Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Mehr Sport > Radsport >

Wer findet sich bereit, das Übel auszurotten?

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Radsport - Doping  

Wer findet sich bereit, das Übel auszurotten?

19.10.2008, 11:52 Uhr | t-online.de

Jörg Jaksche (Foto: imago)Jörg Jaksche (Foto: imago) Die Überführung zweier Stars der jüngsten Tour, Stefan Schumacher und Bernhard Kohl, versetzte dem ohnehin nur noch röchelnden Radsport die nächsten Schläge. Alle Welt wartet auf das weiterhin ausbleibende Signal der Erneuerung. "Diese Leute sehen die Notwendigkeit nicht", kritisierte der als Kronzeuge in Erscheinung tretende Jörg Jaksche im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF, "eine Sportart zu retten und damit auch die eigene Existenz."

Als Jaksche 1997 seine derzeit ruhende Profikarriere einschlug, habe es für die Fahrer nur die Wahl gegeben "zwischen Sich-erschießen und Guillotine. Es waren komplett andere Voraussetzungen. Hast du nichts genommen, hast du deinen Arbeitsplatz verloren."

Ausstieg ARD und ZDF zeigen die Tour 2009 nicht

Horrorszenario 2009 Dopingsünder kommen zurück
Doping Kohl gesteht unter Tränen
Kohl-Doping Ist der Radsport am Ende?
Foto-Show Geständige Dopingsünder im Radsport

Inzuchtsystem

Über den bestimmen - auch zu Jaksches ganz persönlichem Leidwesen - noch immer "die Leute, die schon vor 20 Jahren dabei waren und in dem System groß geworden sind." Insofern herrsche noch immer eine "Art von Inzucht": "Man hat vor zwei Jahren diese historische Chance verpasst", fügte Jaksche, der selbst vor elf Jahren begann, sich mit Hilfe von EPO (Erythropoetin) konkurrenzfähig zu halten, "wirklich reinen Tisch zu machen." So laufe der Radsport dem Ziel, Glaubwürdigkeit zu erlangen, ohne Aussicht auf Erfolg hinterher.

Analysen abgeschlossen Keine weiteren Dopingfälle bei der Tour
Lance Armstrong Doch kein Tour-Start?

Die wechselnden Rollen des Stefan S.

Dazu käme "ganz viel Heuchelei". Jaksche erklärte sie exemplarisch an dem gefallenen Sprintstar Schumacher: "Letztes Jahr bei der WM wurde die Kuh noch vom Eis gebracht. Er hatte extreme Blutwerte und durfte dann doch fahren. Dieses Jahr war er der potenzielle Sponsor-Erneuerer, als er das Gelbe Trikot hatte. Jetzt ist er plötzlich der Kriminelle."

Testen Sie Ihr Wissen

Die Sportler werden mit dem Problem allein gelassen

Es sei noch immer Usus, das Problem auf dem Rücken der Fahrer abzuladen. "Es gibt von Seiten der Verbände keine ordentliche Linie, keine Antidopinginitiativen. Es gibt keine Aufklärung", zählte Jaksche weiter auf, "keine Erziehung, es gibt keine Zusammenarbeit mit den Sportlern."

Der Griff zu EPO bleibt nicht aus

Die aber greifen zu einem guten Teil weiterhin auch zu EPO. Zu Jaksches Lehrjahren als Profi war diese Form der illegalen Leistungssteigerung noch nicht nachweisbar. "Ich würde bei Schumacher und Kohl nachfragen", ergänzte Gerald Ciolek ebenfalls im "Sportstudio", "wieso nach all den Geschehnissen und Vorkommnissen und Aufdeckungen der letzten zwei Jahre jetzt wieder der Griff zu verbotenen Mitteln?" Heute läge die Entscheidung dazu, so Ciolek, "beim Sportler".

Glücklicher Ciolek

Der Columbia-Profi, der 2005 als 19-Jähriger ins Lager der Berufspedaleure wechselte, blickt einer vertraglich sicheren Zukunft entgegen. Auch im Gegensatz zu Jaksche. "Ich hatte das Glück, bisher saubere Mannschaften durchlaufen zu haben, die vom frischen Wind gelebt haben. Ich habe nie etwas von System oder Zwang mitbekommen, hatte so meine Erfolge."

Foto-Show Sportler und ihre Doppelgänger

Nur ein Lüftchen der Erneuerung, Lippenbekenntnisse

Der "frische Wind" aber zog keinen reinigenden Sturm nach sich, der an allen Fronten zum Aufräumen gezwungen hätte. "Es fehlt eine klare Linie von allen Beteiligten", stimmte Ciolek Jaksche zu. "Da gehören die Medien dazu, der Verband, also der BDR. Da gehören aber auch die Fahrer dazu." In einem begrenzten Rahmen, also zunächst national "viel passieren" zu lassen, sei wichtig, um zu einer allgemeinen Einsicht zu führen.

Erstmal die Leichen wegräumen

Jaksche aber gab zu bedenken, dass "ein Systemproblem nicht mit den Leuten aus dem System" gelöst werden könne. "Wir haben kein bisschen mit der Vergangenheit aufgeräumt, jedenfalls nicht von oberster Stelle. Wie wollen wir in die Zukunft schauen, wenn wir immer noch mit den Leichen der Vergangenheit zu tun haben?" Jaksche nannte den Radsport schon mal eine "Parallelwelt". "Eindringlinge" sind gesucht.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Anzeige
Biermann über den Gipfelsturm 
"Das war ein richtiges Gänsehautgefühl"

Der deutsche Amateur-Radsportler erklimmt den Mont Ventoux mit einem Spenderherz. Video

"So schnell wie seit 10 Jahren nicht" 
Christoph Biermann gerät in Köln an seine Grenzen

Beim Velodom wird deutlich: Die Härte am Berg fehlt ihm nach seiner Herztransplantation noch. Video

Nach Herztransplantation auf den Mont Ventoux 
Christoph Biermann und das Rennen seines Lebens

Acht Monate wartete der Hobby-Radfahrer auf ein Spenderherz. Jetzt nimmt er den Ventoux ins Visier. Video



Anzeige
shopping-portal