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Radsport: Markus Fothen glaubt nicht an den gläsernen Athleten

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Radsport  

Fothen glaubt nicht an den gläsernen Athleten

12.03.2009, 10:30 Uhr | sid

Das Gespräch führte Arne Henkes

Radprofi Markus Fothen (Foto: imago)Radprofi Markus Fothen (Foto: imago) t-online.de: Nach fünf Jahren beim Team Gerolsteiner gehen sie in dieser Saison für das Team Milram an den Start. Kann man im Zusammenhang mit den unerfreulichen letzten Monaten bei Gerolsteiner von einer Art Neuanfang sprechen?

Markus Fothen: Es ist schon eine Art Neuanfang. Was in den letzten Wochen des Team Gerolsteiner passiert ist war traurig und hat weder der Sponsor, die Fahrer und Betreuer noch die Familie Holczer verdient. Für die Motivation und Moral kommt somit der Wechsel zum Team Milram zur rechten Zeit. Wir haben bei Milram eine starke Mannschaft mit vielen jungen deutschen Fahrern und wollen zeigen, dass der Radsport in Deutschland eine Zukunft hat.

t-online.de: Die Vorzeichen für den Radsport in Deutschland stehen vielleicht schlecht wie nie. Mit dem Team Milram gibt es nur noch ein deutsches Profi-Team im Peloton...


Markus Fothen: Es ist natürlich traurig, dass es in Deutschland jetzt mit Milram nur noch ein ProTour-Team gibt. Darunter müssen vor allem die Nachwuchsfahrer leiden, für die der Schritt in ein deutsches Top-Team zu gelangen von drei auf eine Chance geschrumpft ist. Unser Teammanager Gerry van Gerwen hat bei unserem ersten Treffen ein paar deutliche Worte an uns Fahrer gerichtet und ich glaube auch, dass es jeder in dieser Mannschaft verstanden hat. Man darf nicht vergessen, dass es hier auch um die berufliche Existenz von vielen Personen geht. Von daher kann ich es auch nur begrüßen, dass wir hier sehr strenge und transparente Anti-Doping-Richtlinien haben.

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"Show für die Öffentlichkeit"

t-online.de: Transparenz ist ein gutes Stichwort. Fahrer wie Lance Armstrong, Patrik Sinkewitz oder Ivan Basso machen ihre Blutwerte öffentlich, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Wäre dies auch eine Option für Sie?


Markus Fothen: Grundsätzlich wäre ich zu allem bereit, was der Glaubwürdigkeit unseres Sports dient. Ob das Veröffentlichen von Blutwerten der richtige Weg ist, wage ich aber zu bezweifeln. In meinen Augen ist das einfach nur ein bisschen Show für die Öffentlichkeit. Ich meine, alle unsere Blutwerte werden in einem international anerkannten online System namens ADAMS gespeichert. Auf dieses System haben die WADA, die jeweiligen NADA‘s, die UCI sowie unabhängige Ärzte Zugriff, die alle Sanktionen bei Abweichungen von individuellen Werten aussprechen können. Durch dieses System, hoffe ich, sind Manipulationen in Zukunft ausgeschlossen. Also sind die Blutwerte, die ins Netz gestellt werden, vorher durch qualifizierte Personen mehrfach geprüft. Und wenn die Werte stark von der Norm abweichen, wird sie auch sicher keiner online stellen. Der Nutzen erschließt sich mir daher nicht.

t-online.de: Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen haben sie keinerlei Einträge in ihrem Gesundheitspass, haben also z.B. keine Probleme mit Asthma und haben damit auch keine Sondererlaubnis bestimmte Medikamente einzunehmen.


Markus Fothen: Ja, ich bin kerngesund und brauche keine Ausnahmegenehmigungen. Aber es ist auch nicht so, wie weitläufig in der Öffentlichkeit vermutet, dass ich damit zu einem geringen Prozentsatz im Profizirkus gehören würde, bei denen es so ist.

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Fothen auf Armstrong gespannt

t-online.de: Mit welchen Gefühlen sehen Sie dem Start von Lance Armstrong bei der Tour entgegen?


Markus Fothen: Ich bin gespannt, wie er die drei Jahre Pause weggesteckt hat, ansonsten kann man gegen den Start sicher nichts sagen. Er hat das Recht seinen Kritikern zu beweisen, dass auch seine bisherigen Erfolge „echt“ waren.

t-online.de: Kommen wir zu Ihrer Rolle bei der Tour. Nach einer starken Tour 2006 folgten in den darauf folgenden Jahren Rückschritte. Was erhoffen Sie sich von der Tour 2009?


Markus Fothen: Bis zum Juli ist es ja noch ein ganz gutes Stück hin, so richtig beschäftige ich mich damit noch nicht. Bei Gerolsteiner war ich in den letzten Jahren als Kapitän am Start und konnte die Erwartungen leider nicht ganz erfüllen. Bei Milram ist es nun Linus (Linus Gerdemann, die Red.) und daher ändert sich meine Rolle etwas. Aus den letzten beiden Jahren habe ich aber auch meine Lehren gezogen. Ich hoffe einfach, dass mir diesmal größere Probleme, durch zum Beispiel Stürze, im Vorfeld der Tour erspart bleiben.

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"Deutsche Meisterschaft wird heiß"

t-online.de: Haben Sie ein Problem für Gerdemann damit in die zweite Reihe zu rücken?


Markus Fothen: Nein, er ist zusammen mit Gerald Ciolek unser Kapitän und meine Aufgabe wird es sein, ihn zu unterstützen. Radsport ist ein Teamsport, das darf man nicht vergessen. In den letzten Jahren haben sich Fahrer meines alten Teams mir und meiner Position als Kapitän gegenüber loyal verhalten, nun kann man das von mir erwarten. Und wenn es gut läuft, wird es auch sicherlich die Gelegenheit geben, mal selber was zu probieren.

t-online.de: Sie sprachen den Erwartungsdruck an, der als Teamkapitän auf Ihnen lastete. Glauben Sie, dass Linus Gerdemann ein Problem damit haben könnte?

Markus Fothen: Nein, das glaube ich nicht. Linus hat mit dem Sieg bei der Deutschland-Tour gezeigt, dass er damit umgehen kann.

t-online.de: Haben Sie sich besondere Ziele für die Saison vorgenommen? Sie könnten ja zum Beispiel mal versuchen, ihrem Zimmerkollegen Fabian Wegmann das Trikot des deutschen Meisters abzujagen…


Markus Fothen: (lacht) Die deutsche Meisterschaft wird sicher eine heiße Angelegenheit und wir haben gute Chancen, das Trikot in unseren Reihen zu halten. Aber ich gönne Fabian das Trikot, schließlich hat er mich bei der Tour immer unterstützt. Es ist wie im Leben ein ständiges Geben und Nehmen. Und wie schon erwähnt, ist der Radsport eine Mannschaftssportart und man ist immer auf seine Teamkollegen angewiesen.

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