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Team Milram: Linus Gerdemann unter Dopingverdacht

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Radsport  

Wirbel nach Doping-Vorwürfen gegen Gerdemann

05.10.2009, 10:24 Uhr | sid, dpa

Linus Gerdemann wehrt sich gegen Dopingvorwürfe (Foto: imago)Linus Gerdemann wehrt sich gegen Dopingvorwürfe (Foto: imago) Die in der ARD-"Sportschau" geäußerten Doping-Vorwürfe gegen Linus Gerdemann haben für hektische Betriebsamkeit gesorgt. Das Milram-Team und der Bremer Sponsor Nordmilch AG sind im kontinuierlichen Austausch, Experten streiten sich über die Interpretation von Gerdemanns Hämoglobinwerten und der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) forderte den Münsteraner zum Handeln auf.

"Für uns gibt es derzeit nichts anderes, als Herrn Gerdemann darauf hinzuweisen, dass er sich sachkundig machen und sich dann äußern soll", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping. Zuvor hatte Gerdemann in dem TV-Bericht, in dem von Hämoglobin-Schwankungen beim Münsteraner im ersten Halbjahr 2006 die Rede war, Doping dementiert. Er habe "auf jeden Fall nicht manipuliert. Das kann ich ausschließen", sagte der 27 Jahre alte Milram-Kapitän.

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Schwankungen nicht in der Norm

Der "Sportschau" liegt nach eigenen Angaben ein in Hamburg erstelltes Blutgutachten vor, das auf dem Bericht der Freiburger Untersuchungskommission zu Doping im früheren Team Telekom/T-Mobile basiere. Darin soll von Schwankungen der Hämoglobin-Konzentration zwischen 17,2 und 14,2 Gramm pro Deziliter Blut bei Gerdemann im ersten Halbjahr 2006 die Rede sein. Unter Experten gelten Schwankungen von bis zu 1 Gramm pro Deziliter als normal. "Das sagt mir überhaupt nichts. Ich bin kein Mediziner", sagte der Münsteraner, der bislang als Hoffnungsträger des deutschen Profi-Radsports galt.

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Bis 2006 systematisches Doping

2006 fuhr Gerdemann im früheren T-Mobile-Team, dem die Freiburger Kommission in ihrem Abschlussbericht attestiert hatte, von 1995 bis 2006 "systematisch gedopt" zu haben. Auch Jan Ullrich, dessen Werte in den Jahren 1997 und 2006 laut ARD-Bericht ebenfalls schwankende Hämoglobin-Konzentrationen aufgewiesen haben sollen, trug damals das Magenta-Jersey. Der zurückgetretene Tour-de-France-Sieger von 1997 hat trotz zahlreicher belastender Indizien Doping stets bestritten.

Widersprüchliche Expertenmeinungen

Der Bayreuther Sportphysiologe Walter Schmidt bezeichnete die Hämoglobinwerte "auf den ersten Blick" als "nicht normal". Für Klaus Völker, Sportmediziner an der Universität Münster, liegen Gerdemanns Daten dagegen im "normalen Bereich. Solche Schwankungen können auftreten nach einem Infekt oder nach Dehydrierung", sagte Völker der Tageszeitung "Westfälische Nachrichten". Gerdemann erklärte in der ARD, er sei zum fraglichen Zeitpunkt nicht krank gewesen. Scharping wies darauf hin, dass es sich um "sensible, medizinische Daten" handle und nicht um "spezifizierte Vorwürfe".

Vorwürfe juristisch wohl haltlos

Juristisch hat Gerdemann wohl keine Folgen zu befürchten. "Ich halte es für wahrscheinlich, dass das Blut nicht mehr existiert", sagte Hans Joachim Schäfer, Vorsitzender der Untersuchungskommission Freiburg: "In meinem Bericht taucht der Name Gerdemann nicht auf. Ich hatte mich um die Ärzte zu kümmern. Ich habe Fakten zusammengetragen und analysiert."

Milram hält sich noch bedeckt

Der Freiburger Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier bestätigte, im Zuge der Ermittlungen gegen frühere Sportmediziner der Freiburger Uniklinik das Hamburger Gutachten in Auftrag gegeben zu haben. Die Nordmilch AG, die noch bis 2010 einen Vertrag mit dem einzigen deutschen ProTour-Team Milram hat, dürfte den ARD-Bericht mit Unbehagen zur Kenntnis genommen haben. "Wir müssen uns erstmal einen Überblick verschaffen, wie die Informationslage ist", sagte Konzernsprecherin Godja Sönnichsen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Bremer Milchproduzent sich auch noch 2011 im Profi-Radsport engagiert - erst recht nach dem jüngsten TV-Bericht. So oder so - bei der Suche nach neuen Geldgebern dürften die jüngsten Schlagzeilen der krisengeplagten Sportart in Deutschland nur schaden.

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