mehr“, sagte er schwer enttäuscht. Und er hat recht: Man kann niemandem mehr glauben! Wie oft wurde ein Neuanfang propagiert , Ehrenerklärungen unterschrieben, hohe Geldstrafen angedroht – gebracht hat es nichts. Und eines ist klar: Schumacher, Kohl oder ein Riccardo Ricco, vor dem positiven Test bei der Tour noch als neue italienische Radsport-Hoffnung gefeiert, werden nicht die Letzten sein, die auffliegen.

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Parallelwelten zu groß

Der Radsport im Allgemeinen und die Tour de France im Besonderen stecken schon seit Jahren in einem Dilemma. Selbst der Festina- und Fuentes-Skandal haben nicht zum Umdenken geführt. Wie auch? Zu groß sind die Parallelwelten, in denen sich die Athleten befinden. Auf der einen Seite die heile Welt, in der es dann so schön heißt: "Ich schaffe das mit viel Schlaf, Pasta und Müsli". Doch in Wahrheit wachsen die meisten Fahrer mit einer Dopingkultur auf, der sie sich nicht entziehen können.

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Es wurde schon immer gedopt

Wenn man ehrlich ist, muss man sagen: Seitdem es den professionellen Radsport gibt, wird gedopt. In den Anfangsjahren der Tour de France, als die Fahrer noch auf Mammutetappen von bis zu 600 Kilometer geschickt wurden und sich über unbefestigte Bergpässe kämpfen mussten, betäubten sie ihre Schmerzen mit Alkohol. Später kamen dann die Amphetamine. Heute ist es das Eigenblut- oder EPO-Doping. Und wahrscheinlich probieren gerade einige Fahrer Mittel aus, von denen selbst die besten Doping-Labore (noch) nichts wissen.

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Tour noch immer ein Spektakel

Man darf nie vergessen, wie und warum die Tour de France 1903 entstand: Henri Desgrange, damals Chefredakteur der Sportzeitung "L'Auto" gründete die Rundfahrt, um mit einem Spektakel die Auflage seines Blattes zu steigern. Und im Kern ist die Tour bis heute ein Spektakel geblieben: Tag für Tag quälen sich die Fahrer mit schier unmenschlichen Kräften mehrere Bergpässe hoch. Der Sieger ist dann der gefeierte Held und ihm winken Millionen-Verträge. Einziger Knackpunkt: Ohne pharmazeutische Hilfe ist das alles nicht zu schaffen. So wird also munter weitergedopt.

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"Der Radsport hat keine Chance mehr"

Der einzige Weg aus dem Dilemma wäre wahrscheinlich, das Doping freizugeben. Doch wo führt das hin? Wahrscheinlich würden wieder Fahrer tot vom Rad fallen (Tom Simpson) oder knapp dem Tod entkommen (Jesus Manzano) – sei die ärztliche Kontrolle auch noch so groß. "Der Radsport hat eigentlich keine Chance mehr", sagt Holczer. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Kein Sechstagerennen in Stuttgart

Wie ernst die Situation ist, zeigt sich jetzt in Stuttgart. Dort ist das Sechstagerennen 2009 abgesagt worden. "Wir haben in den vergangenen Tagen intensive Gespräche geführt und sind zum Entschluss gekommen, das 26. Sechstagerennen angesichts der Situation im Profi-Radsport im kommenden Jahr nicht durchzuführen", sagt Andreas Kroll, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft. Eine konsequente Marketingstrategie mit der Gewinnung neuer Sponsoren, die Logenvermarktung und ein erfolgreiches Ticketing seien aufgrund der jüngsten Ereignisse nicht möglich.

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