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Radsport: ARD und ZDF sagen der Tour de France "au revoir"

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Radsport  

ARD und ZDF sagen der Tour "Au revoir"

16.10.2008, 15:33 Uhr | dpa, sid

Bei der ARD ist die Tour nicht mehr zu sehen (Foto: dpa)Bei der ARD ist die Tour nicht mehr zu sehen (Foto: dpa) Die ARD hat die Bremse gezogen und steigt aus der Live-Berichterstattung der Tour de France aus. Damit reagierte das Erste als erster öffentlich-rechtlicher TV-Sender auf die nicht nachlassende Doping-Welle im Radsport.

Das Geständnis des Österreichers Bernhard Kohl, das seinen Kollegen Stefan Schumacher aus dem Gerolsteiner-Team massiv unter Druck setzte, war der Tropfen auf den heißen Stein. "Die Intendanten sind stinkwütend, zumal Kohl zu der neuen und sauberen Generation im Radsport gezählt wurde", erläuterte ARD-Sprecher Peter Meyer den "einstimmigen Beschluss" der neun Intendanten und Intendantinnen auf einer Klausurtagung in Köln. Das ZDF schloss sich erwartungsgemäß der Haltung an.

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Brender: Übertragung nur mit ARD

"Wir werden die Tour de France nicht ohne die ARD übertragen", versicherte Chefredakteur Nikolaus Brender in einer ersten Reaktion. Über die rechtlichen Konsequenzen wollen beide Sender mit der Europäischen Rundfunk Union (EBU) sprechen. "Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert. Damit ist auch der programmliche Wert stark gesunken", verteidigte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff den Verzicht auf die üblichen Live- Übertragungen der Tour-Etappen am Nachmittag.

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Vertrag ohne Einverständnis verlängert

Bei den Verhandlungen mit der EBU könnten derweil Probleme auftauchen, denn diese hatte offenbar ohne Einverständnis von ARD und ZDF bereits im Juli den Vertrag mit dem Tour-Veranstalter ASO verlängert. "Wir haben immer gesagt, dass wir erst Ende der Saison entscheiden. Warum die EBU trotzdem vorher gehandelt hat, wissen wir nicht", sagte Meyer. Nun müsse man sich einigen.

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Eurosport weiter live dabei

Im Gegensatz zu ARD und ZDF hält Eurosport an den Live-Übertragungen fest. "Für uns als Spartensender hat die Tour einen Wert. Deshalb wollen wir die Berichterstattung wie geplant fortsetzen", erklärte Eurosport-Sprecher Werner Starz. Bereits bei der Tour de France 2007 hatte der Sportkanal seine Berichterstattung trotz des Dopingfalls Patrik Sinkewitz fortgesetzt. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender waren damals ausgestiegen, Sat.1 hatte kurzfristig übernommen - und schlechte Quoten erzielt.

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Politiker haben "Schnauze voll"

Unterdessen äußern auch Politiker immer lauter ihren Unmut. "Jetzt muss ein Stopp-Signal kommen. Irgendwann müssen wir Politiker die Schnauze voll haben", sagte der Stellvertretende Sportausschuss-Vorsitzende Peter Rauen. Der BDR signalisierte bereits Bereitschaft zur Kooperation, nachdem Politiker gefordert hatten, dem Verband die Mittel für 2009 zu sperren oder sogar zu streichen. "Der BDR wird selbstverständlich jede Frage beantworten und nutzt gerne die Gelegenheit, um mit sachdienlichen Informationen zu dienen", sagte Generalsekretär Martin Wolf. Verbandschef Rudolf Scharping soll am 12. November vor dem Sportausschuss des Bundestages zur Anti-Doping- Politik des BDR Stellung beziehen. Radprofi Linus Gerdemann warnte indes vor einer Streichung der Fördermittel, die "auch dem Nachwuchs auf die Füße fallen würde. Das wäre alles andere als sinnvoll."

Holczer: Entscheidender Schlag

Hans-Michael Holczer, Teamchef des Gerolsteiner-Rennstalls, prophezeit dem Profiradsport in Deutschland nach dem Rückzug von ARD und ZDF eine düstere Zukunft. "Das versetzt der Wertigkeit des Produkts einen heftigen und wohl entscheidenden Schlag. Der Radsport konnte bisher die umfassenden TV-Berichte in die Waagschale werfen", sagte Holczer.

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Ullrich nicht einverstanden

Mit Kritik an der Entscheidung meldete sich Ex-Profi Jan Ullrich zu Wort. "ARD und ZDF haben die fetten Jahre abgegrast. Jetzt, wo der Radsport die Medien braucht, hören sie auf. Dabei wollen die Fans die Tour doch sehen", sagte der Tour-Sieger von 1997 der "Bild"-Zeitung. Ullrich war vor zwei Jahren wegen der angeblichen Verstrickung in den Dopingfall um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes von der Tour ausgeschlossen und vom T-Mobile Team suspendiert worden. Der gebürtige Rostocker hat Doping immer bestritten.

Deutschland-Tour findet nicht statt

Und genau das bekommt nun die Deutschland-Tour zu spüren, die wegen der jüngsten Dopingskandale für 2009 abgesagt wurde. "Wir bedauern es, diese Entscheidung treffen zu müssen", sagte Kai Rapp, Geschäftsführer der Deutschland-Tour GmbH in Hamburg. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Profiradsport sehe man sich nicht mehr in der Lage, die Veranstaltung erfolgreich zu vermarkten und damit zu finanzieren, hieß es in einer Presseerklärung.

Was wird aus Team Milram?

Auch bei Milram, das den letzten verbliebenen deutschen Profi-Rennstall unterstützt, wird man sich nun Gedanken machen. Marketing-Vorstand Mischel hatte bereits am Mittwoch erklärt, dass man bestimmte Exit-Strategien habe. "Wenn sich die Verhältnisse ändern, wird es eine neue Gesamtbeurteilung geben", sagte Mischel.

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